Als die Scheiterhaufen brannten

Mythos und Wirklichkeit

Ein dunkles Thema, von der Abendsonne erhellt: Sarah Kasper-Brötz widmete sich beim Turmgespräch im Sinziger Schloss der Hexenverfolgung. FOTO: GINZLER

Ein dunkles Thema, von der Abendsonne erhellt: Sarah Kasper-Brötz widmete sich beim Turmgespräch im Sinziger Schloss der Hexenverfolgung.

SINZIG. Sarah Kasper-Brötz sprach im Sinziger Schloss über das Thema Hexenverfolgung.

Der Ritt in der Walpurgisnacht zum Tanzplatz, Bibi Blocksberg oder die böse Hexe aus dem Märchen - wie lässt sich jenseits populärer Bilder das große historische Themenfeld Hexerei strukturieren?

Sarah Kasper-Brötz, die beim Turmgespräch des Denkmalvereins über "Hexen - Mythos und Wirklichkeit eines sozialen Phänomens" sprach, dabei maßgeblich auf Gerhard Knolls Buch "Hexenjagd: Hexenverfolgung im Kreis Ahrweiler 1500-1660" gestützt, hatte den Dreh raus. Die Historikerin im Vereinsvorstand wählte gängige Vorurteile, entlang derer sie die umfangreiche Materie entwirrte.

Viele meinen, die katholische Kirche sei für den Hexenglauben und die Verfolgungen verantwortlich, Hexen seien aus religiösen Gründen gehetzt worden, es handele sich immer um Frauen, die Prozesse seien willkürlich gewesen und gehörten ins Mittelalter.

Doch konnte die Referentin all dies als falsch oder grob vereinfachend enttarnen. Der Glaube an Hexen ist sehr alt und stellt eine Vermischung verschiedener vorchristlicher und christlicher Vorstellungen dar. Im Mittelalter wurde Hexerei weitgehend toleriert und nur der Schadenszauber bekämpft.

Erst als sich im 13. Jahrhundert die Auffassung durchsetzte, Hexerei könne es nur mithilfe des Teufels geben, und 1320 Papst Johannes XXII. erlaubte, die Inquisition von Ketzern auch auf die Hexen auszudehnen, begann die systematische Verfolgung. Von der Schweiz griff sie an der Schwelle zur Neuzeit 1446/47 in Heidelberg auf Deutschland über. 1468 ließ Papst Paul II. die Folter bei Prozessen zu.

Der 1486 erschienene "Hexenhammer", ein Buch des Dominikaners und Inquisitors Heinrich Kramer zur Legitimierung und Anleitung von Hexenprozessen, verstärkte die Hysterie.

Für die Hochzeit der Verfolgungen in Deutschland zwischen 1560 und 1660, speziell die dritte Verfolgungswelle (1585 bis 1630), fand Kasper-Brötz auch Belege in hiesiger Region. So raffte das "Große Brennen" zwischen 1628 und 1639 in Ahrweiler 30 Menschenleben hin, "mehr als die Hälfte der Hinrichtungen in 150 Jahren".

Im Schreckensjahr 1629 starben in Altenahr zehn Personen und auch in Brück, Altenburg, Hönningen, Kesseling, Kreuzberg und Pützfeld brannten die Scheiterhaufen besonders häufig. Religiöse Vorstellungen wirkten mit. Doch zur Zeit der Massenverfolgungen, auch die Zeit der Reformation, kam vieles zusammen. Für eine rasch gewachsene Bevölkerung herrschte Nahrungsknappheit und folglich Teuerung, was die Schere zwischen Arm und Reich vertiefte.

Das Klima kühlte ab und Missernten während dieser "Kleinen Eiszeit" verursachten Hunger, Krankheiten und Seuchen. Die Menschen konnten sich das Unglück nicht anders als durch Hexen und teuflische Mächte erklären.

Daher ging die Verfolgung nur teilweise von der Kirche oder der weltlichen Obrigkeit aus. Oft kamen die Impulse direkt aus der Bevölkerung. Oft, so in Königsfeld, Ahrweiler oder Kempenich, bildete man Ausschüsse, um Hexen aufzuspüren.

Im Prozess galt es, ihnen fünf Merkmale nachzuweisen: den Hexenflug, das Treffen mit dem Teufel und anderen Hexen auf dem "Hexensabbat", den Pakt mit dem Teufel, den Geschlechtsverkehr mit ihm und den Schadenzauber. Da das System auf dem Denunziantentum basierte, gingen ihm die Verdächtigen nicht aus. Die Angeklagten wurden bedrängt, andere Hexen zu benennen.

Maria Neliß aus Green oder Lohrsdorf war von zwei hingerichteten Frauen als Hexe besagt worden, als sie 1553 vor Gericht stand. Nach der Folter gestand die Mutter von sieben Kindern, was man von ihr hören wollte.

Sie widerrief, gestand erneut unter der Folter und bezichtigte schließlich vier Männer und acht Frauen, beim Hexentanz dabei gewesen zu sein.