Kirchbauverein St. Peter Sinzig

Mumie unter Riemchen

Die mumifizierte Leiche von Johann Wilhelm von Holbach, dem ehemaligen Vogt von Sinzig, liegt in der Taufkapelle unter Glas.

Die mumifizierte Leiche von Johann Wilhelm von Holbach, dem ehemaligen Vogt von Sinzig, liegt in der Taufkapelle unter Glas.

SINZIG. Rückschau auf die aufwendige Sanierung der Südportale und Vorschau auf zukünftige Projekte hielt der Kirchbauverein St. Peter bei der Hauptversammlung im katholischen Pfarrheim. Auch signalisierten die Anwesenden Zustimmung zur Mitfinanzierung der dringend notwendigen und geschätzt 400 000 Euro teuren Sanierung der Walcker-Orgel.

Dagegen muss die anstehende Umbettung des Sinziger Vogtes ohne Zuschüsse des Vereins auskommen. Diesen einstimmigen Beschluss des Vorstandes teilte der Vorsitzende Stephan Pauly der teils überraschten Versammlung mit.

Heute ruht die mumifizierte Leiche – es ist Johann Wilhelm von Holbach, bis 1691 Vogt in Sinzig, wie Pauly vor Jahren herausfand – unter Glas in der Taufkapelle der Kirche. Um 1700 schwamm der Körper nach einem Wolkenbruch unverwest in der Gruft der Magdalena-Kapelle bei der Kirche Sankt Peter, ein Zustand, der die Menschen damals erstaunte und nicht nur zu wild wuchernder Mythenbildung führte. Nach seinem Tod war er mal Spielball für rüden Schabernack, mal Objekt andächtiger Verehrung. Als Beutekunst der französischen Revolution wurde er 1779 nach Paris entführt, kehrte aber 1815, triumphal empfangen, nach Sinzig zurück.

Seit drei Jahren gibt es Überlegungen, den Verstorbenen nicht länger als Kuriosum bloßzustellen, sondern würdig zu bestatten. Nach vielen Sitzungen vereinbarten die kirchlichen Gremien vor Ort und in Trier, den Vogt innerhalb der Kirche in die Marienkapelle umzubetten. Die zu schaffende Grablege sollte eine Teilansichtigkeit gewährleisten. Damit hatte sich die Diözesanbaukommission weit zu den Sinziger Auffassungen hinbewegt, erläuterte Dechant Achim Thieser. Ursprünglich wollte sie den Vogt auf dem Friedhof beerdigen.

„Der Entscheidungsprozess war lange einvernehmlich“, anerkannte Pauly. Zur Verstimmung kam es, als Trier dem Verein jede weitere Einflussnahme aufkündigte, nachdem dieser keinen Entwurf vorlegte. Der Kirchbauverein musste diese Chance fahren lassen, da der vom ihm mit dem Entwurf beauftragte Kölner Bildhauer Michael Streuff erst spät mitteilte, er könne die Vorstellungen nicht umsetzen. „Wenn ich im Detail nicht mitbestimmen kann, will ich auch nicht bezahlen“, unterstrich Pauly die Haltung des Vorstandes.

Pfarrgemeinderat und Pfarrverwaltungsrat haben einstimmig für einen Entwurf des Bistumsarchitekten Thomas von der Stein votiert. Danach wird der Vogt seine ewige Ruhe unbeleuchtet in einem Stahlsarkophag mit Glasplatte finden. Ein Eisengeflecht unterschiedlich dicht verschränkter Riemchen lässt Durchblicke etwa auf die Brust zu und verhindert sie im Kopf- und Schambereich, wie Thieser ausführte. Weihbischof Jörg Michael Peters plant als Vorsitzender der Diözesanbaukommission die Fertigstellung der neuen Grablegung noch für 2017, dem Jubiläumsjahr zum 750-jährigen Bestehen der Stadt Sinzig.