Ahr-Mündung zwischen Kripp und Sinzig

Wie kriegt die Ahr die Kurve?

Immer schmaler wird der Grünstreifen zwischen dem Rhein (links) und dem Ahrbogen, der den Uferbereich zunehmend wegschwemmt und den in diesem Foto nicht sichtbaren Radweg bedroht.

Immer schmaler wird der Grünstreifen zwischen dem Rhein (links) und dem Ahrbogen, der den Uferbereich zunehmend wegschwemmt und den in diesem Foto nicht sichtbaren Radweg bedroht.

SINZIG. Exakt 85,1 Kilometer ist die im Eifelörtchen Blankenheim entspringende Ahr lang. Die in einem im Keller eines Fachwerkhauses gelegene Quelle ist eher unscheinbar und lässt kaum vermuten, dass sie einen Fluss speist, dessen Schönheit und Beschaulichkeit die eigentliche Tourismusattraktion im von Weinbergen umgebenen Ahrtal darstellt.

Die Ahr-Mündung liegt in der Ebene Goldene Meile zwischen dem Remagener Stadtteil Kripp und der Stadt Sinzig. Sie ist seit den groß angelegten Renaturierungsmaßnahmen im Jahre 1979 eine der wenigen naturhaften Flussmündungen in den Rhein und steht unter strengem Naturschutz. Nun bereitet das Delta den Behörden Kopfzerbrechen. Am Freitag traf man sich zur Ortsbesichtigung.

Der Fluss hat sich aufgrund seiner hohen Strömungsgeschwindigkeit und -kraft seinen eigenen Weg gesucht. Nun droht der parallel zum Rhein verlaufende Rad- und Wanderweg weggerissen zu werden. Das will man verhindern. Die Ahr erreicht an der Mündung eine mittlere Wasserführung von acht Kubikmeter pro Sekunde. Große Kräfte wirken also in einem kurz vor dem Rhein gelegenen Kurvenbereich auf das Ufer, das mehr und mehr weggeschwemmt wird.

Lange wird es nicht mehr dauern, so glauben Experten, dann hat sich das Wasser durch das so genannte Mäandrieren bis zum asphaltierten Wanderweg "durchgefressen". Der würde dann überschwemmt und weggerissen - die Ahr hätte sich dann eine neue Mündung in den Strom gesucht. Überflüssig wäre dann zudem die einige hundert Meter entfernt gelegene Holzbrücke, die Radfahrern und Wanderern über die Ahr verhilft.

Die Obere und die Untere Wasserbehörde, das Wasserschifffahrtsamt, der Naturschutzverband und die Stadt Sinzig hatten gestern Vertreter entsandt, um sich die Lage an der Ahrmündung vor Ort anzuschauen. Sinzigs Bauamtsleiter Norbert Stockhausen: "Ein Durchbruch der Ahr hin zum Rhein ist langfristig denkbar. Akuten Handlungsbedarf gibt es aber derzeit nicht. Wir wollen uns aber auch nicht vom Fluss überraschen lassen. Daher werden schon jetzt geeignete Maßnahmen überlegt."

Da es sich um ein Flora-Fauna-Habitat-, um ein Natur- und Vogelschutzgebiet handelt, kommt dem Umweltschutz eine ganz besondere Bedeutung am renaturierten Delta zu. Umso sensibler seien denkbare bauliche Maßnahmen, die erforderlich wären, damit die Ahr "wieder die Kurve kriegt", erklärte Stockhausen.

Welche Maßnahmen man nun einleiten wird, um ein weiteres Mäandrieren zu verhindern, ist noch offen. Denkbar sei ein direkter Durchbruch zum Rhein wie auch eine Kurvenverstärkung durch Stein- oder Geröllaufschüttungen. "Das werden die Fachbehörden untereinander klären", so Stockhausen. In jedem Fall werde es eine sehr naturverträgliche Lösung geben.