Theater in Bad Breisig

Neues Theaterstück auf der Kulturbühne

Dem Paar in der Krise, gespielt von Sascha Tiwi und Annika Woyda, will der Ehetherapeut helfen.

Dem Paar in der Krise, gespielt von Sascha Tiwi und Annika Woyda, will der Ehetherapeut helfen.

BAD BREISIG. Das Theater am Ehrenbreitstein bringt „Die Wunderübung“ auf Bad Breisigs Kulturbühne. Es geht um eine Therapeutenpraxis und ein Ehepaar, welches versucht seine Ehe zu retten.

Geschult und geschmeidig bemüht sich Paartherapeut Harald, (Simon Avisio) auf Bad Breisigs Kulturbühne um seine Klienten. „Ich werde mein Möglichstes tun, Ihnen zu helfen, klarer zu erkennen, was es ist, was Sie wollen – was jeder einzelne für sich will, aber vor allem, was Sie gemeinsam wollen.“ Ganz in Weiß, strahlt er etwas Klinisches, zugleich Geläutertes aus. Ein Heilsbringer? Als Profi belässt er die Verantwortung bei den Betroffenen.

Joana (Annika Woyda) und Valentin (Sascha Tiwi) dagegen stecken in einer verfahrenen Beziehung. Der Ehe- und Familienalltag mit zwei Kindern hat sie zermürbt. Sie wissen nicht mehr weiter in der Krise. Obgleich ermüdet durch angehäufte Kränkungen und Unverstandensein, vergeuden sie ihre Restenergie in Vorwürfen, so zu erleben bei der Paartherapie-Sitzung im Jugend- und Kulturbahnhof Bad Breisig. Regisseur Gabriel Dias hat „Die Wunderübung“, ein Stück von Daniel Glattauer, für das „Theater am Ehrenbreitstein“ inszeniert, mitsamt fiesem Kleinkrieg, dessen Kontrahenten zur Erheiterung des Publikums ihre geschlechtskonformen Rollen so perfekt beherrschen.

Er wirkt einsilbig, verstockt, resigniert, um Worte verlegen. Sie hört gar nicht mehr auf zu reden, ist laut, schrill, macht ihn nieder: „Mein Mann hat sich nichts vorgestellt. Er will nicht reden und er will nicht üben.“ Zerknirscht lassen sich die beiden auf Rollenspiele und Paarübungen ein, nur um sich dann doch wieder erbost zu beharken. Was wäre für den Partner das ideale Beratungsergebnis, fragt der Therapeut den jeweils anderen. „Dass er unfehlbar ist“, ätzt Joana. „Dass ich der allein Schuldige bin und auf den Knien um Entschuldigung bitte“, kontert Valentin. Und was schätzen die Zerstrittenen aneinander? Mühsam bringt er vor: Sie ist klug und tüchtig, wie sie den Beruf – sie ist Historikerin, später wird er sagen „Hysterikerin“ – Haushalt und die beiden Kinder unter einen Hut bringt. Sie, die seinen Posten in der Flugindustrie, „Technischer Direktor“, nicht flüssig benennen kann, sagt anerkennend: „Er ist ein Realist und Minimalist.“ Gleich drauf benehmen sich die beiden wieder grässlich.

Blinde Verzweiflung ist zu erahnen

Die Zuschauer erahnen hinter der Peinlichkeit die blinde Verzweiflung. Die Eheleute bewegen sich zwar routiniert durch den Irrgarten ihrer selbst eingerichteten Hölle. Aber den Ausgang finden sie nicht.

Kaum, dass es zu einer zarten Annäherung kommt, brechen sich alte Bitterkeiten Bahn: dieser „Ausrutscher“ mit einer Brigitte und Joannas Geschichte mit Guido. Dabei hatten sie vor 17 Jahren ihren wunderbaren Start, damals im Tauchurlaub in Ägypten. „Wir hätten nie auftauchen sollen“, klagt Joana. Nun hilft auch kein inneres Kino weiter, das beschwört, wie alles gut werden könnte. Pause also im Stück und in der Aufführung.

Danach nimmt das Geschehen in der Therapeutenpraxis, die zur Kampfarena der Zerstrittenen avancierte, eine überraschende Wendung. Berater Harald wird selbst verlassen. Als er konfus und niedergeschlagen in die Sitzung zurückkehrt und fragt: „Warum trennen Sie sich eigentlich nicht?“, findet das Ehepaar zu neuer Gemeinsamkeit.

Staunend verfolgen die Theaterbesucher in Bad Breisig, wie das Problempaar nun seinerseits den Therapeuten beraten will und mit Verve Einsichten vom Zauber der Beziehungen preisgibt: „Lieber dreimal verglühen, als einmal erfrieren.“ Ein Kunstgriff des Therapeuten ist es, den einst glücklichen Tauchern zu Oberwasser zu verhelfen.