Interview mit Bürgermeister Geron

Sinzig schafft Kindergartenplätze

SINZIG. Zwei neue Kitas werden gebaut, eine neue Mensa wird errichtet, die Feuerwehr erhält eine neue Wache und an der Ahrmündung sollen in Zukunft möglicherweise Wasserbüffel weiden: In Sinzig ist viel in Bewegung. Ein Gespräch mit Sinzigs Bürgermeister Andreas Geron.

Zwei neue Kindertagesstätten entstehen in Sinzig, eine neue Mensa wird errichtet und die Feuerwehr erhält eine neue Wache. Im Herbst soll das Integrierte Stadtentwicklungskonzept vorgestellt werden, zudem gibt es Pläne, das Naherholungsgebiet an der Ahrmündung aufzuwerten. Nachfolgend äußert sich zu all diesen Projekten Sinzigs Bürgermeister Andreas Geron.

Die Stadt Sinzig muss – wie andere Städte und Gemeinden auch – in Sachen Kita-Plätze nacharbeiten, da sich die Bedarfszahlen verändert haben. Wie viele neue Betreuungsplätze sind in der Entstehung?

Andreas Geron: Richtig ist, dass sich in den Bedarfsgesprächen, die wir alljährlich im Frühjahr führen, herausgestellt hat, dass uns in Sinzig rund 100 Kita-Plätze fehlen. Dank guter und unproblematischer Zusammenarbeit mit dem Landesjugendamt und der Ahrweiler Kreisverwaltung haben wir dann jedoch für den Stadtteil Bad Bodendorf schnell und unbürokratisch eine Pavillonlösung finden können, die ab Oktober Raum für 50 Plätze bietet.

Dann fehlen aber immer noch 50 Plätze. Wird es im Herbst Sinziger Kinder geben, die nicht in einer Kita untergebracht werden können?

Geron: Die Gefahr ist erkannt, aber noch nicht ganz gebannt. Insgesamt stehen uns im Herbst 525 Plätze zur Verfügung. Zusätzlich ist für Koisdorf ein Kindergartenneubau mit 40 Plätzen in Planung, am Weidenweg in der Kernstadt eine Kita mit 110 Plätzen. Bis zur Fertigstellung dieser neuen Einrichtung kann es zu Problemen kommen. Jedenfalls dann, wenn alle tatsächlich vorhandenen Betreuungsplätze auch wirklich in Anspruch genommen werden. Bekanntlich wird nicht jedes Kind, das jünger als zwei Jahre alt ist, auch angemeldet.

Zu den großen anstehenden Investitionen gehört die Feuerwache, die mehr als vier Millionen Euro kosten soll, wobei das Land als Zuschussgeber einen Neubau für angemessen hält, der weniger als zwei Millionen – genau 1,8 Millionen – kostet. So jedenfalls sehen es die Richtlinien für den Neubau von Feuerwachen vor. Wie ist der Sachstand? Wann kann mit dem Bau begonnen werden, was soll er letztlich kosten?

Geron: Dieser von Ihnen genannte Zuschusswert ist in den vergangenen Jahren leider nie fortgeschrieben worden. Er berücksichtigt auch keine Baukostensteigerungen, die wir in den vergangenen Jahren hatten. Wir haben mit unserer Feuerwehr sehr sorgfältig den notwendigen Bedarf erörtert und uns bei unseren mit der Wehr abgestimmten Vorstellungen auf das wirklich Notwendigste beschränkt. Trotzdem wird das dringend erforderliche neue Haus für die Feuerwehr rund vier Millionen Euro kosten, was sich im Übrigen genau in der Dimension bewegt, die andere Städte unserer Größenordnung ebenfalls für ihre Feuerwehr aufbringen müssen. Im Herbst wollen wir nach der europaweiten Ausschreibung, die für Verzögerungen gesorgt hat, die Detailpläne in den Gremien beraten. Wenn der finale Entwurf steht, werden Bau- und Förderantrag gestellt.

Im Rahmen der Innenstadtentwicklung spielt die Alte Druckerei durchaus eine Rolle. Sie ist in Privatbesitz und gehört einer Investorin, die ihre Bauabsichten nicht in der von ihr gewünschten Form durchsetzen konnte. Welche Perspektiven gibt es nun für das Gelände?

Geron: Das Projekt spielt bei unserem Integrierten Stadtentwicklungskonzept eine Rolle. Im September werden wir hierzu die Sinziger wieder einladen und die Ergebnisse präsentieren. Was nun den gesamten Gebäudekomplex der Alten Druckerei anbetrifft, so bin ich zwar mit der Investorin und Eigentümerin im Gespräch, jedoch ohne ein bislang verwertbares Ergebnis zu haben. Sie kennt unsere Vorstellung, wir ihre.

Und wie sind Ihre Vorstellungen?

Geron: Ich sähe es gerne, wenn attraktiver und bezahlbarer Wohnraum entstünde, vielleicht auch in Kombination mit Einzelhandelsflächen. Auch eine öffentliche Bibliothek würde auf meiner persönlichen Wunschliste stehen. Aber so etwas muss natürlich auch bezahlbar und darstellbar sein.

Apropos unerfreulicher Zustand: Gleich in Kirchplatznähe befindet sich an der oberen Bachovenstraße seit Jahren eine äußerst unansehnliche Baulücke. Was ist da los? Wie lange soll das so bleiben?

Geron: Die mit Planen verhangene Ruine liegt mitten im Sanierungsgebiet, mit dem sich das Integrierte Stadtentwicklungskonzept beschäftigt. Wir als Stadt und auch der Kreis Ahrweiler sind uns des unzulänglichen Zustandes dort bewusst. Grundsätzlich handelt es sich natürlich um eine Eigentümersache. Durch die Möglichkeit der Beantragung von Fördermitteln, die es im Zuge des Entwicklungsprogramms geben wird, bin ich hoffnungsfroh, dass der unschönen Situation ein Ende bereitet wird.

Im Zustand der Stagnation ist auch der einstige Plan, die Jahnwiese einer baulichen Nutzung zuzuführen. Gibt es hier etwas Neues?

Geron: Es gibt keinen Beschluss, die Wiese anderweitig zu nutzen. Der neue Stadtentwicklungsausschuss wird sich aber sicherlich mit dem Areal zu beschäftigen haben. Man kann alles lassen, wie es ist. Denkbar sind natürlich eine Bebauung oder auch ein vernünftig gestalteter Parkplatz, den wir für die Innenstadt ohnehin dringend brauchen.

Es gibt Pläne zur Neugestaltung des Ahrufers unweit des Rick-Geländes. Wasserbüffel sollen dort weiden können......

Geron: Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord hat als obere Landesbehörde die Ansiedlung von Wasserbüffeln angeregt. Sie haben als Zeitung ja darüber berichtet. Wir glauben auch, dass mit einer solchen Maßnahme eine Attraktivitätssteigerung für den Bereich der Ahrmündung erfolgen kann. Auch möchten wir das Landesprogramm „Tourismus für Alle“ weiter verfolgen. Bedeutet: Wir möchten barrierefreie Pfade an der Ahr, vielleicht mit kleinen Aussichtspunkten auf die Wasserbüffel, schaffen. Unabhängig davon möchte ich gerne erreichen, dass der vorhandene Radweg näher in Richtung Rhein durch das Ahrmündungsgebiet geführt wird.

Im Sinziger Ortsteil Westum musste nun ein riesiges, mit Ferienhäusern bestücktes Areal geräumt werden. Die Häuser sollen größtenteils ohne jegliche Genehmigung und ohne Beachtung von Brandschutzvorschriften errichtet worden sein. Bis Ende August muss die große Fläche nun frei sein, was kaum zu schaffen sein dürfte. Was geschieht dort? Gibt es für das Areal Neubauabsichten?

Geron: Es gibt dort keine städtischen Planungen. Der Bebauungsplan weist für das Areal einen Campingplatz aus, der Flächennutzungsplan eine Grünfläche mit Zeltplatz. Was dort geschieht, ist nicht Angelegenheit der Stadt Sinzig. Nach dem derzeitigen Planungsstand ist jedenfalls keine Wohnbebauung auf dem fraglichen Gelände möglich.

Lange hat man sich im Stadtrat mit der durch Ihren Vorgänger Wolfgang Kroeger ausgelösten „Dienstwagenaffäre“ beschäftigt. Hinzu kamen ja noch einige von Kroeger-Gegnern titulierte „Arbeitsrechts-Affären“. Nun ist es auffallend ruhig um diese Themenkomplexe geworden. Ist alles erledigt?

Geron: Zu den arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen ist zu sagen, dass ein Verfahren mit einem Vergleich endete, ein weiteres Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Ich befinde mich dort jedoch in Vergleichsverhandlungen.

Und die „Dienstwagen-Affäre“?

Geron: Dazu kann ich nichts sagen. Hier ist die Staatsanwaltschaft Herr des Verfahrens. Ich habe nichts mehr davon gehört.