Kultur in Remagen

45 Künstler stellen in Galerie Rosemarie Bassi aus

„Große“ Kunst: Die Remagener Galeristin Rosemarie Bassi (l.) und Edda Mally, Kuratorin der Wanderausstellung, präsentieren bei der Vernissage „Macro Mosaic“.

„Große“ Kunst: Die Remagener Galeristin Rosemarie Bassi (l.) und Edda Mally, Kuratorin der Wanderausstellung, präsentieren bei der Vernissage „Macro Mosaic“.

REMAGEN. In der Galerie Rosemarie Bassi in Remagen erstaunt die Bandbreite der Technik. 45 Künstler aus insgesamt 21 Ländern stellen in der neuen Ausstellung „Mosaic as Contemporary Art” aus.

Auf hohen Beinen und mit langem Hals ist sie schon von außen zu sehen. Dass Susanne Stubner ihre Giraffen-Lady dennoch ausgerechnet „Pipina die Kurze“ nennt, zeugt von Humor. Pipina lädt in die Galerie Rosemarie Bassi zur neuen Ausstellung „Mosaic as Contemporary Art” mit 45 Künstlern aus 21 Ländern ein. Von Wien aus wandert sie seit 2014 durch Österreich, Italien, Serbien, Nord-Mazedonien, Frankreich und erreicht in Remagen ihre insgesamt 18. Station und die erste in Deutschland.

Jahrtausende alt ist die Technik des Zusammenfügens von Bildern aus Kleinteilen. Viele kennen sie als angewandte Kunst, etwa schmückendes Beiwerk in der Architektur, das im italienischen Ravenna des fünften und sechsten Jahrhunderts zur wohl höchsten Blüte gelangte. Aber Mosaik als zeitgenössische Kunst mit der Schöpfungshöhe eines eigenständigen Kunstwerks? Bassi kann im 40. Jahr ihrer Galerietätigkeit kaum glauben, dass jemand an dessen Existenz zweifelt. Und Edda Mally, Wiener Künstlerin, Initiatorin und Kuratorin der Wanderausstellung, die mit Bassi zur gut besuchten Vernissage begrüßte, erklärt, „dass in dieser Ausstellung der Fokus ausschließlich auf dem Künstlerischen liegt“.

Pipina, die verspielt-bunte und fröhlich–modisch gestylte Giraffe, ist dafür eher ein Grenzfall als das Paradebeispiel. Anders sieht es beim Hochrelief „Reich und Arm“ des Münchners Manfred Höhn eingangs der Galerie aus. Es zeigt einen golden umrundeten Bereich über einem Pulk aus Blöckchen, da Höhn in Rio de Janeiro die engen Favelas neben den eingezäunten Bezirken der Reichen sah. Von oben blickt Audrius Tamosaitis, Litauen, in seinem 1,25 mal 2,25 Meter großen abstrahierten Werk auf den „Flickenteppich“ der Kulturlandschaft. Auch die Griechin Vasiliki Spanou greift auf die Natur zu, lässt sich von der Ägäis inspirieren und formt ein Terrain blauer welliger Wülste aus. Generell steigert die Vielzahl der Bildebenen, an denen sich das Licht bricht, im Mosaik die sinnliche Wirkung.

Auch staunten die Besucher über die Fülle an Diktionen und Materialien des Gegenwartsmosaiks, das erst in den 1950ern in seiner freien Form geboren wurde. Statt Glas- und Natursteinen verwendet die dynamisch gestaltende Brasilianerin Josefina Kawamura lauter Keramikscherben. Die Italienerin Sandra Naggar bringt Schnüre ein, während Landsmann Paolo Racagni in „Deviation“ einen ganzen Kosmos der Mosaikwelten eröffnet und der Schotte Dougald Macinnes in Schiefer geologische Kräfte durch aufeinanderstoßende Kreissegmente visualisiert.

Sehr originell: Despina Georghiadis „Book of Knowledge“ mit Seiten voller Schreibmaschinentasten. Allein schon, wenn man Edda Mallys Arbeiten zusammennimmt – die fächerförmige, glutvolle Skulptur „Carmen II“, ihr „Buch des Lebens“ und die durchschreitbare Installation (Konzept mit Gerhard Kramer) – scheint die Bandbreite des zeitgenössischen Mosaiks auf.

Die Ausstellung in der Marktstraße 109 ist bis 10. März, von Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter 02642/994266 geöffnet.