Bausünden

Wenn der Keller plötzlich feucht wird

WACHTBERG. Eine Hausbesitzerin aus Wachtberg musste viel Aufwand treiben, um alte Bausünden zu beheben. Fachleute sagen: Die ist kein Einzelfall. In den 1960er Jahren oder früher wurden Keller nur unzureichend oder gar nicht abgedichtet.

. Seit mehr als 50 Jahren lebt die Wachtbergerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung gedruckt sehen möchte, in dem Einfamilienhaus. Und das mit Begeisterung. Schließlich hat sie es mit ihrem Mann in den 60er Jahren selbst gebaut. Bislang war die Dame überaus zufrieden mit der Solidität ihres Eigenheims gewesen, zumal die Immobilie auch regelmäßig ertüchtigt wurde. Doch seit etwa vier Jahren beobachtet sie ein Phänomen im Keller, das ihr Sorge bereitet: Feuchtigkeit dringt ein. Und die lässt den Putz von den Wänden blättern und unschöne Verfärbungen bilden. Die Quelle des Ärgernisses blieb allerdings unbekannt. Die Nässe trat weder im Zusammenhang mit einem Unwetter auf, noch schien eine Wasserleitung defekt zu sein.

Schließlich beauftragte die Eigentümerin eine Firma mit der Ursachenforschung. Zwar wurde der Betrieb tätig, doch der Keller blieb weiter feucht, und zwar an mehreren Stellen an der Decke, genau unter den Garagenzufahrten zu ihrem und der des Nachbarhauses, das ebenfalls der Frau gehört, und das sie vermietet hat.

Um den Missstand in ihrem Keller dauerhaft zu beseitigen, beauftragte die Eigentümerin kürzlich den Hennefer Tiefbau- und Gartenbaumeister Tobias Ross: Der Fachmann konnte sich nach eingehender Untersuchung der Örtlichkeiten inklusive einer Kanaldichteprüfung einen Reim auf die Nässe im Keller machen: Alte Bausünden, also Arbeiten, die laut Ross „damals beim Bau des Hauses zwar dem Stand der Technik entsprochen hatten, die aber heute so nicht mehr ausgeführt werden“, waren der Quell des Übels.

Im Detail bedeutet das: Die Abdichtung des Kellers war nicht mehr dicht, und eine Drainage war falsch verlegt, so Ross. Da seiner Ansicht nach die zuvor von einer Firma ausgeführten Flickarbeiten nichts gebracht hatten, nahm er den Einbau einer komplett neuen Abdichtung des Kellers in Angriff. Zwei Wochen aufwendiger Bauarbeiten sollten folgenden, um dem Keller eine zeitgemäße Abdichtung zu verpassen.

Was Tobias Ross in Wachtberg zu sehen bekam, ist für ihn kein Einzelfall: „Das Abdichten von Kellern in Altbauten macht inzwischen einen großen Teil unserer Aufträge aus“, erklärt er. Recht bekommt er von Peter Hömmerich, Vorstandsmitglied der Baugewerksinnung Bonn/-Rhein-Sieg: „Das Ganze ist aber nicht nur ein Problem von Kellerabdichtungen aus den 60er Jahren“, so der Innungsexperte. In noch früheren Zeiten hatten laut Hömmerich „die Keller oft gar keine Abdichtung.“ Das hat seiner Ansicht nach mit einem geänderten Nutzverhalten zu tun: „Früher dienten Keller in der Regel nur als Lagerräume, heute sind es oft Wohnräume.“

Was denn nun im Fall der Wachtbergerin konkret zum Problem wurde, macht der Fachmann aus Hennef auch für manch anderen nassen Keller verantwortlich: Es geht um das damals verwendete Bitumen, das von außen zur Abdichtung auf die Kellerwände aufgetragen wurde.

Nicht nur die Verwendung des Bitumens sollte sich langfristig als Fehler erweisen, sondern auch die Art und Weise, wie es verarbeitet wurde: „Wenn Bitumen zu dick aufgetragen wird, dann bindet nur die oberste Schicht richtig ab“, sagt Tobias Ross: „Die unterste Schicht bleibt aber auch nach Jahren noch weich.“ Was dann passiert, erklärt er so: „Durch Erdbewegungen entstehen Risse zwischen Bodenplatte und Mauerwerk und Feuchtigkeit kann eindringen.“ Gegebenenfalls auch durch Haarrisse.

Daher ist der Stand der Technik heute auch ein ganz anderer: „Man verwendet statt Bitumen einen Zweikomponentenabdichter, der bei jeder Stärke abbindet und dauerhaft elastisch bleibt“, führt der Tiefbaumeister aus.

Was für den undichten Keller der Wachtberger Hausbesitzerin noch erschwerend hinzukam: „Eine Drainage war falsch angeschlossen, weil sie zu hoch lag“, sagt Ross. Wenn aber Wasser etwa nach Niederschlägen „nicht vernünftig abgeleitet wird, kann es zum Problem für den Baukörper werden, weil es dann gegen das Mauerwerk drückt“. Daher verlegte Tobias Ross die neue Drainage unter die Bodenplatten, „so dass das Wasser gar nicht erst an den Baukörper gelangen kann.“

Um all diese Missstände beheben zu können, musste seine Firma schweres Gerät vor dem Haus der Wachtbergerin auffahren. Ein Bagger half beim Freilegen der kompletten Garagenzufahrten, um die Kellerisolierung ausschachten zu können. Nach rund zwei Wochen aufwendiger Arbeit, deren Kosten Ross auf einen fünfstelligen Betrag im unteren Bereich schätzt, war der Keller zeitgemäß isoliert: Und zwar mit dem bereits erwähnten Zweikomponentenabdichter in Gestalt einer sogenannten reaktiven Dichtmasse, einer fachgerecht angelegten Drainage und einer Teichfolie, die als mechanischer Schutz dienen sollen, so der Experte aus Hennef.

Zu einem effektiven Kellerschutz gehört aus seiner Sicht aber indirekt noch eine weitere Maßnahme: Statt die Baugrube wieder mit dem alten, mit Wasser vollgesogenen Erdreich und Bauschutt zu verfüllen, empfiehlt Ross, auf Rollkies und Schotter zu setzen.

Diesen Aufwand bei Kellerabdichtungen in Altbauten hält er für alternativlos: „Immer wieder wird von Unternehmen in solchen Fällen auch angeboten, die Keller von innen abzudichten.“ Nach seinen Erfahrungen ist das aber nicht zielführend: „Damit wird der eigentliche Grund für die Feuchtigkeit nicht beseitigt.“ Wie das Beispiel der Wachtbergerin geradezu mustergültig zeige, würden Flickarbeiten oft nichts bringen. „Nur neu bleibt treu“, sagt Ross.

Innungsvorstand Peter Hömmerich rät, dabei zu differenzieren: „Bei einem gemauerten Keller ist eine komplette Sanierung sicherlich die beste Lösung.“ Bei einem Keller aus Beton könne sich dagegen der Hausherr aber oft mit einer Abdichtung im Inneren behelfen.