Barbarossa und die Ahr-Auen in Sinzig

Sinziger wünschen sich sanften Tourismus

SINZIG. Wie soll es mit dem Tourismus in Sinzig weitergehen? Bei einem Themenabend der SPD haben Bürger dazu ihre Ideen geäußert. Zwei Anregungen: Aus Kaiser Barbarossa und den Ahr-Auen könnte die Stadt mehr machen.

Es gibt viele Arten, ein Wahlprogramm auf die Beine zu stellen: Klausurtagungen, Parteitage, Workshops. Die Sinziger SPD geht ihren eigenen Weg. Sie lädt Mitglieder und Bürger zu Themenabenden ein. Deren Ergebnisse sollen dann da, wo es Sinn macht, in das Programm einfließen.

Mittwochabend ging es in Westum unter der Moderation von SPD-Vorstandsmitglied Sabine Eggert um Tourismus, Stadtentwicklung und Nahversorgung. Dies im Format eines „World Cafés“, also mit wechselnden Besetzungen an Thementischen. Der General-Anzeiger hat den „Touristikern“ über die Schulter geschaut, die vor Ideen nur so sprudelten.

So zum Beispiel beim Thema Landesgartenschau 2022 in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Da es mit einer gemeinsamen Gartenschau 2008 nicht geklappt hat, fanden die Teilnehmer, dass Sinzig sich diesmal wenigstens ein Scheibchen vom erwarteten Zustrom von 800 000 Besuchern in der Kreisstadt abschneiden sollte. Wie wäre es mit einer Aktion „Sinzig als blühende, bienenfreundliche Stadt“, lautete einer der Vorschläge. Mit dem Rosendorf Löhndorf und den Duftgärten in Bad Bodendorf hätte man Pfunde, mit denen man wuchern könne.

Außerdem stehe ja die Nutzung des Naturschutzgebietes Ahrmündung für sanften Tourismus in Rede. „Das könnte Öko-Tourismus werden“, fand eine Teilnehmerin, nannte Möglichkeiten von Angeboten wie Stress-Reduktionswochen oder Führungen mit Ornithologe. Die Ahr-Auen seien Natur und müssten besser für Sinzig genutzt werden. Überhaupt sei der etwas in Vergessenheit geratene Gedanke der Gesundheitsregion Kreis Ahrweiler wieder zu beleben. Dies auch unter dem Aspekt Radeln, Flanieren und Wandern. Letzteres durchaus im Sinziger Stadtwald, denn Wald sei „ein Sanatorium für die Seele“.

Ideen, die alle in ein touristisches Gesamtkonzept für Sinzig und seine Stadtteile einfließen könnten. Dies mit der Grundidee, Ahr und Rhein für Sinzig und seine Besucher attraktiv zu machen.

Dazu gehöre auch die Schaffung von Gastronomie an der Ahr, denn „Natur macht auch hungrig und durstig“. Wenn dann noch Region und Bio auf den Tisch kämen, umso besser.

Durst und Hunger stillte einst Kaiser Barbarossa in seiner Sinziger Pfalz. Sinzig ist neben Kaiserslautern, Gelnhausen, Altenburg in Thüringen und Bad Frankenhausen eine von fünf deutschen Barbarossastädten. Da gelte es, den „Rotbart“, wie schon beim Stadtjubiläum, auch künftig vor den touristischen Karren zu spannen.

Der Barbarossamarkt im September sei zwar etabliert, doch aus dem alten Kaiser könne man mehr machen, auch mit Programmen für Kinder. „Die Stadt muss sich mit Barbarossa mehr identifizieren“, lautete da die Forderung.

Gefordert wurde indes auch mehr Barrierefreiheit. Dafür könne die Stadt Fördermittel abfragen. Die nur über eine Stufe zu erreichende Tourist-Info und der Bahnhof gerieten da ins Visier der Kritik. Wozu ein Teilnehmer anmerkte: „Bei dem Thema dürfte mehr Gehirnschmalz verbraucht werden.“ Dito in der Standortsuche für neue E-Bike-Landestationen.

Viel Stoff, der in kurzer Zeit erarbeitet wurde. „Jetzt beginnt die sorgfältige Auswertung“, kündigte Sabine Eggert an. Viel Arbeit für den Vorstand.

Der nächste Themenabend zu Klima, Energie, Ortsteilen und Finanzen findet am Montag, 15. Oktober, ab 19.30 Uhr in der Winzergaststätte in Bad Bodendorf statt.