Umgenutzte Gebäude in Rheinland-Pfalz

Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt

Eine Skulptur des Künstlers Hans Arp ist vor dem Arp-Museum in Remagen-Rolandseck (Rheinland-Pfalz) zu sehen.

Mainz. Das Arp Museum Remagen war früher ein Bahnhof, in einem Bunker in Ludwigshafen tobt heute das Nachtleben. In Rheinland-Pfalz gibt es viele ungewöhnliche Gebäude, die mit ihrer ursprünglichen Bestimmung nichts mehr zu tun haben.

Einst waren es Kirchen, Bunker oder Kasernen - heute sind daraus schicke Wohnungen, Restaurants und Kulturzentren geworden. In Rheinland-Pfalz werden immer wieder außergewöhnliche Gebäude mit großem Aufwand umgenutzt, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab.

Die Bauherren seien in der Regel begeistert, sagt die Geschäftsführerin der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, Annette Müller. Doch welche Vor- und Nachteile haben solche Gebäude? "Das ist ganz schwer, da generell was zu sagen, noch mehr als bei gewöhnlichen Gebäuden. Nichts ist Standard, jeder Fall ist anders."

Ein prominentes Beispiel für die Umnutzung besonderer Gebäude ist das REMAGENER Arp Museum im Bahnhof Rolandseck. Für Leiter Oliver Kornhoff ist das klassizistische Gebäude aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Alleinstellungsmerkmal: "Wir sind das einzige Museum mit Gleisanschluss", sagt er.

Gemeinsam mit dem modernen Richard-Meier-Bau bilde er ein einzigartiges Ensemble. Es sei klar, dass an einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert das ein oder andere restauriert werden müsse, übermäßig seien die Instandhaltungskosten aber nicht.

In KOBLENZ beschäftigt sich die Stadtverwaltung derzeit mit möglichen Umnutzungen der Bunker in der Rhein-Mosel-Stadt. Ein Hochbunker in Neuendorf wurde bereits von der Musikerinitiative Music Live Koblenz gekauft, dort können nun Bands ungestört proben. Ein weiteres Beispiel: In einem ehemaligen Krankenhaus in Ehrenbreitstein, das lange leer stand, befinden sich nun Wohnungen.

Positive Erfahrungen hat die Stadt nach eigenen Angaben auch im Fall der Volkshochschule und der Musikhochschule gemacht, die zum Teil in einem alten Kasernengebäude untergebracht ist. "Ansonsten wurden die alten Gebäude in der Regel abgerissen, weil die vorhandene Bausubstanz keine Weiterverwendung zugelassen hat", erklärt Stadtsprecher Thomas Knaak.

Eine Freude vor allem für Eisenbahnfans ist das 100 Jahre alte Bahnbetriebswerk mit riesiger Gleisdrehscheibe, Lokschuppen und Werkstatt in GEROLSTEIN in der Eifel. Seit langem nicht mehr von der Bahn genutzt, gehen hier nun Konzerte, Feste und Tagungen über die Bühne. Der heutige Denkmalschutz für eines der größten technischen Denkmäler in Rheinland-Pfalz bietet nach Angaben der Betreiber neue Chancen, kann aber auch Sanierungen verteuern.

Der Pfeiler der historischen Theodor-Heuss-Brücke am MAINZER Rheinufer wird ebenfalls regelmäßig zur Partyzone: Das denkmalgeschützte Gemäuer kann für Geburtstagsfeiern und Polterabende, Weinproben oder Firmenevents gemietet werden. Neben dem originellen Ambiente gebe es einen unverstellten Blick auf den Rhein, wirbt der Anbieter. In dem voll ausgestatteten und sanierten Gewölbekeller haben bis zu 200 Menschen Platz, die Miete kostet zwischen 500 und 600 Euro. Das Gute an den alten Mauern: Sie sind absolut schalldicht.

Ganz anders genutzt als einst geplant wird auch das historische siebenstöckige Proviantmagazin im Herzen von Mainz. Vor 150 Jahren erbaut, um zur Versorgung von Soldaten Getreide zu lagern, beherbergt es heute neben Wohnungen und einem Restaurant ein Fastnachtsmuseum und das Deutsche Kabarettarchiv. Zuvor hatte der trutzige Bau aus rotem Sandstein nach Angaben der Stadtverwaltung jahrzehntelang leer gestanden, nachdem frühere Pläne gescheitert waren, es zum Hallenbad oder Kino umzubauen.

In TRIER wurden nach dem Abzug der französischen Garnison zahlreiche Militärgebäude umgewidmet. Ein Beispiel: das Belvedere, ein halbkreisförmiges Ensemble aus fünf Kasernenbauten auf dem Petrisberg. Wo früher Soldaten ein und aus gingen, gebe es heute einen Kindergarten, Wohnungen und Dienstleistungsbetriebe, berichtet Pressesprecher Ralf Frühauf. Auch die Agentur für Arbeit hat sich für ein Militärgebäude entschieden - eine alte Bundeswehrkaserne, in der heute das Jobcenter seinen Sitz hat.

Der Flughafen HAHN war früher ein US-Fliegerhorst, also ebenfalls für eine militärische Nutzung konzipiert. Das mache sich bemerkbar, sagt Flughafensprecherin Bianca Waters. "Die Struktur einer militärischen Liegenschaft ist darauf ausgelegt, einen eventuellen Angriff möglichst unbeschadet zu überstehen", sagt sie. Insofern seien zwischen Gebäuden Schutzabstände eingehalten worden. "Daher sind die einzelnen Einrichtungen zum Teil weit auf dem Gelände verstreut." Außerdem seien sie "beschusssicher" gebaut.

"Die Bauweise hat zur Folge, dass notwendige Umbaumaßnahmen sehr arbeits- und kostenintensiv sind", meint Waters. Zudem seien die Kosten für den Abriss wesentlich höher als bei normalen Gebäuden. Sichtbar sei die militärische Vergangenheit noch heute. Ein Beispiel: die Landespolizeischule. Es sei unverkennbar, dass sie in ehemaligen US-Kasernen untergebracht sei. Dem Tower dagegen sehe man seine Vergangenheit nicht mehr an. "Mit einer neuen aufwendigen Bespannung hat er ein ganz neues Gesicht bekommen."

Mit der Nachnutzung von Gebäuden aus kriegerischen Zeiten muss sich auch LUDWIGSHAFEN beschäftigen. Als Industriestadt und bedeutender Chemiestandort war Ludwigshafen im Zweiten Weltkrieg ein wichtiges Ziel der Bombenangriffe der Alliierten. Noch heute gibt es dort fast 30 Hochbunker. Einer davon ist der Rolleswasserturm. In der Nachkriegszeit wurde der Schutzbunker als Hotel genutzt, bevor er von den Technischen Werken Ludwigshafen gekauft wurde, die einen riesigen Trinkwasser-Hochbehälter darauf errichteten. Inzwischen ist das Betongebäude ein Kulturzentrum mit Galerie, Tonstudios, einer Lounge und einem Turmgarten.

Umgenutzt werden nicht nur profane Bauten, sondern auch Kirchen. Unter dem Motto "Wohnen über der Stadt" ist etwa auf dem Lämmchesberg in KAISERSLAUTERN die ehemalige Kirche Christ König umgebaut worden. Nun befinden sich in dem Gebäude aus den 1950er Jahren zahlreiche Wohnungen. Auch wenn das Projekt sehr umstritten war - die Architektenkammer Rheinland-Pfalz sieht darin "ein neues spannungsvolles Ganzes".