Bad Bodendorf enttäuscht von Sinzig

Vertrag sah Unterstützung beim Ausbau des Heilbades vor

BAD BODENDORF. Etwas enttäuscht ist man in den Reihen des Bad Bodendorfer Ortsbeirates schon von der Stadt Sinzig. Als der früher zur Stadt Remagen gehörende Ort im Jahre 1969 im Rahmen der Kommunalen Neuordnung der Stadt Sinzig zugeschlagen wurde, sicherte die Barbarossastadt ihrem neuen "Kind" tatkräftige Unterstützung bei der Förderung des Heilbades zu.

Zwei Jahre später wurde dann auch aus Bodendorf "Bad" Bodendorf. Investitionen in eine diesen Titel dauerhaft rechtfertigende Infrastruktur unterblieben jedoch.

2003 gab es dann gar eine "Mahnung" vom Land, endlich sichtbar Geld in das Heilbadprädikat zu stecken, was nicht geschah. Bekanntlich hat Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Bündnis 90/Die Grünen), selbst Bodendorfer Bürgerin, dann zehn Jahre später die offizielle Aberkennung des imageträchtigen Namenszusatzes durchgesetzt. Ärger war nun programmiert.

Vor dem Hintergrund, dass Lemkes Ministerium der Gemeinde wenige Tage später einen Entwurf für eine Resolution zum Erhalt des Badstatus zur Verfügung gestellt hat, reagierte gestern die rheinland-pfälzische FDP - und zwar mit großer Empörung. Ihr Landesvorsitzender Volker Wissing: "Die Politik der Wirtschaftsministerin ist an Scheinheiligkeit kaum mehr zu überbieten." Erst lasse die Ministerin in ihrer Behörde "eine Resolution gegen die Politik des eigenen Hauses" verfassen, um den Bürgern von Bad Bodendorf zu zeigen, dass sie diese unterstütze und lasse sie dann "eiskalt im Regen stehen".

"Offenkundig redet die Bürgerin Eveline Lemke nicht mit der Ministerin Eveline Lemke. Anders lässt sich diese Form der politischen Schizophrenie nicht erklären", so Wissing wörtlich. Die Bad Bodendorfer wüssten nun, was die Resolutionen der Wirtschaftsministerin wert seien: nichts. Die jetzt vollzogene Aberkennung des Heilbadprädikats "gegen den ausdrücklichen Willen der Ministerin" sei ein beeindruckender Beleg dafür, "wie wenig das Wort der Ministerin in ihrem Haus gilt".

FDP-Kreisvorsitzender Ulrich van Bebber kritisierte, dass Lemke ohne Not mit dem Schicksal des Kurortes spiele: "Erst kündigt sie die Aberkennung des Heilbadprädikates an, dann erkennt sie ihren Fehler und versucht, diesen mit einer Resolution zu beheben. Nun setzt sie das Vorhaben trotzdem um. Jetzt sollen andere die Kartoffeln aus dem Feuer holen."

Mit der Aufgabe des Bad-Titels gehen für Bodendorf allerdings auch Chancen einher. Beispielsweise können nun Freiflächen im ehemaligen Kurgebiet anderen Nutzungen zugeführt werden, da Beschränkungen entfallen.