Sinziger Schloss

Sonderausstellung zeigt Barbarossa in allen Facetten

SINZIG. Um Friedrich I., genannt Barbarossa, aus dem Adelsgeschlecht der Staufer dreht sich eine neue Sonderausstellung im Sinziger Schloss. Es geht um den „Kaiser zwischen Mythos und Marketing“.

Auf großes Publikumsinteresse stieß am Internationalen Museumstag die Vernissage der neuen Sonderausstellung mit dem Titel „Barbarossa. Kaiser zwischen Mythos und Marketing“ im Schloss Sinzig. Auf zwei Etagen beschäftigt sich die Schau mit historischen Hintergründen und ausgiebig mit dem Mythos, der um den Staufer-Kaiser Friedrich I. gesponnen wurde. Trotz bestem Freizeitwetter und reichlich Sitzmöglichkeiten, lauschten so viele Besucher dem Vortrag von Kurator Rudolf Menacher, dass einige im hinteren Teil des großen Saales stehen mussten.

Auch danach riss der Strom interessierter Fragen an Menacher nicht ab, der sich in wochenlanger Kleinstarbeit dem Phänomen Barbarossa in allen Facetten genähert hat. Ausgangspunkt dabei ist die geschichtliche Figur Friedrichs I. Leider gibt es in Sinzig keine direkten Funde aus dem 12. Jahrhundert. Dass die Stadt überhaupt so prominent mit Barbarossa in Zusammenhang gebracht wird, ist schon Ausdruck seines Mythos.

Gustav Bunge, Erbauer des Sinziger Schlosses, war davon überzeugt, seine Villa auf den Grundmauern der alten Staufer-Pfalz zu errichten. In der Ausstellung findet sich eine Kopie des Wandbilds, das 1865 von Carl Andrae für das Turmzimmer angefertigt wurde und den Kaiser zeigt, wie er Erzbischof Hillin von Trier in Sinzig ein Bergwerksprivileg überreicht.

Erstmals erhielt Sinzig zur 600-Jahr-Feier 1935 offiziell den Namen Barbarossa-Stadt, der zum einen der neuen nationalsozialistischen Staatsdoktrin entsprach und zum anderen die Bewerbung Sinzigs um eine Einstufung als Kurstadt unterstützen sollte. Aus diesem Grund wurde die Verbindung zu Rotbart auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiter gesucht. 1951 fand diese Entwicklung ihren Höhepunkt mit der Schenkung einer Barbarossa-Statue durch Else von Wedderkop, die sich noch heute in den Grünanlagen der Stadt findet. Schwarz-Weiß-Fotos erzählen von den Barbarossa-Festen der 1950er Jahre, inklusive „Weinlauf“ und Freilichtspielen.

Neben diesen historischen Entwicklungen beschäftigt sich die Ausstellung auch ausgiebig mit Barbarossa als Marketing-Instrument. In zahlreichen Darstellungen wird nachgezeichnet, wie länger sein Bart und germanischer sein Aussehen im Laufe des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts wurden. Das Kyffhäuserdenkmal in Thüringen wird nicht ausgespart, das Rechtspopulisten bis heute als Bühne für Kundgebungen dient. Die Besucher können sich über andere Barbarossa-Städte wie Kaiserslautern oder Gelnhausen informieren und auch für den Kuriositäten-Freund gibt es reichlich Erkundungsmaterial. Über Münzen und Briefmarken, über riesige Wandteller bis hin zu Fotografien von Barbarossa-Tattoos bietet die Ausstellung einiges, um tief in den Mythos des Kaisers einzutauchen, der in der jüngeren Geschichtswissenschaft zumeist entmythologisiert als relativ erfolgloser Regent dargestellt wird.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 1. März 2020 und ist samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr und donnerstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet.