Erbaut aus militärischen Gründen

Brücke von Remagen wurde vor 100 Jahren eingeweiht

REMAGEN. Die Brücke von Remagen wurde aus militärischen Erwägungen erbaut und am 15. August 1918 eingeweiht. Ihre Eroberung im März 1945 verschaffte den alliierten Truppen einen enormen Vorteil.

Ihre Eroberung schrieb 1945 als das „Wunder von Remagen“ Geschichte. Aber nicht im Sinne des Erfinders. Denn statt im Ersten Weltkrieg den militärischen Nachschub an die Westgrenze des Deutschen Reiches zu verbessern, wozu es nicht kam, spielte die zweigleisige Eisenbahnbrücke im Zweiten Weltkrieg dem Feind in die Hände. Das wirkte kriegsverkürzend, brachte daher auch den Besiegten ein Ende des Schreckens.

Nahezu 4800 Tonnen Stahl verschlang sie. Doch spannte sich die 325 Meter lange Ludendorff-Brücke, geplant vom Mannheimer Architekten Karl Wiener, filigran zwischen den massigen Brückenköpfen in Remagen und Erpel. Ihr auf zwei Strompfeilern ruhender Mittelteil beschrieb einen Bogen, an den sich kastenförmige Elemente anschlossen. Schwung und Ruhe paarten sich zu Eleganz. Sie galt als eine der schönsten Stahlbrücken über den Rhein. Ihr Hauptzweck indes lag jenseits der Optik.

Gebaut wurde die von Kaiser Wilhelm II. nach Infanteriegeneral Erich Ludendorff benannte und am 15. August 1918 eingeweihte Brücke aus militärischen Gründen. Ihre erhaltenen düsteren Brückentürme sind denn auch erkennbar Festungen, Bollwerke aus Basalt, versehen mit Schießscharten, Truppenunterkünften, Vorratslagern und Flachdächern, die einen hervorragenden Weitblick gewährleisten. Über die Querung könnten Kriegsmaterial und Truppen einfacher zur Westfront gelangen, so der Plan.

„Via rechte Rheinstrecke, Ludendorff-Brücke und Ahrtalbahn sollte der Engpass Köln für die Militär- und Materialtransporte in Richtung Eifel umgangen werden. Unmittelbarer Nutzen war die Entlastung der benachbarten Eisenbahnbrücken in Köln und Koblenz“, schreibt Volkhard Stern im Köln-Bonner Verkehrsmagazin (11/2009). Die Brücke konnte auch für Fußtruppen und Straßenfahrzeuge nutzbar gemacht werden, indem man die Eisenbahnschwellen mit Holzplanken überdeckte.

1916, mitten im Ersten Weltkrieg, begann die Kölner Firma Grün & Bilfinger mit dem Bau, der auf der Erpeler Rheinseite in einen 383 Meter langen Tunnel durch den Fels der Erpeler Ley mündete.

Strategischer Vorteilfür den Feind

Die Strompfeiler errichtete die Firma Holzmann, die stählerne Strombrücke das MAN Werk Gustavsburg. Als die Brücke 1918 fertig war, kehrten auf ihr die Soldaten der geschlagenen deutschen Armee zurück. Schwierige Tunnelarbeiten führten dazu, dass die Schienen sogar erst Mitte 1919 verlegt wurden, womit sie ihr militärisches Ziel klar verfehlten. Unter alliierter Rheinlandbesatzung beschlagnahmt, tat sich auf der Brücke bis 1926 gar nichts. Danach diente sie zur Umleitung von Güterzügen und ein paar Ausflugszügen an den Wochenenden.

Dennoch wurde sie berühmt und entfaltete ihre Bedeutung zum Ende des Zweiten Weltkriegs, indem sie ausgerechnet dem Feind einen strategischen Vorteil verschaffte. Zwischen den Kriegen machten übrigens die Bewohner Erpels und Remagens regen Gebrauch davon, über den Fußweg neben den Gleisen das trennende Wasser zu passieren.

Im Herbst 1944, als die alliierten Luftverbände sämtliche Rheinbrücken bombardierten, um die Versorgung der deutschen Streitkräfte zu unterbinden, bekam auch die Ludendorff-Brücke Treffer ab, konnte aber stets repariert und weiter benutzt werden. Zu Beginn dieses Krieges, 1939, hatte eine deutsche Brückenwach-Kompanie ihrerseits die Zerstörung mit Sprengladungen vorbereitet, sollte die Brücke dem Gegner nützlich werden. Nach dem erfolgreichen Westfeldzug der Wehrmacht (10. Mai bis 25. Juni 1940) entfernte man den Sprengstoff, besorgte aber neuen, nachdem die alliierte Invasion in der Normandie 1944 eine Sprengung wieder nahelegte.

Am 7. März stieß Oberleutnant Karl-Heinz Timmermann mit einer Vorhut der 9. US-Panzerdivision auf Remagen und zur Brücke vor. „Es war nicht die einzige noch intakte Rheinbrücke, wie oft behauptet wird“, weiß Remagens Stadtarchivar Kurt Kleemann. Gleichwohl bot sie eine große Chance. „Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert“, soll General Eisenhower geäußert haben. Verzweifelte deutsche Versuche, sie durch Artelleriebeschuss, V 2-Raketen, Kampfschwimmer und Luftangriffe zu zerstören, scheiterten. Dafür verurteilte ein „Fliegendes Standgericht“ fünf Wehrmachtsoffiziere zum Tode und ließ vier erschießen. Einer befand sich bereits in alliierter Kriegsgefangenschaft.

Am 17. März stürzte die beschädigte Brücke in den Fluss und riss 32 US-Soldaten in den Tod. Zuvor jedoch konnten die Alliierten 18 Regimenter über die Brücke von Remagen übersetzen. Ihre Eroberung durch die US-Armee soll den Krieg um Wochen verkürzt haben. Archivar Kleemann ist nicht allein mit seiner Vermutung, dass dies Deutschland womöglich sogar vor dem Abwurf von Atombomben bewahrte.

Das Friedensmuseum Brücke von Remagen ist bis Ende Oktober täglich zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet, ab Ende Oktober bis 15. November zwischen 10 und 17 Uhr. Der Eintritt kostet 3,50 Euro (ermäßigt ein Euro). Informationen zum Museum gibt es unter 0 26 42/9 05 99 24 bei Peter Cornely.