Rick-Gelände in Sinzig

Widerstand gegen Nahversorgungszentrum

Der Dreifaltigkeitsweg führt an der Schmalseite des Areals vorbei.

Der Dreifaltigkeitsweg führt an der Schmalseite des Areals vorbei.

SINZIG. Im Konflikt um die Bebauung des ehemaligen Rick-Geländes schließt Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger sogar ein Bürgerbegehren nicht aus.

Der Zuhörerandrang war groß. Rund 50 Sinziger waren ins Rathaus gekommen, um sich hinsichtlich des Bebauungsplanentwurfs „Gebiet zwischen Kölner Straße, Albert-Schweitzer-Straße, Ahr und Dreifaltigkeitsweg“ sachkundig zu machen. Kein Wunder, denn das Gebiet umschreibt ein seit einem Jahr durch Sinzig waberndes kommunales Politikum: das geplante Nahversorgungszentrum auf dem ehemaligen Rick-Gelände.

Der Haupt- und Finanzausschuss, der Bau-, Planungs- und Verkehrsauschuss sowie der Ausschuss für Stadtentwicklung berieten in einer Gemeinschaftssitzung das Vorhaben, gegen das es in der Stadt eine Bürgerinitiative gibt, die ihren Unmut bereits mit mehr als 3500 Unterschriften kundgetan hat.

Bekanntlich will Edeka das Areal gemeinsam mit Aldi, Rossmann und einem Getränkemarkt bebauen, um so ein Nahversorgungszentrum mit 5400 Quadratmetern Verkaufsfläche für die Innenstadt zu schaffen. Die Gegner befürchten zu viel Verkehr, zu viel Lärm, zu wenig Naturschutz. Zudem sei die Stadt in Sachen Lebensmittelversorgung bestens aufgestellt.

Allerdings sind es keine neuen Märkte, die auf der Industriebrache, auf der einst ein Betonwerk stand, geplant sind. Edeka will vom derzeitigen Standort umziehen, damit sich der Vollsortimenter vergrößern kann, Aldi und Rossmann möchten vom nördlichen Stadtrand näher in Richtung City rücken. Um aus der Industriefläche ein für das Vorhaben erforderliches Mischgebiet zu machen, bedarf es eines entsprechenden Bebauungsplans, mit dem sich in den vergangenen Monaten Stadtplaner, Gutachter und Umweltfachleute befassten.

Rund 7300 zusätzliche Fahrzeugbewegungen

Stadtplaner Thomas Lang trug vor, dass die Erschließung des neuen Nahversorgungszentrums ausschließlich über die Kölner Straße über einen Kreisel erfolgen solle. Somit wären die Anlieger des südlich des Baugebietes gelegenen Dreifaltigkeitsweges nicht von zusätzlichem Verkehr betroffen. Mit rund 7300 zusätzlichen Fahrzeugbewegungen werde auf der Kölner Straße gerechnet, die für dieses Zusatzaufkommen jedoch ausreichend dimensioniert sei. Zudem würden Radwege und Fußgängerverbindungen geschaffen, die es den Bewohnern des innerstädtischen Bereichs leicht machen würden, das Einkaufszentrum zu erreichen.

Lang zitierte aus dem Sinziger Einzelhandelsgutachten, das die Errichtung des Nahversorgungszentrums für sinnvoll hält. Edeka habe am derzeitigen Standort keine Expansionsmöglichkeit, die aber erforderlich sei, um langfristig mit den Konkurrenten „Kaufland“ und „Rewe“ mithalten zu können. Es entspreche außerdem den Wünschen des Landes, derartige Versorgungskonzentrationen möglichst innenstadtnah und nicht auf der „grünen Wiese“ zu bauen.

Ein unzumutbarer Lärm werde von der Einkaufsstätte nicht ausgehen, stellten die Gutachter fest. Dafür sollen auch Lärmschutzwände sorgen, die an der nur wenig vorhandenen Wohnbebauung in der Nachbarschaft angebracht werden sollen, führte Stadtplaner Lang aus. Eingehend untersucht wurde auch, ob das Projekt umweltverträglich sein wird.

Ob Mönchsgrasmücke, Gimpel, Graumausfledermaus oder Großes Mausohr: Deren Lebensräume werden nicht nachteilig beeinträchtigt, heißt es im eigens gefertigten Fachgutachten, das im Übrigen die Investoren und nicht die Stadt bezahlen muss. Kleinere Artenschutzmaßnahmen müssten eingeleitet werden, ansonsten stehe dem Bauvorhaben nichts im Wege. Verschlechtern werde sich allerdings durch die Flächenversieglung die „Grundwasserbildungsrate“.

Beratungen in den Fraktionen

Bürgermeister Wolfgang Kroeger (CDU) ließ es zum Ende der Sitzung zu, dass Bürger Fragen stellen oder auch Bedenken vortragen konnten. Hiervon wurde reger Gebrauch gemacht. Befürworter des Nahversorgungszentrums meldeten sich nicht zu Wort. Stattdessen wurden Befürchtungen laut, der neue Einkaufsstandort könne das Landschaftsbild nachteilig verändern und die Lebensqualität der Anrainer verschlechtern.

Wolfgang Kroeger wollte nicht ausschließen, dass auch ein Bürgerbegehren die Frage klären könne, ob es nun zum Bau des Nahversorgungszentrums komme oder nicht. Damit allerdings zeigte sich Ratsmitglied Friedhelm Münch keineswegs einverstanden: „Ich bin von den Sinzigern in den Rat gewählt worden, um solche Entscheidungen zum Wohle der Bürger zu treffen. Hier sitzen 33 Ratsmitglieder aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft, die sehr wohl in der Lage sind, ohne einen Bürgerentscheid darüber zu befinden, ob Edeka, Aldi und Rossmann dort bauen können oder nicht.“

In den nächsten Wochen werden die Beratungen in den Fraktionen stattfinden. Wann es zur Abstimmung in den politischen Gremien kommt, ist noch offen.