Rücktritt der Ersten Beigeordneten

Sinzigs Bürgermeister weist Vorwürfe scharf zurück

Bürgermeister Andreas Geron (r.) und Mitarbeiter Christian Weidenbach nehmen zu den Vorwürfen Stellung.

Bürgermeister Andreas Geron (r.) und Mitarbeiter Christian Weidenbach nehmen zu den Vorwürfen Stellung.

SINZIG. Andreas Geron wehrt sich entschieden gegen die Vorwürfe der zurückgetretenen Ersten Beigeordneten der Stadt Sinzig, Charlotte Hager. Er habe Hager nicht zu einer Unterschrift genötigt.

Sinzigs Bürgermeister Andreas Geron hat die im Zusammenhang mit dem Rücktritt der Ersten Beigeordneten Charlotte Hager von ihr erhobenen Vorwürfe scharf zurückgewiesen. Weder habe er – wie von Hager dargestellt – seine Vertreterin zu einer Unterschrift unter ein städtisches Schreiben genötigt, noch sei deren Unterschrift im Nachgang eingescannt worden, obwohl Hager erhebliche Bedenken zum Inhalt des Schreibens vorgetragen habe.

Hager hatte erklärt, dass es keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mehr mit Geron gebe und trat zurück. Am Freitag teilte die Staatsanwaltschaft Koblenz mit, dass eine anonyme Strafanzeige gegen Geron „und mehrere Personen“ eingegangen sei, die derzeit ausgewertet werde (siehe Infos unten).

Es entspreche nicht der Wahrheit, dass es am 21. Januar ein Gespräch zwischen ihm und Hager gegeben habe, in dessen Verlauf das strittige – von Hager zu unterzeichnende – Stadtschreiben thematisiert worden sei, unterstrich Geron. „Das Gespräch hat nicht stattgefunden“, so der Sinziger Stadtchef. Hagers Darstellung entspreche nicht der Wahrheit: „Ich habe Frau Hager nicht gebeten, etwas zu unterschreiben.“ Die Erste Beigeordnete hingegen hatte erklärt, von Geron gar dazu genötigt worden zu sein. Büroleiter Christian Weidenbach bestätigte, dass Hager ihre Unterschrift eigenhändig unter den Brief gesetzt habe: „Und zwar freiwillig.“

Einen Tag später, am 22. Januar, habe sie zunächst einem Rathaus-Mitarbeiter gegenüber Bedenken zum Inhalt des Schreibens vorgetragen. Da sich das Schreiben noch im Postausgang befunden hätte, sei es zurückgeholt worden und wieder auf dem Schreibtisch des Büroleiters gelandet. Dabei habe er festgestellt, dass sich in der Briefadresse des zweiseitigen Schreibens ein Tippfehler befunden habe, den er korrigierte. Die zweite Seite des Briefes sei im Original der um den Tippfehler bereinigten Seite zugefügt worden, so dass sich nach wie vor die Originalunterschrift der Beigeordneten unter dem Schreiben befunden hätte.

Erst am Dienstag, 22. Januar, habe Geron dann mit Hager telefoniert. Die Beigeordnete habe ihm gegenüber ihre Bedenken zum Brief, in dem es um eine von der Wähler-Union beantragte Bürgerbefragung zum geplanten Nahversorgungszentrum ging, vorgetragen. „Ich habe Frau Hager gesagt, sie solle sich das noch mal überlegen.“ Und: „Wir halten den Brief zurück, wenn Sie das so wollen.“ Hager habe sich nicht wieder gemeldet. Der Brief ging raus. Helga Schmitt-Federkeil als Adressatin des Briefes erklärte: „Man braucht keine Lupe, um zu erkennen, dass es sich hierbei um kein Original handelt. Sollte Hager rechtliche Schritte erwägen, werde ich das Schreiben den zuständigen Behörden zur Verfügung stellen.“

Geron ging auch auf Hagers Vorwurf ein, sie sei in Entscheidungen nicht eingebunden gewesen und Geron habe sie ignoriert. „Gegenüber der Beigeordneten ist ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue eingeleitet. Wie soll ich da vertrauen?“, so Geron. 16 Jahre habe Hager mit dem damaligen Bürgermeister Wolfgang Kroeger „aufs Engste“ zusammengearbeitet, „der sich nicht nur der Dienstwagenaffäre, sondern auch Mobbingvorwürfen in laufenden Verfahren konfrontiert sieht“.

Wörtlich fügte Geron hinzu: „Man hat mich alleine gelassen mit einer Beigeordneten, die in einen Untreuevorwurf verwickelt ist.“ Es sei „kein schöner Moment gewesen, als die Kriminalpolizei in mein Büro kam und Dokumente sichergestellt hat“.

Dass Hager in Vertretungszeiten einen abgeschlossenen Schreibtisch im Bürgermeisterbüro vorgefunden habe, sei wohl nachvollziehbar: „Es liegen dort Unterlagen zur Dienstwagenaffäre“, erklärte Geron. Ihm stelle sich die Frage, was „Frau Hager in den Schubladen meines Schreibtisches zu suchen hatte“.