Eifelverein Remagen

Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Über 125 Jahre Eifelverein Remagen freuen sich (von links): Fritz Langenhorst, Wolfhart von Stackelberg, Helmut Ruthe, Mathilde Weinandy und Hans-Joachim Bergmann.

KESSELING/REMAGEN. Die Ortsgruppe Remagen des Eifelvereins feierte ihr 125-jähriges Bestehen. Zwischendurch ruhten die Aktivitäten.

"Die Eifelvereine sind keine reinen Wandervereine, denn sie engagieren sich auch für das Wohl unserer Region und für die touristische Erschließung", hob der Kreisbeigeordnete Fritz Langenhorst hervor. So sei es ihm eine besondere Ehre, einer der ältesten Ortsgruppen des Eifelvereins zum Jubiläum zu gratulieren: Die Ortsgruppe Remagen feierte ihren 125. Geburtstag im Steinerberghaus hoch über Kesseling.

Dieses Gebäude mit seiner herrlichen Weitsicht sei ein gutes Beispiel für das touristische Engagement der Eifelvereine, wurde es doch 1911 von der Ortsgruppe Bonn errichtet. Nach einigen schwierigen Jahren habe es nun wieder neue Pächter gefunden, die den Wanderern an dieser beliebten Einkehrmöglichkeit Gelegenheit zur Rast und Stärkung böten, freute sich Langenhorst.

Eine längere Rast eingelegt hatte auch der Eifelverein Remagen, so der Vorsitzende Wolfhart von Stackelberg in seinem launigen Rückblick. Anfang der 1950 Jahre hatte der Verein seine Aktivitäten nämlich vollständig aufgegeben und wurde erst 2008 aufgrund einer Initiative des damaligen Vorsitzenden des Hauptvereins, Rudolf Klein, sowie des Remagener Bürgermeisters Herbert Georgi und des Verkehrsamtsleiters Martin Tillmann aus dem Dornröschenschlaf erweckt.

Auch wenn lange Zeit niemand das Schild der Ortsgruppe Remagen hochgehalten habe, sei doch die Kontinuität gewahrt gewesen durch zahlreiche Remagener, die im benachbarten Ortsverein Sinzig Mitglied wurden und andere, die sich direkt beim Hauptvereins angemeldet hatten. Fünf Jahre nach der "Wiedererweckung" zähle der Verein wieder 71 Mitglieder, darunter 38 Frauen, und habe in dieser Zeit bereits 158 Wanderungen mit insgesamt 2311 Kilometern Strecke angeboten. Zähle man alle Teilnehmer zusammen, so hätten sich stolze 2821 Wanderer auf den Weg gemacht.

Allerdings habe man durch die lange Pause und die Tatsache, dass das Archiv des Hauptvereins 1944 im Bombeninferno restlos verbrannte, das wahre Gründungsdatum der Ortsgruppe zunächst gar nicht gewusst. Der älteste Hinweis sei aus dem Jahr 1904 gewesen, das man bis vor kurzem als das Gründungsjahr annahm. Doch in Wahrheit habe Adolf Dronke 1888 zunächst den Hauptverein und anschließend 21 Ortsgruppen des Eifelvereins gegründet. Eine davon sei die Ortsgruppe Remagen gewesen, die im September 1888 in einem feinen Rolandsecker Hotel aus der Taufe gehoben wurde.

Federführend bei der Gründung der Remagener Ortsgruppe sei der damalige Bürgermeister Clemens von Lassaulx gewesen, zu den Gründungsmitgliedern zählten unter anderem Musikdirektor Paul Reuleaux sowie Georg Caracciola, ein Onkel des später berühmten Rennfahrers. Voller Schwung und Elan sei man auch sofort an die Arbeit gegangen und habe schon 1889 zwei neue Wanderwege angelegt. Beide existierten noch heute und seien mittlerweile Teile des Rheinburgenweges. An diesem Wegebau sei mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der Verschönerungsverein Remagen beteiligt gewesen, denn zwischen beiden Vereinen habe es von Anfang an eine enge Verbindung gegeben, glaubt von Stackelberg.

Schnell sei es um die Ortsgruppe Remagen allerdings still geworden, sie zählte 1905 gerade noch 24 Mitglieder. Doch als Reuleaux Vorsitzender wurde, sei die Mitgliederzahl wieder auf 42 gestiegen, darunter mit Freifrau von Spieß in Bodendorf erstmals auch eine Frau. Nach dem Ersten Weltkrieg und in den Jahren der Weltwirtschaftskrise war erneut wenig los, bis 1932 wieder ein Bürgermeister auf den Plan trat. Der frühere Bürgermeister von Gerolstein, Jakob Sollhé, sei nach seiner Pensionierung nach Remagen übergesiedelt und habe dort als neuer Eifelvereins-Vorsitzender durch intensive Werbung die Mitgliederzahl auf mehr als 70 erhöht. Er habe 1942 auch eine umfangreiche Geschichte der Ortsgruppe veröffentlicht, die allerdings mittlerweile verschollen sei.

Zum Jubiläum gratulierten auch die Hauptvorsitzende des Eifelvereins, Mathilde Weinandy, der erste Beigeordnete der Stadt Remagen, Hans-Joachim Bergmann, sowie die Vorsitzenden der umliegenden Ortsgruppen, bevor die Blaskapelle Kesseling zur Unterhaltung aufspielte.

Als offene Wunden mit Lehm behandelt werden sollten

In der Zeit, als sich der Eifelverein noch wirtschaftlich betätigen wollte, wäre die Ortsgruppe Remagen beinahe auf eine gut gemeinte Idee hereingefallen. Ganz professionell habe der Hauptverein einen Fragebogen an die Eifelgemeinden verschickt, mit der Bitte um Mitteilung, ob geeignete Grundstücke für den Bau von Kliniken oder Sanatorien bereitgestellt werden könnten. Damals wie heute hätten Kommunalpolitiker beim Stichwort "Investor" gleich leuchtende Augen bekommen, und Remagen habe sich gleich mit einigen Grundstücken beworben.

"Schon meldete sich ein Interessent, der eine Klinik für alternative Heilverfahren errichten wollte, also ein bis heute aktuelles Thema. Gerade noch rechtzeitig vor Vertragsunterzeichnung wurde die Stadt aber gewarnt. Es handelte sich um einen Scharlatan, der offene Wunden seiner Patienten mit Lehm behandelte und wegen schwerer Körperverletzung andernorts schon zu Gefängnisstrafen verurteilt worden war. So wurde gottlob nichts aus dem Geschäft", berichtete der Ortsvereinsvorsitzende Wolfhard von Stackelberg bei den Jubiläumsfeierlichkeiten.