Sinziger Bürgerinitiative

Initiative will Wohngebiet statt Einkaufsmarkt

Das ehemalige Beton-Werk Rick soll Standort für das Nahversorgungszentrum werden. DROHNENFOTO: GAUSMANN

Das ehemalige Beton-Werk Rick soll Standort für das Nahversorgungszentrum werden.

SINZIG. Die gegen eine verbesserte Nahversorgung agierende Bürgerinitiative "Wir lieben Sinzig" hat in den vergangenen Tagen eifrig Unterschriften gesammelt. Das veranlasst die Initiatoren zu dem Fazit: "In Sinzig stößt die Planung der Stadt auf große Ablehnung. Das belegen mehr als 1500 Unterschriften, die gesammelt wurden."

Wie berichtet, soll die Industriebrache "Rick-Gelände" umgewandelt werden: Ein Edekamarkt, Aldi und Rossmann wollen sich dort ansiedeln. Die Initiative befürchtet ein verstärktes Verkehrsaufkommen. Von einer "unzumutbaren Belastung für die Bürger" ist die Rede.

Besonders kritisch sei die wirtschaftliche Notwendigkeit des Nahversorgungszentrums für die Stadt zu hinterfragen, "denn bislang entfallen nur drei Prozent der Gewerbesteuereinnahmen auf die Nahversorger". Nach den geplanten Neubauten würde dieser Anteil noch geringer, da der Aufwand dann "über die nächsten 15 Jahre abgeschrieben" werden könne.

9000 Fahrzeugbewegungen pro Tag erwartet die Bürgerinitiative - eine "unzumutbare Belastung für Bürger, Anwohner sowie Kindergarten- und Schulkinder".

Vielmehr sollte nach Meinung der Initiative die Chance genutzt werden, mit einer Wohnbebauung die vorhandene Struktur des ganzen Gebietes an den Schulen und Kindergärten weiter aufzuwerten. Wünschenswert sei eine umweltverträgliche Nutzung des Areals direkt an der Ahr, das die Belange der Naherholung mit Wanderweg und Radwanderweg berücksichtige.

Auch ging die Initiative auf die verschiedenen Varianten zur Erschließung des neuen Nahversorgungszentrums ein. "Die geplante Beseitigung des vorhandenen Wohngebietes an der Albert-Schweitzer-Straße zerstört auch besonders für die jetzigen Eigentümer von Einfamilienhäusern das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Planung der Stadt. Sie haben vor Jahren ihre Grundstücke in dem begründeten Vertrauen bebaut, dass dort die Wohnbebauung bestehen bleibt."

Dass der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung und Beratung die 1500 Unterschriften gegen das Nahversorgungszentrum ignorierte habe, sei "bedauerlich". Ohne auf die Unterschriftenliste weiter einzugehen, sei fünf Minuten nach dem Wortbeitrag der Bürgerinitiative mehrheitlich der Planaufstellungsbeschluss zugunsten des Projekts gefasst worden, bedauert die Initiative.

Sehr viele personelle und finanzielle Ressourcen würden nun eingesetzt, um ein Projekt zu planen, "das städtebaulich und bauplanungsrechtlich nicht vertretbar ist und von sehr vielen Bürgern abgelehnt wird". Es müssten 85 Träger öffentlicher Belange beteiligt sowie Gutachten angefertigt werden - ein im Zuge von Bauleitplanungen allerdings übliches und notwendiges Verfahren. "Gutachten können jedoch nicht widerspiegeln, was die Bürger denken", meint die Initiative.

Es gehe nicht nur um die Frage, ob ein solches Einkaufszentrum an dieser Stelle rechtlich möglich, sondern darum, ob es sinnvoll sei.

"Wir hoffen, dass der Stadtrat bei der nächsten Entscheidung im Planungsverfahren die Interessen und Bedenken der Bürger stärker im Blick hat", schrieb die Initiative in einer Pressemitteilung. Sie wolle sich weiter für eine wohn- und umweltverträgliche Nutzung des Geländes einsetzen.

Am 24. Juni findet nun um 19 Uhr eine Bürgerinformationsveranstaltung der Initiative im Vereinsheim des Spielmannszugs "Freiweg" statt. Hierzu seien der Landrat, der Bürgermeister, alle Stadtratsmitglieder sowie alle interessierten Bürger eingeladen.