Naturwissenschaftler mit Lust am Querdenken

Ein Physiker kandidiert für das Bürgermeisteramt in Remagen

Bürgermeisterkandidat Peter Wyborny mit Ehefrau Irmgard und demn Töchtern Mechthild und Charlotte (r.). FOTO: GAUSMANN

Bürgermeisterkandidat Peter Wyborny mit Ehefrau Irmgard und demn Töchtern Mechthild und Charlotte (r.). FOTO: GAUSMANN

REMAGEN. Der Physiker Peter Wyborny will Bürgermeister in Remagen werden. Mit seiner Kandidatur wolle er sich gegen den Kandidaten der CDU stellen - damit sich in seiner Heimatstadt etwas ändert.

„Eigentlich hat er auch Humor“, meint Charlotte Wyborny. Die 27-jährige ist so etwas wie die „Wahlkampfmanagerin“ ihres Vaters. Der nämlich möchte im März gerne zum Bürgermeister der Stadt Remagen gewählt werden. Trotz seines „Markenzeichens“, ein selten lachender, meist etwas mürrisch dreinschauender Kopf zu sein. Tatsächlich ist Peter Wyborny – promovierter Physiker und leidenschaftlicher Kommunalpolitiker – ein mit viel Herzblut und fröhlicher Stimmung ausstaffierter Mensch, dem Glaubwürdigkeit, Geradlinigkeit und Ausdauer ebenso wenig abgesprochen werden können wie die Lust an der Querdenkerei und der Auseinandersetzung.

„Ich bin im Stadtrat die einzige Opposition“, sagt der einstige Christdemokrat, der nach „Machtkämpfchen“ im CDU-Stadtverband kurz nach der Wahl des damaligen CDU-Kandidaten Herbert Georgi zum Bürgermeister das Lager wechselte („Ich wollte meiner Linie treu bleiben“), aus der CDU austrat und gemeinsam mit dem früheren Ratsmitglied Ute Kreienmeier die Fraktion der WGR im Stadtrat bildete. Seither kennt man den 55-Jährigen als dem kommunalpolitischem Streit nicht abgetanen – in der Sache dann oftmals einsamen – Kämpfer.

Der contergangeschädigte Naturwissenschaftler gilt bei Freunden als Energiebündel, als jemand, der für Transparenz und Offenheit steht, und als jemand, der sich auch traut, „heiße Eisen“ anzupacken. Seine körperliche Behinderung habe ihn früh gelehrt, Ausdauer, Beharrlichkeit, Interessen und Ideenreichtum an den Tag zu legen, wenn es darum ging, Anliegen durchzusetzen, sagt er.

Wohlüberlegt sei der Schritt zur Kandidatur für das Bürgermeisteramt gewesen, erklärt der diplomierte Physiker, der als Softwareentwickler und IT-Spezialist bei einer Bundesbehörde arbeitet. Als die CDU ihren Kandidaten benannte, sei ihm klar geworden, dass in Remagen im Falle von dessen Wahl alles beim Alten, auch bei der bisherigen Diskussionskultur, bleiben werde. Wyborny kann darin keinen Fortschritt, geschweige denn eine wie auch immer geartete positive Entwicklung erkennen. „So kann es nicht bleiben“, sagt er – und will es als Bürgermeister ändern.

Ohne nennenswerte Diskussionen durchliefen Verwaltungsvorlagen den Rat und die Ausschüsse, Vorbehalte oder kritisches Hinterfragen gebe es nicht. Nach Wybornys Darstellung verkümmere der Stadtrat so zum „Abnick-Verein“. Er hingegen wolle die lebhafte Debatte, um für die Stadt nach sorgfältiger Abwägung aller Argumente das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. „Das machen wir in der Familie genauso“, pflegt der Mann, der nicht nur in der Welt der theoretischen Elementarteilchenphysik zu Hause ist, zu sagen. Ehefrau Irmgard und die Töchter Charlotte (27) und Mechthild (25) nicken in Erinnerung zahlloser innerfamiliärer Debatten zustimmend.

Auf Sachlichkeit und Vernunft wolle er als Bürgermeister setzen, sagt Wyborny, auf eine Gleichbehandlung aller Stadtteile. Die Rheinpromenade wolle er ausbauen, um den Tourismus zu fördern, den Seniorengbeirat wolle er aufwerten, die Vereine noch mehr unterstützen. Die Bahnlärmdiskussion wolle er ankurbeln, im Vergleich zu anderen Städten und Gemeinden an einer der meist befahrenen Trassen Deutschlands, komme sie in Remagen deutlich zu kurz. Den Einzelhandel („Die Lage in Remagen ist katastrophal“) wolle er ankurbeln, die Schulden der Stadt senken. „Mit Geld kann er umgehen. Er analysiert sehr sorgfältig“, bescheinigt Ehefrau Irmgard.

An der Innenstadtgestaltung hängt Wybornys besonderes Herzblut. Er selbst habe im Rahmen seiner Möglichkeiten bereits Immobilien aufgekauft und saniert. Das könnte so weitergehen. Als Bürgermeister werde er dazu aber wohl keine Zeit mehr haben.