Interview mit Maike Gausmann-Vollrath

Sinzigs neue Wirtschaftsförderin sieht Bedarf in den Randzonen

SINZIG. Die Zeit der Vakanz hat nach 18 Monaten ein Ende. Maike Gausmann-Vollrath (38) ist die neue Wirtschaftsförderin der Stadt Sinzig. Über die Ziele ihrer künftigen Arbeit, die auch Stadtmarketing beinhaltet, sprach Marion Monreal mit ihr.

Sie sind kein Newcomer. Seit vier Jahren zeichnen Sie für den Tourismus, ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaftsförderung, verantwortlich. Sie haben die Lenkungsgruppe Bad Bodendorf moderiert, aus dem beispielsweise der "Rundweg der Düfte" entstanden ist. Welche Erfolge haben Sie noch vorzuweisen?
Maike Gausmann-Vollrath: Davon ausgehend, dass meine Arbeit immer nur so gut sein kann, wie die der Menschen, die sich in Sinzig und den Stadtteilen engagieren, bin ich stolz darauf, dass sich seit 2010 die Zahl der Übernachtungen in Sinzig von 22.000 auf 36.000 erhöht hat. Dazu trägt unumstritten das zum Seminarhotel umfunktionierte Schloss Ahren-thal bei, die Bemühungen des Vier-Sterne-Hotels "Maravilla" in Bad Bodendorf, übrigens mit seinem Seniorenheim "Maranatha" mit 318 Arbeitsplätzen mittlerweile größter Arbeitgeber Sinzigs, und die Neueröffnung des Hotels Blumenhof in der Innenstadt. Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang, dass Sinzig in den vergangenen Jahrzehnten den Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsstadt mit sogenannten "weißen Arbeitsplätzen" geschafft hat.

Welchen Schwerpunkten werden Sie sich als Wirtschaftsförderin widmen?
Gausmann-Vollrath: Ich möchte die derzeitigen positiven Entwicklungen aufgreifen und den Schwung, der spürbar ist, mitnehmen. Zunächst habe ich vor, die Zusammenarbeit mit den bestehenden Unternehmen zu pflegen. Zweiter Schwerpunkt ist jedoch die Neuansiedlung. In der jüngsten Vergangenheit gab es einige wichtige Geschäftseröffnungen. An erster Stelle zu nennen sind hier der neue Rewe-Markt, "DM" wird im Sommer im Gewerbegebiet im ehemaligen Rewe-Markt mit Verkaufsflächen und Schulungszentrum für alle DM-Mitarbeiter folgen. Das könnte eine Sog-Wirkung auf andere Firmen haben. Zu nennen sind ebenso Kodi als unmittelbarer Nachfolger von "Ihr Platz". Seit Februar gibt es bereits fünf weitere Neueröffnungen in der Innenstadt. In der zentralen Einzelhandelslage haben wir damit nur noch eine sehr geringe Leerstandsquote.

Wie sieht es aber in den Randgebieten der City wie Ausdorfer- und Koblenzerstraße aus?
Gausmann-Vollrath: Da besteht Handlungsbedarf, dort gibt es 24 Leerstände, doch nur zehn davon sind gewerblich nutzbar. Die anderen Räume sind entweder zu klein, die nicht mehr jungen Eigentümer wollen keine neuen Mieter mehr, oder die Pachtforderungen sind zu hoch. Trotzdem werde ich zu jedem Besitzer Kontakt aufnehmen. Vielleicht haben sie ja auch Nutzungsideen, an die wir noch gar nicht gedacht haben. Doch dem Wunsch einiger Bürger, die Schaufenster der leeren Ladenlokale zuzukleben, können wir nicht nachkommen. Ein Kaschieren macht die Möglichkeit der Vermarktung nur geringer. Man signalisiert Interessenten, dass kein Bedarf mehr besteht.

Die Stadt hat die Fortschreibung ihres Einzelhandelskonzept in Auftrag gegeben. Wann liegt sie vor?
Gausmann-Vollrath: Sie kommt pünktlich zur Neukonstituierung des Stadtrates. Der wird sich dann in einer seiner ersten Sitzungen damit befassen. Außerdem stehe ich in engem Austausch mit den Arbeitsgruppen des Bürgerforums "Wir für Sinzig" und natürlich der Aktivgemeinschaft.

Welche Branchen fehlen Ihnen in Sinzig?
Gausmann-Vollrath: Grundsätzlich finde ich, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Perfekt wären natürlich inhabergeführte Geschäfte. Ich kann mir ein Herrenbekleidungsgeschäft vorstellen.

Raus aus der Innenstadt, rein in den 380 000 Quadratmeter großen Gewerbe- und Industriepark. Gibt es da noch Flächen, die Sie vermarkten müssen?
Gausmann-Vollrath: Nur noch 20.000 Quadratmeter sind übrig, wofür es aber bislang kein überzeugendes Konzept eines Investors gab. Platz zur Ausweitung haben wir in der Nähe des Bahnhofs in Richtung Bad Breisig wegen der Hanglage nicht mehr. Auch nicht in Löhndorf, wo Preis und Größe in keinem Verhältnis stehen.

Ihr langfristiges Ziel?
Gausmann-Vollrath: Wir sind bemüht, "die" Umweltstadt im Kreis Ahrweiler zu werden. Wer zum Beispiel bei uns einkauft, kann jetzt schon sein Elektroauto an einer Ladestation aufladen. Unser Abwasserzweckverband produziert bereits fast 60 Prozent seines Stroms selbst. Die Investitionen in die Kindergärten wollen wir mit der Installation von Blockheizkraftwerken vervollkommnen. Diese erzeugen mehr Strom, als in den Kitas benötigt wird.

Zur Person

Maike Gausmann-Vollrath (38) ist in Bad Neuenahr geboren und lebt dort auch mit ihrem Mann. Die Diplom-Ingenieurin für Raumplanung mit dem Schwerpunkt Stadtmarketing studierte an der Universität Dortmund. Bereits seit April 2010 ist sie in Sinzig für den Bereich Tourismus der Stadt zuständig. Ihre Hobbys sind Radreisen und Volleyball. Sie spielt bei den Leichtathletik Freunden (LAF) Sinzig seit sieben Jahren in der Oberliga.