Sinziger Pläne für Einzelhandel

Remagen wehrt sich gegen geplantes Einkaufszentrum

Das Rick-Gelände in Sinzig soll als neues Nahversorgungszentrum genutzt werden. Aldi, Rossmann und Edeka wollen dort bauen.

Das Rick-Gelände in Sinzig soll als neues Nahversorgungszentrum genutzt werden. Aldi, Rossmann und Edeka wollen dort bauen.

Sinzig/Remagen. Das von Sinzig geplante Nahversorgungsareal auf dem ehemaligen Rick-Gelände erhitzt in der Nachbarstadt Remagen die Gemüter.

Gleich drei Ausschüsse der Stadt Sinzig werden sich am kommenden Mittwoch mit dem Einzelhandels- und Zentrenkonzept beschäftigen, das zukunftsweisende Wirkung haben wird. Dabei spielt auch die beschlossene Schaffung eines neuen Nahversorgungszentrums auf der Industriebrache des ehemaligen Rick-Geländes im Innenstadtbereich eine nicht unwesentliche Rolle.

Insbesondere die Nachbarstadt Remagen wehrt sich massiv gegen das Vorhaben, da die Römerstadt Kaufkraftabflüsse befürchtet. Deren Einwände werden jedoch von der Stadt Sinzig deutlich zurückgewiesen. Einmal mehr zeigt sich, in welcher Wettbewerbssituation sich die Städte befinden.

Auf 125 Seiten hat sich die „bds Kommunalberatung“ aus Münster in ihrem Strukturgutachten mit den Einkaufsmöglichkeiten und Einzelhandelsperspektiven in Sinzig auseinandergesetzt. Ziel der gutachterlichen Untersuchung und des Einzelhandelskonzeptes sind der Schutz und die Stärkung zentraler Versorgungsbereiche. Kurzum: Die verbrauchernahe Versorgung soll gemeindeverträglich gesichert und gefördert werden.

Standortmerkmale in Sinzig

Dabei wird zunächst eine Angebotsanalyse auf der Basis der Standortmerkmale des Sinziger Einzelhandels ermittelt. Dessen Umsatz liegt bei rund 93 Millionen Euro bei einer vorhandenen Kaufkraft von 97,3 Millionen Euro. Der sogenannte Zentralitätswert, der aus Umsatz- und Kaufkraftkennziffer ermittelt wird, ist mit 96 unterdurchschnittlich. Werte über 100 Prozent bedeuten einen Kaufkraftzufluss von außerhalb, Werte darunter lassen auf Kaufkraftabflüsse in andere Städte schließen.

85 gemeldete Einzelhändler bringen es in Sinzig gemeinsam auf eine Verkaufsfläche von 30 300 Quadratmetern, was rein statistisch pro Betrieb 356 Quadratmeter ausmacht. Gerade diese Zahl muss jedoch stark relativiert werden, denn alleine drei flächengroße Einzelhändler stellen bereits knapp 36 Prozent dieser Gesamtfläche. Tatsächlich ist im Sinziger Zentrum kaum ein Laden größer als 100 Quadratmeter.

Die Gutachter sehen in der Schaffung eines neuen Nahversorgungszentrums auf dem Rick-Gelände positive Effekte. Denn: Die Zentralität von Sinzig und Remagen zusammen erhöhe sich durch das Vorhaben von 96 auf 105,4 Prozent, sodass eine „für den Mittelbereich Sinzig/Remagen angemessene, aber auch ausreichende Bedarfsdeckung dauerhaft gewährleistet werden kann“, so die Gutachter.

Remagen hat Probleme bei der Grundversorgung

Zumal Remagen bei der Grundversorgung der eigenen Bevölkerung ein beträchtliches Defizit aufweise, das im aktuellen Einzelhandels- und Zentrenkonzept für die Stadt Remagen mit der Diskrepanz von 43,3 Millionen Euro Kaufkraft und 32 Millionen Euro Umsatz vor Ort, mit satten 11,3 Millionen beziffert wurde (Nahrungs- und Genussmittel). Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft wird im Remagener Einzelhandelskonzept übrigens mit rund 97 Millionen Euro angegeben.

Ohnehin werde schon jetzt alleine bei „Kaufland“ in Sinzig 16 Prozent des Umsatzes durch Remagener Bürger generiert, teilte die Sinziger Stadtverwaltung mit. Eine Zahl, die in Remagen angezweifelt wird. Ohnehin hat man in einer umfangreichen Stellungnahme deutlich werden lassen, was man vom neuen Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Nachbarstadt Sinzig hält: nichts. Was durch den wenig freundlichen Hinweis, das Konzept weise außerdem „inhaltliche und methodische Mängel auf“, nur erhärtet wird.

Allerdings wird im Gegenzug die Stadt Remagen darauf aufmerksam gemacht, dass es dort in jüngster Vergangenheit zu Verkaufsflächenverlusten gekommen ist, nachdem insbesondere „Kaiser's“ seinen Innenstadtmarkt sowie in Kripp ein kleinerer Lebensmittelhandel („Edeka Nahkauf“) geschlossen haben. Es habe eine qualitative Verschlechterung des Angebotes gegeben, so die Gutachter.

Der Status quo in Bezug auf die Grundversorgung im Gebiet der Stadt Remagen werde mittelfristig bestenfalls gehalten werden können, eher werde er sich jedoch verschlechtern.

Wie berichtet, möchte sich der derzeit am Sinziger Stadtrand nahe der Grenze zu Remagen angesiedelte Aldi-Discountermarkt nebst dem Drogisten Rossmann und einem Getränkemarkt näher in Richtung Innenstadt orientieren. Ein ortsansässiger Edeka-Markt kann an seinem vorhandenen Standort nicht expandieren und ist somit in seiner Konkurrenzfähigkeit zu „Kaufland“ und „Rewe“ stark eingeschränkt. Gemeinsam wollen sie das neue Nahversorgungszentrum bestücken und die derzeitigen Standorte verlassen. Es käme also lediglich zu Verschiebungen, nicht zu Neuansiedlungen und somit neuer zusätzlicher Konkurrenz. Damit wären im Zentrumsbereich drei Versorgungszentren fußläufig gut zu erreichen: Rewe am südwestlichen Ortsausgang in Richtung Königsfeld, Kaufland/Penny im Osten der Stadt und Aldi/Edeka im nördlichen Bereich der Kernstadt, die selbst von kleinen Geschäften und vielfältiger Gastronomie geprägt ist. Die Leerstandsquote ist vergleichsweise gering.

Die Remagener Aufregung versteht man in Sinzig kaum. Schließlich hatten die Gutachter doch festgehalten: „Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten und der besonderen Versorgungsschwäche im am Sinzig angrenzenden Remagener Ortsteil Kripp erfolgt ein Großteil der Grundversorgung der Remagener Bevölkerung seit Jahrzehnten in Sinzig. Daran wird sich auch nichts ändern.“ Warum nun so gegen das Faktische geschossen werde, sei schon sehr unverständlich, meinte ein Sinziger Ratsmitglied zum GA.