Bürgermeisterin im Kreis Ahrweiler

Wie sich Cornelia Weigand auf ihr Amt vorbereitet

ALTENAHR. Cornelia Weigand wurde im März zur ersten hauptamtliche Bürgermeisterin im Kreis Ahrweiler gewählt. Noch arbeitet die 47-Jährige als Biologin in Bonn.

Noch macht sie ihren Job als Biologin in Bonn. Pendelt von Altenahr in die Bundesstadt und zurück. Ab dem 1. Juli liegt für Cornelia Weigand der Arbeitsplatz quasi um die Ecke. Kurz über die Ahrbrücke, an der Kirche vorbei und schon ist sie im Rathaus. Im März wurde die 47-Jährige von den Bürgern der Verbandsgemeinde Altenahr zur ersten hauptamtlichen Bürgermeisterin im Kreis Ahrweiler gewählt. Als unabhängige Kandidatin hatte sie aus dem Stand gegen ihren CDU-Mitbewerber 60,9 Prozent der Stimmen auf sich vereint.

Ein Ergebnis mit Folgen. Die erste amtliche Folge folgt am Freitag, 31. Mai. Dann wird Cornelia Weigand von Noch-Amtsinhaber Achim Haag bei einer extra für diesen Akt ins Dernauer Culinarium einberufenen Sitzung des Verbandsgemeinderates zur neuen Verbandsbürgermeisterin ernannt und als solche vereidigt. Dies mit Wirkung zum 1. Juli, denn so lange dauert Haags Amtszeit noch, obwohl der CDU-Mann, der 24 Jahre lang den Chefsessel im Rathaus inne hatte, direkt nach Weigands Ernennung offiziell verabschiedet wird.

Ändern wird sich im Bürgermeisterbüro des Rathauses wenig. „Soweit es die Möbel angeht. Hinterm Schreibtisch ist ein anderes Gesicht, aber auch ein neuer Kopf, in dem stecken viele Ideen“, schmunzelt Weigand im Gespräch mit dem General-Anzeiger. „Der Kopf will so einiges bewegen.“ Auf ihre Arbeit freut sie sich, bereitet sich vor und führt dabei auch einen „fröhlichen Kampf gegen die Sprache in Gesetzestexten“. Das Kommunalbrevier ist ihre aktuelle Feierabendlektüre und kommt auch Anfang Juni mit in den Urlaub auf Sylt. „Heimatluft schnuppern“, will die Ausdauersportlerin dort, denn auf der Nordseeinsel wurde sie geboren. „Und im Strandkorb die Gemeindeordnung durchkauen, damit es dann im Rathaus auch wuppt.“ Manchmal mag sie es eben auch salopp.

Seit März mehr als 40 Vorbereitungstermine

Damit es „wuppt“ und eine „wohlvorbereitete und geordnete Übergabe“ im Rathaus stattfinden kann, hat Weigand bereits mehrere Gespräche mit Haag geführt, hat seit dem 10. März mehr als 40 Termine mit Bezug auf ihre neue Rolle wahrgenommen, Gespräche mit Akteuren der Kommune geführt. Dazu kamen Seminare und auch Terminabstimmungen mit dem Rathaus für die kommenden Monate. An Ruhe war da kaum zu denken.

Die eher ruhige Sommerzeit im Rathaus will Weigand nutzen, die Menschen, die dort arbeiten, kennen zu lernen. Die Zahl der Mitarbeiter ist mit 60 im Vergleich zu anderen Rathäusern im AW-Land überschaubar. Doch für die dann neue Verwaltungschefin ist es wichtig, „zu wissen, was jeder tut“.

Den nach der Wahl neuen Verbandsgemeinderat wird Achim Haag noch für die zweite Augusthälfte zur konstituierenden Sitzung einladen. Den Vorsitz führt dann erstmals Weigand, die zwar neutrale Moderatorin, aber auch Impulsgeberin sein will. Als Kümmererin und Ideengeberin fühlt sie sich für die Ortsgemeinden, deren konstituierende Ratssitzungen sie allerdings als Bürgermeisterin nicht alle besuchen kann: „Einige liegen schon vor meinem Dienstantritt.“ Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Was Weigand erreichen will, ist eine Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls der Ortsgemeinden von Kalenborn bis Cassel. Da fallen Schlagworte wie „Identitätsstiftung“ und „Respekt“.

Eine gemeinsame Vision als Ziel

Wobei das Wir-Gefühl für sie nicht das eigentliche Ziel ist, „sondern ein hilfreicher Schritt auf dem Weg in eine weiterhin attraktive und lebenswerte Zukunft in unseren Dörfern“. Es gehe darum, eine gemeinsame Vision zu entwickeln, „wie wir uns das Leben zukünftig hier wünschen oder vorstellen können und dann die Prozesse anschieben, damit ein paar der grundlegenden Ziele realisierbar werden“. Als Beispiele führt Weigand ein generationenübergreifendes Zusammenleben in neuen Wohnformen an oder auch Mobilitätskonzepte, „die Jung und Alt auch ohne eigenes Kraftfahrzeug Freiheit geben“.

Ziele sind gesteckt. Dazu gehört auch, die Nahversorgung zu gewährleisten. Auch gelte es im ländlicher Raum als Teil der Gigabit-Gesellschaft weiterhin kleinere „Weiße-Kragen-Unternehmen“ anzusiedeln. Weigand geht es um attraktive Dorfkerne und Treffpunkte. Bildung und das Freizeitangebot müssten stimmen. Das größte Kapital der Kommune sei neben den Menschen jedoch der „faszinierende Natur- und Kulturraum, über den sich die Bürger identifizieren“. Eine Identifizierung, auf die übrigens auch die Nachbarkommunen setzen. Deren Spitzen will die Bürgermeisterin nach ihrem Amtsantritt besuchen. Ziel: Synergieeffekte ausloten und Gemeinsamkeiten für eine interkommunale Zusammenarbeit finden. „Da müssen wir schauen, was geht“, freut sich Weigand auf die Gespräche.