42,6 Prozent Wahlbeteiligung

Björn Ingendahl wird neuer Bürgermeister von Remagen

Remagen. Ein 37-jähriger Neuling im kommunalpolitischen Geschäft wird der neue Bürgermeister von Remagen: Der parteilose Kandidat Björn Ingendahl setzt sich in der Stichwahl gegen den CDU-Bewerber Walter Köbbing durch.

Remagens neu gewählter Bürgermeister heißt Björn Ingendahl. Der parteilose 37-jährige Oedinger Neuling im kommunalpolitischen Geschäft erreichte am Sonntag bei mäßiger Wahlbeteiligung (42,6 Prozent) in der Stichwahl 62,03 Prozent. 37,97 Prozent entfielen auf den von vielen als Favoriten gehandelten CDU-Kandidaten Walter Köbbing. „Ich werde der Bürgermeister aller Remagener sein“, versprach Ingendahl in einer Videobotschaft. Der Wahlsieger weilt derzeit beruflich bedingt in Kolumbien. Erster Gratulant war Remagens Noch-Bürgermeister Herbert Georgi (CDU), der im August aus seinem Amt ausscheidet. „Es wäre gut wenn Sie dann hier wären“, meinte er schmunzelnd an Ingendahl adressiert.

Tief enttäuscht zeigte sich Walter Köbbing. Als um 18.10 Uhr das erste Ergebnis im voll besetzten Foyer der Remagener Rheinhalle über die aufgebaute Leinwand flimmerte, sah es noch gut für den amtierenden CDU-Stadtverbands- und Fraktionsvorsitzenden aus: In Rolandswerth hatte er einen Neun-Punkte-Vorsprung vor seinem von den Grünen nominierten Kontrahenten. Es blieb der einzige Wahlbezirk, den Köbbing zu seinen Gunsten entscheiden sollte.

Nach und nach zeichnete sich der klare Wahlsieg Ingendahls ab. Als fünf der zehn Stimmbezirke ausgezählt waren, stand das Ergebnis in der Tendenz bereits fest. Ob Oedingen, Unkelbach, Oberwinter, Kripp oder Kernstadt: Ingendahl hatte stets die Nase komfortabel weit vorn. Besonders in Kripp: Dort sicherte sich der Diplom-Ökonom 67,8 Prozent der Stimmen, was möglicherweise an den zugezogenen Neubürgern liegen könnte, die in den dortigen Neubaugebieten ein Zuhause gefunden haben. Sieht man von Köbbings gutem Ergebnis in Rolandswerth einmal ab, so kam er noch in der Remagener Kernstadt mit 42,4 Prozent zumindest in die Nähe eines zufriedenstellenden Ergebnisses.

Besonders bitter war die geringe Wahlbeteiligung. Fast 60 Prozent der Remagener gingen am Sonntag nicht zur Wahlurne. Dies trotz der wiederholten Aufrufe und Appelle, sich an der wichtigen Wahl zu beteiligen. Köbbing glaubt, dass ihn das den Wahlsieg gekostet hat.

Um 18.50 Uhr stand das vorläufige Endergebnis schließlich fest. 3479 Wähler hatten Björn Ingendahl ihre Stimme gegeben, 2130 Stimmen entfielen auf Walter Köbbing. Anders als Ingendahl verfolgte der CDU-Bewerber die Ergebnisbekanntgaben in der Rheinhalle, während Ingendahl sich via Internet in Kolumbien auf dem Laufenden hielt. Applaus von den vielen in die Rheinhalle gekommenen Ingendahl-Anhängern, als schließlich feststand, dass der Oedinger mit Bravour die Wahl für sich entschieden hatte. „Es schmerzt mich sehr, nicht in Remagen sein zu können“, so Ingendahl in einer ersten Stellungnahme. Gemeinsam mit den Bürgern werde er „an einem guten und schönen Remagen arbeiten“. Und: „Remagen sind wir alle.“

Walter Köbbing sagte nach seiner Wahlniederlage: „Es ist schade, dass Parolen mehr ziehen als Argumente. Ich wünsche Remagen alles Gute für die Zukunft.“ Die geringe Wahlbeteiligung nannte Köbbing „fast schon beschämend“. Ob er persönliche Konsequenzen als Stadtverbands- oder Fraktionsvorsitzender aus der bitteren Niederlage ziehen werde, wolle er in Kürze entscheiden. Er sei jedoch jetzt in Sorge, was den Ausgang der im nächsten Jahr stattfindenden Kommunalwahl anbetrifft.

Erst vor wenigen Monaten hatte die CDU den Bürgermeisterposten im benachbarten Sinzig verloren. Nun kommt Remagen hinzu. Am 9. August wird Ingendahl in sein neues Amt eingeführt.