Jüdische Familien im Rheinland

Spurensuche in Dernau

Elchanan Heymann vor dem Thoraschrein in der ehemaligen Synagoge von Ahrweiler. FOTO: BERTRAM

Elchanan Heymann vor dem Thoraschrein in der ehemaligen Synagoge von Ahrweiler.

DERNAU/AHRWEILER. Elchanan Heymann ist Nachfahre Dernauer Juden und besuchte das Ahrtal. Dort begab er sich auf Spurensuche nach seinen Ahnen.

Matthias Bertram ist Winzersohn aus Dernau, Unternehmer in Ahrweiler, Heimatforscher, Buchautor. Sein neuestes und damit elftes Werk hat den Titel "Von Abraham Benjamin zu Elchanan Heymann, Geschichte einer jüdischen Gemeinde im Rheinland" und soll im Frühjahr auf den Markt kommen.

Betram beschäftigt sich mit der Jahrhunderte alten gemeinsamen Geschichte der jüdischen Gemeinden von Dernau und Ahrweiler. Bei seiner Recherche kamen viele Kontakte zustande: mit Nachkommen der jüdischen Familien von der Ahr in Israel, den USA, den Niederlanden, aus Kanada und Argentinien. So kam es zu einem spontanen Besuch im Ahrtal.

Der 64-jährige Elchanan Heymann ist ein Nachkomme der von etwa 1670 bis 1870 in Dernau ansässigen Familie Heymann und wurde von Matthias Bertram begrüßt. Heiman Isaac, der um 1750 geborene Gründer der Dernauer Synagoge und Förderer des jüdischen Kultus an der Ahr gehört ebenso zu dessen Vorfahren wie der in Dernau geborene Friedrich Wilhelm Heymann, der später an der Niederhutstraße in Ahrweiler wohnte und eine treibende Rolle beim Bau der Ahrweiler Synagoge spielte.

So besuchte Elchanan Heymann in Ahrweiler neben den Standorten der ehemaligen Heymann-Häuser in der Niederhut auch die Ahrweiler Synagoge, die seit fast drei Jahrzehnten unter der Regie des Bürgervereins ein Kulturzentrum ist und ihn sehr beeindruckte. Die ehemalige Dernauer Synagoge, die sich im Hause der Familie Heymann an der Teichgasse befand, und der jüdische Friedhof mit einer Vielzahl von alten Grabsteinen der Familie Heymann bildeten den Abschluss des kurzen, aber sehr emotionalen Besuches.

Elchanan Heymann wohnt in Haifa/Israel und arbeitet zurzeit als Lehrer für jüdische Religion und hebräische Sprache an einer Grundschule in Stuttgart. Weitere Wurzeln hat seine Familie auch in Siegburg.

Das neue Buch von Bertram spannt einen weiten Bogen: erste Anfänge der Gemeinde, die Einrichtung der Dernauer Synagoge, die Napoleonischen Dekrete, die Liberalisierungstendenzen im 19. Jahrhundert, die Ereignisse der Nazizeit, Restitution und Entnazifizierung bis hin zu den heutigen Nachkommen. Nachkommen der ehemaligen jüdischen Familien in Dernau (Heymann, Schweitzer, Bär, Levi, Stolz, Mayer, Meyer) wohnten später in Ahrweiler, Bad Neuenahr, Siegburg, Köln-Deutz, Weilerswist und Euskirchen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben sich die Überlebenden auf viele Länder verteilt.

Eine Überlebende und Verwandte des Besuchers war Meta Heymann aus Ahrweiler, über deren forschen Umgang mit den Nazis verbriefte Begebenheiten Zeugnis ablegen. Sie war Witwe des Kaufmanns Josef Heymann (1886-1933) und nach der NS-Machtergreifung zunehmend Repressalien ausgesetzt, weil die Ahrweiler Kunden trotz Verbotes immer noch in ihrem Geschäft an der Niederhutstraße einkauften.

In Ruhe gelassen wurde die streitbare Witwe von dem braunen Mob, als sie die Offiziersuniform ihres Mannes aus dem Ersten Weltkrieg mit dem Pour le Mérite, dem höchsten Orden des Kaiserreiches, in ihrem Schaufenster ausstellte. Daneben ein Schild: "Das taten wir für Deutschland."

Heymann war unter anderem Mitglied des Stadtrates von Ahrweiler gewesen. Witwe Heymann verkaufte später ihr Haus und flüchtete ins Ausland.