Kommentar zur Bürgermeisterwahl in Remagen

Donnerhall in Remagen

Walter Köbbing (Mitte) verfolgt aufmerksam die Bekanntgabe der einzelnen Auszählungsergebnisse.

Walter Köbbing (Mitte) verfolgt aufmerksam die Bekanntgabe der einzelnen Auszählungsergebnisse.

REMAGEN. In Remagen ist nach dieser Bürgermeisterwahl nichts mehr, wie es war. Der erste Paukenschlag mit Donnerhall war Björn Ingendahls Wahl, der zweite ist der Rücktritt des unterlegenen CDU-Kandidaten Walter Köbbing.

Der Frust sitzt tief in Walter Köbbing. Ein Viertel Jahrhundert hat der 56-Jährige CDU-Politiker die Geschicke der Stadt Remagen entscheidend – und wohl auch mit Leidenschaft und Herzblut – mitgelenkt und mitgestaltet. Und dann diese bittere Wahlniederlage. Gegen einen Außenseiter, einen völligen Neuling in der kommunalpolitischen Szene. Gegen einen, der Remagen kaum kennt.

Schließlich lebt Björn Ingendahl, der strahlende Wahlsieger, der bei Bekanntgabe seines Sieges noch nicht einmal in Remagen war, sondern in einem kolumbianischen Hotel saß, erst seit vergangenem Sommer in der Stadt. In Köbbings Heimatstadt.

Nun will sich der unterlegene Kandidat aus der Politik zurückziehen und die gewonnene Freizeit genießen. Keinen Stadtverbandsvorsitz mehr, kein Ratsmitglied mehr, keinen Fraktionsvorsitz mehr. Offen bleibt, wer diese Jobs in der CDU nun machen soll und will.

Klar ist: In Remagen ist nach dieser Wahl nichts mehr, wie es war. Der erste Paukenschlag mit Donnerhall war Ingendahls Wahl, der zweite ist Köbbings Rücktritt.

In Ruhe abwarten

Was in der praktischen kommunalpolitischen Arbeit vom „Wechselwillen“ und vom „Neuanfang“ übrigbleibt, ist nun in Ruhe abzuwarten. Wie man auch abwarten darf, welche Entwicklungen es in der Remagener SPD geben wird. Dort ist eine Gewitterstimmung mit voller Entladung ebenfalls alles andere als ausgeschlossen.

Zumindest Teile des Vorstandes waren schließlich für Köbbing, große Teile der Basis waren es offenkundig nicht. Viele Sozialdemokraten haben sich für die stark strapazierte Vokabel „Neuanfang“ ausgesprochen – was immer darunter zu verstehen ist und wohin dieser „Neustart“ auch führen soll.

Der Stadt geht es seit Jahren nicht schlecht, alles ist auf einem guten Weg. Die bisherigen Entscheider haben Remagen vielmehr in parteiübergreifender Eintracht mit Augenmaß zukunftsfest gemacht. Die von Köbbing gerne genutzte Formel „Weiter so!“ war daher für ihn keine hohle Floskel.

Trotzdem wird Ingendahls Wahlsieg einen guten Grund haben. Zu viele fühlten sich nicht mitgenommen, zu wenig informiert, zu schlecht im Rat vertreten. Der „Einheitsbrei“ aus CDU und SPD, die Konturlosigkeit der großen Volksparteien mag ein gutes Stück dazu beigetragen haben – obwohl alles der Stadt nicht abträglich war. Wenn der „Neuanfang“ nun einer klaren Profilfindung der großen Parteien dient und sie wieder unterscheidbar werden, kann vielleicht auch Walter Köbbing wieder seinen Frieden finden.