"Verzällche üs minge Zitt"

Mundartabend in Dernau überzeugt auch in der achten Ausgabe

Franz Kreuzberg ließ die Gäste Begriffe raten.

Franz Kreuzberg ließ die Gäste Begriffe raten.

DERNAU. Der achte Mundartabend auf Dernauer Platt überzeugte als "Verzällches-Owend" wieder die Besucher im voll besetzten Bürgerhaus.

„Ein Frauenbein im Bett ist wärmer als eine ganze Fuhre aufgeheizter Ziegelsteine.“ Das war am Freitagabend beim achten Mundartabend im Dernauer Bürgerhaus von Karl Kreuzberg zu erfahren. Seine Rede in Dernauer Platt stand unter dem Titel „Verzällche üs minge Zitt“.

Einen ganzen Abend lang ging es um Eingemachtes aus dem großen Weindorf, um Erinnerungen an einst. So richtig genießen konnten die Vorträge allerdings nur Dernauer, die dieser speziellen Sprache mächtig sind. Die hatten viel zu lachen in dem großen Saal, in dem kein Platz leer geblieben war. Organisiert werden die Mundartabende von Ingrid Näkel-Surges und dem früheren Bürgermeister Manfred Wolff. Der erinnerte an die erste Erwähnung Dernaus im Prümer Urbar im Jahre 893. Darum feiert das Weindorf in diesem Jahr 1125-jähriges Bestehen, nachdem schon 1993 ganz groß das 1100-Jährige gefeiert worden ist.

Gleichzeitig soll das 25-jährige Bestehen des Bürgerhauses gefeiert werden, das den zahlreichen Vereinen, von den Möhnen und Funken bis zu den Gesangs- und Theatervereine Platz für die Gestaltung ihrer Aktivitäten gibt. Mit dem „Verzällches-Owend“ solle nicht nur der Fortbestand des Dernauer Platts, sondern auch die Erinnerung an das Dorf, wie es früher war, erhalten bleiben, sagte Wolff.

Dazu gab es viele Beispiele, so im Beitrag von Dieter Koll über Transportgeräte – von der „Düka“ bis zum „Trecke“. Dazu gehört auch ein Gerät auf Rädern unter dem Namen „Damenschoner“. Es befreite die Frauen davon, die Last auf dem Kopf zu tragen.

Mit auf der Rednerliste unter anderem Franz Kreuzberg, der die Gäste Begriffe raten ließ, aber auch das Dernauer Weintrio, Alisa Heimermann mit den Prinzessinnen Eva Ley und Michelle Harrichhausen. Die drei berichteten, natürlich auf Platt, warum sie zusammen die Aufgabe für ihren Heimatort übernommen haben. „Wir waren schon als Kinder befreundet“, berichtete die Majestät, bei der zu Hause Platt gesprochen wird. Sie hätten bei den Funken gemeinsam getanzt, im Altenahrer Blasorchester gemeinsam gespielt und seien noch alle im Theaterverein. Darum wollten sie das Amtsjahr miteinander teilen.

Dieter Vilz, gebürtiger Grafschafter, berichtete über die Schwierigkeit beim Freien um seine Marlies in Dernau. Marlies Vilz erzählte in ihrem Vortrag „De Komp“ haarsträubende Geschichten um den Gebrauch der einen großen Vielzweck-Schüssel, die es wohl in jedem Haushalt gab.

Interessant war der Vortrag von Rita Gieler unter dem Titel „De Versorjung fröhte in Dearne“. In der Gemeinde lebten zwischen 1960 und 1980 etwa 1600 Menschen. Es gab mehrere Lebensmittellläden, ein Milchgeschäft, je zwei Bäckereien, Metzgereien, Schuhläden und Schlossereien. Man konnte Blumen, Malermaterial, Elektrogeräte und Kohle kaufen. Eine Post war im Dorf, Bankfilialen, Schneidereien, eine Lampenfabrik, eine Wäschemangel, zwei Friseure, Polsterei, Dachdecker, Sägewerk, Tankstelle,Taxi. Außerdem kamen „fliegende Händler“ ins Dorf.

In einem Video waren noch einmal Walter Kreuzberg und seine Frau Irmgard mit der Gitarrengruppe zu erleben. Der Kirchenchor bereicherte den Abend mit Kölschrock, einer Umdichtung auf den Bläck-Fööss-Hit „Du bös die Stadt“ und dem „Gefangenenchor“ nach der Oper Nabucco. Der Gesangverein war dabei, und am Ende besangen alle ihr Dernau und seinen Wein „op Platt“.