Kirchliches Brauchtum am Rhein

Apollinaris-Wallfahrt in Remagen hat begonnen

REMAGEN. Die Remagener Apollinaris-Wallfahrt hat begonnen. Zum Start gab es einen Segen mit der Reliquie für die Stadt und das Tal.

Dass der Heilige Apollinaris ein guter Freund des Apostels Petrus sein muss, erfuhren die zahlreichen Gläubigen, die zum Auftakt der großen Apollinaris-Wallfahrt am Wochenende in die Remagener Apollinaris-Kirche gekommen waren, nicht nur aus den Heiligenlegenden, sondern auch bei einem Blick in den Himmel. Trotz dicker Wolken, dem einen oder anderen Tropfen und entferntem Donnergrollen, konnte Pfarrer Frank Klupsch, begleitet von der Remagener Sankt-Sebastianus- Schützen-Gesellschaft, trockenen Fußes die Stadt mit dem Reliquiar segnen. Drei Böller während des Segens läuteten zwei Wochen intensiven geistlichen Angebots ein.

Pater Bartholomé van Oudheusden von der „Gemeinschaft der gekreuzigten und auferstandenen Liebe“ hob seine Begrüßungsworte mit der Aussage an: „Wir feiern mit Freude dieses Fest.“

Im Hinblick auf das Wallfahrtsmotto, dem Ausspruch Mariens aus dem Lukas-Evangelium „Mir geschehe nach deinem Wort“, lud er die Gläubigen ein, „das Wort Gottes zu hören und im Glauben unsere Antwort zu geben.“ So könnten „mehr Hoffnung, mehr Glaube, mehr Liebe“ entstehen. „Lasst uns ihn mit Freude begrüßen“, schloss der Rektor der Kirche und der Apollinaris-Chor stimmte ein triumphales Halleluja an. Ohne weitere Umschweife ging es zu den Klängen des geistlichen Klassikers „Lobet den Herren“ in langer Prozession in den Klostergarten.

In einer kurzen Ansprache erörterte Pfarrer Klupsch die Bedeutung des Segens über die Stadt Remagen und das Rheintal hoch über dem Strom: „Es ist ein Anderer, der uns die Kraft gibt und den Mut, auf den Anderen zu schauen.“ Mit dem Taizé-Lied „Meine Hoffnung und meine Freude“ ging es zu Gitarrenmusik wieder zurück in die Kirche, wo sich Lesungen aus dem alttestamentlichen Buch Jesaja und aus dem Kolosserbrief des Apostels Paulus anschlossen. Das Evangelium stellte die Szenerie vor, in der die Gottesmutter den Mottosatz der Wallfahrt gesprochen hat.

Euphorie ist verflogen

Pfarrer Klupsch begann seine Predigt mit einem Verweis auf das „Yes we can“ von Barack Obama und „Wir schaffen das“ von Angela Merkel. Seien diese Sätze auch „mutig und selbstbewusst“ gesprochen worden, so sei die Euphorie mittlerweile „verflogen“. Dagegen sei Maria „erst mal alles andere als euphorisch“, als ihr der Engel Gabriel die Botschaft ihrer Mutterschaft bringt. Sie sei „beim Gruß des Engels erschrocken“, aber sie „traut sich zurückzufragen“, sie habe ihren Verstand nicht ausgeschaltet. Erst am Ende des Gesprächs kann sie „mir geschehe“ sagen, womit sie gleichzeitig bekenne, dass „mein Wollen und Tun“ begrenzt sei. Darin sei Maria auch ein Vorbild für ihn selbst, so der Pfarrer im Blick auf die Strukturprozesse im Bistum.

Die Gläubigen lud er dazu ein, sich die Szenerie des Evangeliums betend immer wieder vor Augen zu rufen mit der alten Tradition des „Engel des Herrn“ zum Glockenläuten. Im Anschluss an die Messe durften die Gläubigen sich erstmals persönlich mit dem Haupt segnen lassen. Am Sonntag zelebrierte der Trier Weihbischof Franz Josef Gebert das Hochamt.

In den kommenden zwei Wochen wird täglich um 10.30 Uhr und 18 Uhr Messe gefeiert, um 15 Uhr ist Pilgerandacht. Sonntags gibt es zusätzlich noch eine Messe um 8 Uhr in der Früh. Rosenkranz und Beichtgelegenheit gibt es täglich um 9.45 Uhr, 13 bis 14.30 Uhr und 17 Uhr. Mit der Abendmesse am 4. August um 18 Uhr wird die Wallfahrt beendet und der Heilige kehrt bis zur kleinen Wallfahrt im Januar 2020 in seinen Sarkophag zurück.