"Ja zum Nürburgring"

Verein macht sich Sorgen um die Zukunft des Motorsports

Rennatmosphäre am Nürburgring: Stoßstange an Stoßstange passieren drei Fahrzeuge beim 24-Stunden-Rennen den Streckenabschnitt "Brünnchen" auf der Nordschleife.

NÜRBURG. Über der Nordschleife wabert der Nebel, auf den Wiesen rings um die Rennstrecke liegen einige Zentimeter Schnee, die Nürburg ist sogar noch tief verschneit. Wer in diesen Tagen am Nürburgring ist, erkennt: Der Winter hat die Region fest im Griff, an Motorsport ist noch nicht zu denken.

Was das Wetter angeht, so verspricht die Vorhersage zwar einen Temperaturanstieg. Viele Rennsportfreunde würden sich aber nicht nur besseres Wetter wünschen, sondern auch, dass der Motorsport eine Perspektive in der Eifel besitzt. Das sei derzeit nicht der Fall, meint Otto Flimm.

Der 83-Jährige ist ADAC-Ehrenvorsitzender und so etwas wie die graue Eminenz im deutschen Motorsport. "Unsere Alarmglocken sind angegangen, als klar wurde, dass die Insolvenzverwalter den Verkauf des Nürburgrings vorbereiten", sagt Flimm an diesem Freitagnachmittag in der Graf-Ulrich-Halle von Nürburg. Flimm ist Vorsitzender des Vereins "Ja zum Nürburgring", der sich 1981 gebildet hatte, als dem Ring das Aus drohte und der Millionen in die Rennstrecke gesteckt hat. Zur Außerordentlichen Mitgliederversammlung seines Vereins sind rund 100 Besucher gekommen, allerdings kein Vertreter von Land oder Insolvenzverwalter.

Flimm befürchtet, dass beim Verkauf des Rings "die besondere Bedeutung des Sports" nicht berücksichtigt werde. "Derzeit wird doch nur die Formel 1 gesehen, aber mindestens 90 Prozent der Sportveranstaltungen am Ring sind dem Breitensport vorbehalten." Und ob diese bei einem neuen Eigentümer auch in Zukunft durchgeführt werden könnten, das sei doch ungewiss. "Wir fühlen uns betrogen", sagt er.

Denn noch im Herbst bei Gesprächen mit dem Insolvenzverwalter und der Landesregierung hätte er den Eindruck gehabt, dass die Argumente des Vereins positiv aufgenommen worden seien. Jetzt aber wolle der Insolvenzverwalter den Ring so schnell wie möglich privatisieren. Womöglich weil die EU-Kommission im nächsten Jahr Hunderte Millionen Euro zurückfordern könnte, die Rheinland-Pfalz an staatlichen Beihilfen gezahlt hat. Und zwar dann, wenn die EU zu dem Schluss kommt, dass die Beihilfen illegal waren.

Noch Ende März/Anfang April soll nach Angaben der Ring-Sanierer die Ausschreibung beginnen. Viel zu früh, sagt Dieter Frey, der Rechtsanwalt des Vereins. "Es muss einen Verkaufsstopp geben, denn es besteht die Gefahr, dass übereilt ausgeschrieben wird und vollendete Tatsachen geschaffen werden."

Auf 200 Seiten hat Frey ausgeführt, dass manche staatliche Hilfe doch erlaubt sein könnte. So habe der Sport in Rheinland-Pfalz Verfassungsrang, für die Sportinfrastruktur seien daher Beihilfen zugelassen. Zudem müsse der Zugang zur Nordschleife, die den Charakter eines natürlichen Monopols habe, "zu angemessenen Kosten für den Breitensport möglich sein", so Frey.

Dass die Rennstrecke - unabhängig von den Freizeit-Einrichtungen oder der Hotellerie - in eine gemeinwohlorientierte Stiftung überführt wird, das halten Flimm und Frey für eine gute Lösung. Problem: Dabei könnten die Insolvenzverwalter weniger erlösen als bei anderen Modellen.

Derweil nutzt Nürburgs Ortsbürgermeister Reinhold Schüssler die Vereinsversammlung für einen flammenden Appell an die Solidarität der Menschen in der Region. Er spricht von Neid, Missgunst und Gleichgültigkeit. "Dabei müssten wir denen in Mainz doch die Hölle heiß machen. Wenn wir nicht bald aufwachen, sehe ich keine Chance mehr", so Schüssler. Er meint die Zukunft des Motorsports am Ring.