Nürburgring

Ossi Kragl bietet auf der Nordschleife eine rasante Taxi-Fahrt

NÜRBURGRING. "Hallo Taxi!", hieß es 1958 bei Hans Moser, als sein Freund Paul Hörbiger einfach seine Wiener Droschke gegen ein schnödes Taxi getauscht hatte, was für mächtig Ärger sorgte. "Hallo Taxi!", heißt es auch auf dem Nürburgring bei Ossi Kragl.

Wer allerdings denkt, dabei gehe es um Wiener Schmäh, beschauliche Gemütlichkeit oder eine Fahrt im hell-elfenbeinfarbenen Gefährt, der liegt ziemlich falsch. Statt dessen geht es mit dem "Taxi" nämlich mit 300 Stundenkilometern über die Nordschleife. Anschnallen ist angesagt.

Seit 25 Jahren gibt es die "Ring-Taxis" am Nürburgring. Ob mit einem 211 PS starken Mini John Cooper Works oder einem Porsche 911 GT3, der seine Gäste mit 415 Pferdestärken und bis zu 310 Stundenkilometern über die Piste trägt - Ossi Kragl lädt Wagemutige zur munteren und vor allem flotten Fahrt ein.

Gleich an der Zufahrt zur Nordschleife befindet sich "Devil's Diner", ein Gastrobetrieb, dessen Name einen kleinen Vorgeschmack liefert, was auf denjenigen wartet, der sich auf die zügige Rundfahrt einlässt. In der Regel hat die Kundschaft vorgebucht. Oft sind es Unternehmen, die ihren Mitarbeitern oder Kunden einen kleinen Nervenkitzel bescheren wollen, oft sind es Ehefrauen, die ihren Männern die rasante Tour über die knapp 21 Kilometer lange Strecke schenken, die dann im High-Speed-Renntempo absolviert wird.

Und weil der Spaß - je nach Fahrer - nach acht oder neun Minuten beendet ist und man vor lauter vorbeifliegenden Bäumen, auf sich zurasenden Leitplanken, vorüberhuschenden Streckenmarkierungen, nur für hundertstel Sekunden wahrnehmbaren Zuschauern, den in den 77 Kurven wirkenden Fliehkräften und der in der Seitenablage festgekrallten, schweißnassen Hand die Konzentration der Sinneskräfte des ein oder anderen leicht überfordern könnte, bekommt man die gebuchte Fahrt auf DVD aufgezeichnet. Im heimischen Wohnzimmer kann man dann - am besten in Slow Motion - noch einmal die Runde auf sich wirken lassen.

Der gebürtige Mönchengladbacher Kragl ist seit 1999 am Nürburgring angesiedelt. Er wohnt einen Steinwurf von der Strecke entfernt. Das Dröhnen der Motoren ist dort sein ständiger Begleiter. Längst hat er sich an die permanente Geräuschkulisse vor seiner Haustüre gewöhnt. Sie stört ihn nicht, weil Kragl selbst Benzin im Blut hat. Sein erstes Gefährt war ein für 20 Mark von einem Bauern abgekauftes NSU-Moped, auf vier Rädern war er erstmals mit einem Seat 133 unterwegs.

Nicht gerade Fahrzeuge, die einen Faible für den Rennsport erkennen lassen. Das änderte sich aber mit dem Kauf eines BMW 2002 im Jahre 1982. "Den habe ich dann recht schnell aufs Dach gelegt", erinnert sich der gelernte Kfz-Mechaniker, der später Maschinenbau und BWL studierte und bei BMW in die Welt des Automotorsports schnupperte. Seither ist er in dieser Welt zu Hause. Nicht nur als aktiver Rennfahrer und Ring-Taxi-Betreiber. Vielmehr ist Ossi Kragl Inhaber der OK Speed Marketing GmbH, ein Unternehmen, das in und an der Peripherie des Rennsports vielfältig tätig ist.

Vier Profi-Rennfahrer sind bei ihm beschäftigt. "Sie müssen sich nichts mehr beweisen, sie fahren sehr verantwortungsvoll und souverän", lobt Kragl das Können seiner Piloten. Auf der Rennstrecke kennen sie jeden Quadratzentimeter Asphalt.

Sie fahren die Taxis nicht nur auf Deutschlands legendärster Rennstrecke, sondern auch in Spa-Francorchamps. Für Kragl war die belgische Formel-1-Piste Ausweichort, als die vorübergehenden Nürburgring-Betreiber ihm nach eigenem Bekunden den Zutritt zum Ring verwehrten, da sie das "Taxi-Geschäft" lieber selber machen wollten. Das gehört nun der Vergangenheit an. Kragl: "Gott sei Dank. Mein Geschäft hing am seidenen Faden."

Seither sorgt Kragl wieder "für Bespaßung" am Nürburgring. Er selbst ist dann auch mal mit Top-Speed 330 km/h mit einem Mc Laren unterwegs oder lenkt einen Porsche Carrera durch die Grüne Hölle der Eifel. Heute wird Ossi Kragl übrigens 50 Jahre alt. Vielleicht fährt er dann zum Segeln, seiner zweiten Leidenschaft. Auch wenn er dann nur neun Knoten "schnell" sein wird. Ob im Rennwagen oder auf dem Segelboot: Überholt hat Ossi Kragl sich selbst noch nicht. Es gelingt ihm stets, sich schleunigst zu entschleunigen.