Eklat in Bad Breisig

Streit um Römer-Thermen wird zur Schlammschlacht

BAD BREISIG. Wegen Querelen in den Römer-Thermen ist es im Bad Breisiger Werksausschuss zu einem Eklat gekommen. Bürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch versuchte erfolglos, die Gemüter zu beruhigen.

Die Querelen zwischen der Geschäftsführerin der Römer-Thermen, Tanja Faßbender, und der Belegschaft des Bad Breisiger Bades werden mehr und mehr zu einer in der Öffentlichkeit ausgetragenen Schlammschlacht, die auf die Kommunalpolitik übergreift. Im Werksausschuss wurde Beigeordneter Jürgen Sieler (FWG) per Mehrheitsbeschluss des Saales verwiesen, da er im Verdacht steht, einseitig die Interessen des im Clinch mit Faßbender stehenden Personals zu vertreten und relevante Informationen „durchgestochen“ zu haben.

Die SPD erklärte sich solidarisch mit Sieler und verließ ebenfalls die Sitzung. Während die CDU von einer „Hetzjagd“ gegen die Thermengeschäftsführerin spricht, versucht Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch die Gemüter zu beruhigen. Bislang ohne Erfolg. Ein Mediationsverfahren wurde eingeleitet.

SPD verlässt Sitzung

Dem turbulenten – für den Betrieb der Thermen zuständigen – Werksausschuss schloss sich eine Sitzung des Stadtrates an. Auch ihr blieb die SPD fern. Besucher der Römer-Thermen nutzten gleich zu Beginn der Sitzung die Gelegenheit, kräftig gegen die angeblichen Zustände im Bad zu wettern: Gutes Personal sei entfernt und durch ungeschulte „Billigkräfte“ ersetzt worden, Geräte im Fitnessraum seien nicht pünktlich für eine Nutzung „eingestellt“ worden, die nun eingesetzten Mitarbeiter seien unfreundlich, Kurse fänden nicht mehr statt, und wenn doch, dann würden sie von inkompetentem Personal geleitet.

Putzfrauen würden als Bademeister eingesetzt, sach- und fachkundige Therapeuten hätten den Gesundheitsbereich des Bades längst aus Protest gegen die Geschäftsleitung verlassen. Kopfschütteln bei Tanja Faßbender, ungläubiges Staunen im Stadtrat.

„Hier wird eine ständig sich erneuernde negative Propaganda gegenüber der Therme, den Mitarbeitern, der Geschäftsführung und der Stadtbürgermeisterin betrieben nach dem Motto: Hauptsache man wirbelt Staub auf, etwas bleibt mit Sicherheit hängen“, ärgerte sich Hermann-Lersch, die selbst zur Zielscheibe geworden ist, da sie als Rechtsanwältin in Gemeinschaft mit ihrem ebenfalls als Anwalt tätigen Ehemann, dem CDU-Ratsmitglied Elmar Lersch, eine Rechtsberatung in Sachen Römer-Thermen durchgeführt haben soll.

Elmar Lersch stellte hierzu klar: „Ich habe nie ein Mandat von Frau Faßbender erhalten und hätte ein solches im Zusammenhang mit den Römer-Thermen auch nicht übernommen.“ Auch habe er kein Mandat der Römer-Thermen Betriebsführungs GmbH über Frau Faßbender als Geschäftsführerin gegen die Belegschaft erteilt bekommen. Dies wäre ebenfalls von ihm nicht angenommen worden, unterstrich Lersch.

Ihm sei lediglich der Auftrag zur Prüfung der Rechte und Pflichten im Rahmen einer Betriebsratswahl und seiner Bildung für den Betrieb und den Betriebsrat zur Einholung einer Zweitmeinung erteilt worden. Dieses Mandat sei am 19. März erteilt und am 6. April beendet worden.

„Diejenigen, die sich an dieser Hetze beteiligen, sollten wissen, dass den Dingen, die da behauptet werden, nicht gerichtsfeste und nachweisbare Tatsachen zugrunde liegen. Sie sind zum Teil schlichtweg unwahr, unvollständig und vor allem in der Diktion völlig einseitig“, sagte Hermann-Lersch. Was ihre anwaltliche Tätigkeit in dieser Sache anbetrifft, so hat sie nach eigener Mitteilung längst die Kommunalaufsicht mit der Bitte um Überprüfung eingeschaltet.

Streit um Geschäftsführung

Die Stadtbürgermeisterin unterstrich, dass die Römer-Thermen nicht von ihr oder dem Werksausschuss, sondern ausschließlich von Tanja Faßbender geleitet würden. Die Geschäftsführerin ist nach GA-Informationen mit einem Fünf-Jahres-Vertrag ausstaffiert. Hermann-Lersch: „Ich stehe nicht für eine Politik, in der andere Menschen vorgeführt, beleidigt oder falsch beschuldigt werden. Beide Seiten müssen gehört werden. Darauf basiert unser gesamtes Rechtssystem.“

Es sei bedauerlich, dass „die hier aktiv gewordenen Akteure“ ein völlig einseitiges Bild gezeichnet hätten. Zahlreiche Mitarbeiter des Bades würden die Geschäftsführung von Tanja Faßbender völlig anders bewerten, als dies beispielsweise der Beigeordnete Sieler in der Öffentlichkeit mache. Dass es interne Querelen gebe, sei nicht zu leugnen so Hermann-Lersch. Dies aber auch losgelöst von der Geschäftsleitung. Soll heißen: Einige Mitarbeiter gehen demnach nicht gerade wohlwollend miteinander um.

Gerade ein im März (mit Formfehlern) gewählter Betriebsrat habe die Situation eher verschärft. Die Bürgermeisterin: „Das alles macht deutlich, dass es hier einen dringenden Handlungsbedarf gibt, was das Arbeitsklima, das Klima des Miteinanders und das Arbeitsklima der Mitarbeiter zur Geschäftsführung betrifft.“ Das nun eingeleitete Mediationsverfahren könne zur Problemlösung beitragen.

Besucher sollen nichts mitbekommen

Vor allem solle verhindert werden, dass Streitigkeiten, sei es zwischen Mitarbeitern und der Geschäftsführung oder zwischen dem Betriebsrat und der Geschäftsführung mit öffentlicher Begleitung oder sogar Beteiligung von Gästen des Bades, die ihren Aufenthalt eigentlich genießen und von einem freundlichen Personal betreut werden sollten, ausgetragen würden.

Norbert Heidgen, Fraktionsvorsitzender der CDU, ging insbesondere mit Jürgen Sieler hart ins Gericht. Er veranstalte ein Tribunal gegen die Geschäftsführerin und unterstütze Badmitarbeiter, die gegen ihre arbeitsrechtliche Treuepflicht verstießen. Tatsache sei, dass eine nicht unerhebliche Anzahl an Mitarbeitern „vernünftig und gerne mit der Geschäftsführerin zusammenarbeiten“.