Bürgermeisterwahl

Sinziger Parteien sind offen für Zusammenarbeit mit Andreas Geron

Erste Beigeordnete Charlotte Hager (v.l.) und Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger übergaben im Ratssaal den Ausdruck des vorläufigen amtlichen Endergebnisses an Esther und Andreas Geron. Der neue Bürgermeister tritt im Januar sein Amt an.

Erste Beigeordnete Charlotte Hager (v.l.) und Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger übergaben im Ratssaal den Ausdruck des vorläufigen amtlichen Endergebnisses an Esther und Andreas Geron. Der neue Bürgermeister tritt im Januar sein Amt an.

SINZIG. Die Sinziger Parteien zeigen sich aufgeschlossen für die Kooperation mit dem künftigen Sinziger Bürgermeister Andreas Geron. Der unabhängige Kandidat war am Sonntag als deutlicher Sieger aus der Stichwahl gegen Martin Braun (CDU) hervorgegangen.

Während der neu gewählte Sinziger Bürgermeister Andreas Geron „erst einmal zur Ruhe kommen will“, ist andernorts Wunden lecken angesagt. Wie berichtet, hatte sich Geron als unabhängiger Kandidat in der Stichwahl mit einem überragenden Wählervotum gegen den Christdemokraten Martin Braun durchgesetzt.

4721 Stimmen, lediglich 170 Stimmen mehr als bei der Wahl am 24. September, hatte Geron auf sich vereinigt, das machte 71,5 Prozent der abgegebenen Wählervoten aus. 1886 Stimmen – das waren knapp tausend weniger als bei der September-Wahl, entfielen in der notwendig gewordenen Stichwahl auf Braun, der damit auf nur 28,5 Prozent kam. Lediglich 48,6 Prozent der Sinziger Bürger waren allerdings bei der Stichwahl zur Wahlurne gegangen, im September waren es noch stolze 75,1 Prozent. So ist zumindest der Einbruch bei den absoluten Stimmenzahlen zu erklären.

Schließlich hatte es bei der September-Wahl noch drei Kandidaten gegeben. Der ebenfalls unabhängige Kandidat Manfred Ruch hatte damals 2584 Stimmen erhalten, fast 700 mehr als Braun in der Stichwahl. Das machte 25,8 Prozent aus. Ruch war damit aus dem Rennen um das Bürgermeisteramt ausgeschieden, die Stichwahl bestritten Geron und Braun.

Aufgeschlossenheit

Während Geron seine Wähler erneut mobilisieren konnte und somit in absoluten Zahlen stabil blieb, gelang das Braun in nur beschränktem Umfang. Die Ruch-Stimmen vom September entfielen nur zu einem Teil auf Geron, das Gros der 2584 Ruch-Wähler ist wohl erst gar nicht zur Stichwahl gegangen, weil sie weder den einen noch den anderen Kandidaten unterstützen wollten.

Aufgeschlossen für die künftige Zusammenarbeit mit Geron zeigten sich die Parteien. „Wir gratulieren dem neuen Bürgermeister und wünschen ihm eine gute Hand für Sinzig und seine Stadtteile. Die Bürger haben ein deutliches Votum abgegeben: Sie wollen einen Neuanfang“, sagte der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, Franz Hermann Deres. Die CDU – insbesondere im Stadtrat – werde offen sein für die Zusammenarbeit mit Geron. Dem Kandidaten der CDU, Martin Braun, bescheinigte Deres, „einen anstrengenden Wahlkampf gemacht zu haben“. Ihm und seiner Familie wünsche die Partei jetzt eine Zeit der Ruhe und Besinnung.

Die Christdemokraten wollen sich nun in Kürze zusammensetzen und das deutliche Ergebnis in der Stichwahl analysieren und diskutieren. Deres: „Wir werden kritisch mit uns sein. Alle sind eingeladen, uns ihre Meinung zu sagen. Damit wir gemeinsam Sinzig und seine Stadtteile weiter entwickeln können.“

Beachtliche Quote

„Rund ein Drittel der Wahlberechtigten in Sinzig haben Andreas Geron ihre Stimme gegeben. Das ist für eine Bürgermeisterwahl eine beachtliche Quote. Die SPD freut sich auf einen frischen Wind im Rathaus und in der Politik. Wir hoffen auf eine rasche Umsetzung vieler bereits angestoßener Projekte. Auf die eigenen Ideen von Herrn Geron ist die SPD gespannt“, meinte der Fraktionsvorsitzende der SPD im Rat der Stadt Sinzig.

Die SPD gehe dabei davon aus, dass der Stadtrat und Geron in dem gemeinsamen Bemühen, die Stadt zu entwickeln, zusammenfinden. Allerdings bedürfe es dazu einer kooperativen Kommunikation des designierten Bürgermeisters. Pauschale boulevardeske Plattitüden in seinem Wahlkampf wie „Parteiengeklüngel“ oder „Hinterzimmerpolitik“ würden jedoch eher das Gegenteil bewirken, merkte Tann an. „Auch in Sinzig nehmen die Parteien ihre Aufgabe zur politischen Willensbildung wie verfassungsrechtlich vorgesehen und geschützt wahr“, sagte Tann. Die SPD traue ihm den nun notwendigen ausgleichenden Prozess zu.

Der Souverän, nämlich der Bürger, habe entschieden – und der wolle einen Neuanfang, erklärte der Fraktionsvorsitzende der FWG, Friedhelm Münch auf GA-Anfrage. Dem werde sich die Freie Wählergruppe nicht verschließen, so Münch, der wörtlich anfügte: „Wir wollen und werden konstruktiv mitarbeiten, dabei allerdings kritisch das Handeln der Verwaltung verfolgen.“

Höhe des Ergebnisses überraschend

Münch sei von der Höhe des Geron-Ergebnisses überrascht gewesen. Ebenso hoch seien nun die Erwartungshaltungen, die an den Wahlsieger und künftigen Bürgermeister geknüpft würden. „Das wird sein großes Problem sein“, so der erfahrene Kommunalpolitiker. Geron habe im Rat nämlich auch nur eine Stimme. Zudem sei er den üblichen Zwängen einer Kommunalverwaltung ausgesetzt. Regeln gelte es zu beachten, Auflagen zu erfüllen. Münch: „Andreas Geron wird nicht alles auf den Kopf stellen können.“

Hart ins Gericht ging der frühere Löhndorfer Ortsvorsteher mit den Verfassern von in sozialen Medien veröffentlichten Botschaften: „Hier wurde Stimmung gemacht, es wurde viel Unsinn verbreitet, Behauptungen ohne Wahrheitsgehalt wurden aufgestellt.“ Das habe ihm sehr zu denken gegeben, zumal „einige wenige für viele ihre Meinungen und vermeintlichen Nachrichten abgesetzt haben. Und das oftmals in der Anonymität des Netzes.“ Münch sprach von einer „unangenehmen Stimmungsmache“, die sich gegen Rat und Verwaltung gerichtet habe.

Das Wahrergebnis sei auch ein Votum gegen Amtsinhaber Wolfgang Kroeger (CDU) gewesen, der noch vor acht Jahren mit 64 Prozent der Stimmen in seinem Amt bestätigt worden war. Münch: „Wir waren als FWG nicht immer einer Meinung mit ihm. Sollten sich aus seiner Amtsführung relevante Verfehlungen ergeben, werden diese aufbereitet und verfolgt.“ Gemeint sind die sogenannte „Dienstwagenaffäre“ und Arbeitsgerichtsverfahren gegen zwei Mitarbeiter.