Autofahren im Alter

Verkehrswacht gibt Senioren im Sinziger Rathaus Tipps

SINZIG. Die Seniorenbeauftragte der Kreisverkehrswacht gab im Sinziger Rathaus Tipps zum sicheren Autofahren im Alter. Die Remagener Polizei verzeichnete im vergangenen Jahr 445 Unfälle unter Beteiligung von Senioren ab 65 Jahren.

„Fahreignung – (K)eine Frage des Alters“ war das Thema einer Veranstaltung bei den Ahrweiler Freiheitswochen im Sinziger Rathaus. Referentin war die Seniorenbeauftragte der Kreisverkehrswacht, Cornelia Brodeßer. Für sie gilt es nicht, „ab einem gewissen Alter Führerscheine zu schreddern, sondern Perspektiven aufzuzeigen, wie die Mobilität im Alter erhalten werden kann“.

Wer kann besser Autofahren – junge oder alte Menschen? Eine Frage, die viel diskutiert wird. Ein Blick in die Unfallstatistik der Remagener Polizei könnte hilfreich sein. Gab es im vergangenen Jahr 423 Unfälle, bei denen die Fahrer zwischen 18 und 24 Jahre alt waren, standen dem 445 Unfälle unter Beteiligung von Senioren ab 65 Jahren gegenüber. 2015 war das Verhältnis noch 305 (Junge) zu 263 (Senioren), im Mittelwert von 2013 bis 2016 steht es 291 zu 285.

Das ist quasi Gleichstand. Doch warum gibt es mehr Unfälle mit Senioren, jedenfalls nach der Statistik der Remagener Polizei. Dazu sagt Dienststellenleiter Ralf Schomisch: „Diese Altersgruppe macht von Jahr zu Jahr einen größeren Anteil an der Gesamtbevölkerung aus. Ebenso trägt der gesellschaftliche Wandel dazu bei, dass ältere Menschen heute viel aktiver am sozialen Leben teilnehmen. Das spiegelt sich in einer gesteigerten Mobilität wider, und zwar sowohl auf eine höhere jährliche Fahrleistung bezogen als auch auf das immer weiter hinausschieben des 'Autofahrer-Endalters'.“

„Fahreignung – (K)eine Frage des Alters“ war das Thema der Veranstaltung im Sinziger Rathaus. Für Referentin Cornelia Brodeßer, Seniorenbeauftragte der Kreisverkehrswacht, gilt es nicht, „ab einem gewissen Alter Führerscheine zu schreddern, sondern Perspektiven aufzuzeigen, wie die Mobilität im Alter erhalten werden kann“.

Leistungsfähigkeit lässt im Alter nach

Fakt ist für sie: „Im Alter lässt die Leistungsfähigkeit nach.“ Das werde jedoch durch Erfahrung kompensiert: „Ältere Menschen fahren vorausschauender als junge Leute.“ Und: „Die meisten älteren Fahrer kommen auch ohne Navi ans Ziel, denn sie haben noch gelernt, Straßenkarten zu lesen.“ Ohnehin meine das gute Dutzend Teilnehmer Ü 65 im Ratssaal, „noch ganz gut unterwegs zu sein“. Das fanden zwei junge Besucher nicht ganz so: „Beim Fahren spielt Alter zwar eigentlich keine Rolle, aber es gibt Leute, die sind einfach unsicher oder fahren ungewöhnlich langsam.“

Brodeßer sprach von Vorurteilen, die auch über diverse Medien mit Schlagzeilen wie „Opa rammt Fußgänger“ verbreitet würden. Und die Versicherungswirtschaft würde am liebsten bei Senioren doppelt kassieren.

Denen wäre es am liebsten, man würde wie in einigen Ländern einen Fahreignungs- und Gesundheitstest einführen. Doch es gebe keine seriöse Studie, die Senioren ein schlechteres Fahrverhalten als anderen attestiere. Brodeßer: „Ich hatte in Bonn einen 92-Jährigen beim Reaktionstest. Der Mann schnitt mit sehr gut ab.“ Die Lösung: Der Senior war leidenschaftlicher Tänzer, hatte die Koordination förmlich im Blut. Ergo: keine Frage des Alters.

Schwierig wird's dann, wenn Malessen und damit Medikamente hinzu kommen. Denn während Brille oder Hörgerät („nicht hinausschieben“) Defizite kompensierten, hätten, so Brodeßer, „von 55 000 in Deutschland zugelassenen Medikamenten 2800 negative Auswirkungen auf das Fahrverhalten“. Da rät die Expertin der Verkehrswacht: „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“ Sie begrüßt freiwillige Gesundheitschecks und hält es mit Paragraf 2 des Straßenverkehrsgesetzes. Darin heißt es unter anderem: „Geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen ist, wer die notwendigen körperlichen und geistigen Anforderungen erfüllt.“

Nur fahren, wenn man sich gut fühlt

Damit ist eigentlich alles gesagt. Daher gibt Brodeßer Senioren einen simplen Tipp: „Nur dann fahren, wenn man sich auch gut fühlt.“ Denn defensives oder langsames Fahren oder das Meiden von schwierigen Verkehrssituationen seien noch keine Anzeichen für mangelnde Fahreignung. Komme es jedoch zu Auffälligkeiten wie vermehrte Beinahe- und Bagatellunfälle, Missachten von Verkehrszeichen oder häufiges Verfahren auch auf bekannten Strecken, dann sollten Angehörige handeln, „aber sehr sensibel“.

Denn: „Viele Meschen fühlen sich in ihrem Selbstwertgefühl verletzt, wenn andere ihre Fahreignung anzweifeln.“ Da könnten Hausarzt oder Freunde hilfreich sein, denn viele Senioren nähmen eher den Rat Außenstehender als den von Angehörigen an.

Doch bis dahin gelte erst einmal: „Fahren ist keine Frage des Alters, sondern eine des Wohlfühlens und der Gesundheit.“ Wie einst bei „Lady Baccara“, die auch mit 90 Jahren fast täglich unfallfrei mit ihrem Porsche von Köln zur Spielbank nach Bad Neuenahr fuhr. Und das ganz schön schnell. Das passt auf Brodeßer: „Autofahren im Alter sollte Spaß machen und nicht zur Belastung werden.“

Informationen zu Angeboten der Kreisverkehrswacht, auch speziell für Senioren, gibt es unter www.verkehrswacht-aw.de