Angriff auf einen Lazarettzug

Vor 75 Jahren starben in Bad Bodendorf 100 Menschen

Zehn amerikanische Jagdbomber, hier eine Abbildung des Typs "Lightning", griffen den Lazarettzug bei Bad Bodendorf an.

Zehn amerikanische Jagdbomber, hier eine Abbildung des Typs "Lightning", griffen den Lazarettzug bei Bad Bodendorf an.

BAD BODENDORF. Durch amerikanische Jagdbomber starben vor 75 Jahren bei Bad Bodendorf mehr als 100 Menschen. Die meisten von ihnen waren verwundete Soldaten, die über die Ludendorff-Brücke (Brücke von Remagen) ins Rechtsrheinische transportiert werden sollten.

Der wohl schwärzeste Tag in der Geschichte von Bad Bodendorf jährte sich am Mittwoch zum 75. Mal: Bei einem Angriff amerikanischer Jagdbomber auf eine Eisenbahn-Flakbatterie, die östlich von Bodendorf auf einem Spezialwaggon stand, am Fuß des Reisbergs und nicht weit von der damaligen Gärtnerei Ippendorf entfernt, kamen mehr als 100 Menschen ums Leben. Die meisten von ihnen waren verwundete Soldaten, die über die Ludendorff-Brücke („Brücke von Remagen“) ins Rechtsrheinische transportiert werden sollten.

Die sechs auf dem Waggon montierten Geschütze sollten Angriffe auf die Ludendorff-Brücke abwehren. Damit sie sich frei drehen und in alle Richtungen feuern konnten, mussten die Seitenwände des Waggons abgeklappt werden. Das Nachbargleis war dann für Züge nicht passierbar. Als die zehn mit Bordwaffen schießenden Lightnings die deutsche Batterie angriffen, feuerten sie aus allen Rohren auf die Jagdbomber.

Aus Richtung Bodendorf näherte sich zur gleichen Zeit ein mit roten Kreuzen auf weißem Grund gekennzeichneter Lazarettzug, vollgeladen mit Verwundeten. Weil das Gleis durch die Flakbatterie blockiert war, musste der Zug vor der schießenden Flakbatterie anhalten und geriet dadurch ins Kreuzfeuer. Möglicherweise nahmen die Amerikaner an, dass es sich bei dem Lazarettzug, der vor dem stehenden Flak-Waggon stand, um einen getarnten Munitionszug handelte. Als die Angreifer dann auch noch Bomben abwarfen, gerieten die zum Teil schwer verwundeten Soldaten in Panik, wie der in Bad Breisig lebende Militärhistoriker Wolfgang Gückelhorn recherchiert hat.

Viele sprangen, lediglich mit einem Hemd bekleidet, aus den Waggons in den Schnee, der an diesem Tag bis zu 20 Zentimeter tief lag. Aber es gab weit und breit keine Deckung. Deshalb wurden viele von ihnen unmittelbar von Bomben und Bordwaffen getötet. Weitere starben später an den Folgen.

Einer der angreifenden Jagdbomber stürzte, nachdem er einen Treffer erhalten hatte, bei Lohrsdorf ab. Auch die Lokomotive des Flakzuges wurde durch einen Bombentreffer zerstört. Unter den Getöteten waren zwei Soldaten der Eisenbahn-Flak, ein französischer Kriegsgefangener und zwei Bodendorfer: Johannes Mies, der an diesem Tag mit einem Pferdefuhrwerk auf den Reisberg gefahren war, um Holz zu holen, und ein Bodendorfer, der sich auf einer Holzbrücke in der Nähe der heutigen Freiherr-vom-Stein-Brücke aufhielt. Er wurde von einem Granatsplitter getroffen. Die getöteten Kriegsverletzten und Pfleger sind wenige Tage später in der Willibrorduskirche in Beul aufgebahrt und anschließend beigesetzt worden.