27. Jahrestag

Erinnerungsveranstaltung zur Errichtung der "Schwarzen Madonna" in Remagen

Hans Peter Kürten spricht in der Rheinhalle anlässlich der Erinnerungsveranstaltung.

REMAGEN. Rund 60 ehemalige Soldaten waren am Samstg angereist, um auf Einladung des Vereins "Friesensmuseum Brücke von Remagen" in der Rheinhalle den 25 Jahrestag seit Errichtung der Friedenskapelle "Schwarze Madonna" zu begehren.

"Vor 67 Jahren lagen Sie, die ehemaligen Gefangenen in den Löchern, im kalten nackten Boden und hatten nicht zu beschreibenden Hunger zu verkraften. Und dennoch träumten Sie davon, diese Grausamkeit und Unmenschlichkeit zu überstehen, um irgendwann nach Hause zu kommen. Alle, die hier sind, haben das geschafft."

In wenigen Sätzen beschrieb der Remagener Alt-Bürgermeister Hans Peter Kürten das Leid, die Verzweiflung, aber auch die nie versiegende Hoffnung der 180.000 deutschen Soldaten, die zwischen Frühjahr und Sommer 1945 durch das Kriegsgefangenenlager "Goldene Meile" zwischen Sinzig und Remagen geschleust worden waren.

Rund 60 - viele in Begleitung ihrer Frauen, Kinder und Enkelkinder - waren am Samstag aus dem Bundesgebiet angereist, um auf Einladung des Vereins "Friedensmuseum Brücke von Remagen" und der Stadt in der Rheinhalle den 25. Jahrestag seit Errichtung der Friedenskapelle "Schwarze Madonna" zu begehen.

Das Titelblatt der Einladung zu der "Erinnerungsveranstaltung" zeigt ein Foto von Hans Peter Kürten, der die "Schwarze Madonna" im Arm hält. Es ist jenes Bild, das vor 28 Jahren die "Deutsche Presse Agentur" 1984 veröffentlicht hatte, verbunden mit dem Aufruf an ehemalige Lagerinsassen, sich bei ihm zu melden.

"Die Resonanz war überwältigend. Gut 2000 Rückmeldungen haben mich erreicht", erinnert sich der 83-Jährige. Etwa 1600 ehemalige Kriegsgefangene waren im folgenden Jahr nach Remagen gekommen, um auf dem damaligen Lagergelände "gemeinsam zu beten und zu danken". Mit dabei: die "Schwarze Madonna".

"Die Skulptur hätte ich gerne dort gelassen. Allerdings wäre es eine Frage der Zeit gewesen, bis sie gestohlen worden wäre", erinnert Kürten an den Tag, an dem ihm die Idee gekommen sei, eine Kapelle zu errichten. Allerdings habe das Geld dafür gefehlt. Doch nach nur einem halben Jahr seien Spenden in Höhe von damals 320.000 Mark bei ihm eingegangen. So konnte bereits am 22. Juni 1985 der Grundstein gelegt werden. In Anwesenheit von 1200 Menschen wurde die Kapelle am 9. Oktober 1987 mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht.

"Es ist bis heute die einzige Kapelle in Deutschland, die an ein Kriegsgefangenenlager erinnert", ergänzt Kürten nicht ohne stolz. Die vom Lagerinsassen Adolf Wamper aus Lehm gefertigte Madonna habe sich laut Dechant Johannes Meyer, der mit Pfarrerin Elisabeth Reuter einen Gottesdienst zelebrierte, zu einem "Wahrzeichen, Mahnmal und Zeichen der Hoffnung entwickelt". "Die Kapelle ist mittlerweile auch ein Ort des friedlichen Widerstandes gegen den jährlichen Aufmarsch von Neonazis geworden", ergänzte die Pfarrerin. Unter dem Titel "Rheinwiesenlager 1945 - Rückschau auf eine emotionsgeladene Zeit" erinnerte der Historiker und Autor Rüdiger Overmans an das Kriegsgefangenenlager.

Nachdem der Schöpfer der "Schwarzen Madonna", Adolf Wamper, im vergangenen Jahr in der Presse als "Nazikünstler" und seine Skulptur als "rechte Reliquie" bezeichnet wurde, hat die Historikerin Bettina Oesl sich auf Spurensuche begeben. Am Samstag stellte sie die Ergebnisse ihrer mit Mitteln aus dem Bundesprogramm "Toleranz fördern, Kompetenz stärken" geförderte Forschungsarbeit vor. Demnach sei Wamper Mitglied der NSDAP gewesen und habe als Künstler "ohne Zweifel für das damalige Regime gearbeitet".

Allerdings, so Oesl, habe sie keine Belege dafür, dass der 1977 im Alter von 75 Jahren verstorbene Rheinländer von den Nazis gewährte "Privilegien" genossen oder sich gar "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" schuldig gemacht habe. Vor Aufnahme seiner Lehrtätigkeit an der Essener Folkwangschule habe er sich dem Entnazifizierungsverfahren stellen müssen. Dabei sei er in die Kategorie V eingestuft worden, womit er als "Entlasteter" gegolten habe.

"Stacheldraht, Nässe und Kälte, Hunger und Durst - was die Gefangenen der Goldenen Meile haben erleiden müssen, lässt sich nur schwer beschreiben", erklärte Heinrich Pankuweit mit stockender Stimme. Der Bonner konnte aus eigenem Erleben berichten. Die Kapelle sei ein Symbol für die Hoffnung auf Frieden, Freiheit und Versöhnung. Neben dem Gedenken an die Verstorbenen gelte es, dies insbesondere der jungen Generation zu vermitteln.