Flüchtlingsheime auf Bestellung

In Fertigbauweise und nach Maß

Die Entstehung von Flüchtlingsunterkünften wurde in Niederzissen demonstriert.

Die Entstehung von Flüchtlingsunterkünften wurde in Niederzissen demonstriert.

NIEDERZISSEN. Der Flüchtlingszustrom der vergangenen Wochen und Monate verursacht in Deutschland eine Kapazitätsgrenze der besonderen Art, weiß der Mainzer Landtagsabgeordnete Gerd Schreiner, finanzpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.

Denn mittlerweile sind die Wohncontainer aus Metall knapp geworden, die von vielen Kommunen gerne als schnell verfügbare Wohnunterkünfte für die Flüchtlinge genutzt werden. "Die Nachfrage ist einfach so groß, dass der Markt praktisch leer gefegt ist, und die letzten Exemplare werden zu einem horrenden Preis angeboten", schüttelt Schreiner den Kopf.

Es müsse etwas getan werden, um dem Wettbewerb wieder Geltung zu verschaffen, so der Christdemokrat. Denn nach wie vor sei es erforderlich, schnelle Lösungen für Flüchtlingsunterkünfte zu finden, was alle Beteiligten vor große Herausforderungen stelle.

Da treffe es sich gut, dass die rheinland-pfälzische Holzwirtschaft in die Bresche springe und sich als wichtiger Partner erweise. Insbesondere die Niederzissener Adams Holz-Fertigbau GmbH könne mit neuen Ideen aufwarten.

Flüchtlingsunterkünfte in Holztafelbauweise

Bei einem Ortstermin im mittelständischen Unternehmen mit seinen 65 Mitarbeiter, dem zweitgrößten Holzbauunternehmen in Rheinland-Pfalz, erläuterte der geschäftsführende Gesellschafter Reinhard Adams dem CDU-Landtagsabgeordneten und seinen beiden Kollegen Guido Ernst und Horst Gies sowie dem ersten Beigeordneten der Verbandsgemeinde Brohltal, Richard Keuler (CDU), seine Idee.

"Wir bieten Flüchtlingsunterkünfte in Holztafelbauweise an, die ähnlich wie ein ganz normales Wohnhaus in jeder gewünschten Größe und Ausstattung hergestellt werden können, und das in überaus kurzer Zeit", berichtete Adams.

Dass auch der Preis - je nach Ausstattung zwischen 1100 bis 1300 Euro pro Quadratmeter - zudem durchaus konkurrenzfähig ist, hat er mittlerweile schon erfahren. Denn in Nordrhein-Westfalen hat Adams bereits von vier Kommunen den Auftrag erhalten, Flüchtlingsunterkünfte in dieser Holztafelbauweise zu erstellen.

In Pulheim, Elsdorf und Niederkassel werden demnächst Flüchtlingswohnheime vom "System Adams" errichtet, in Essen kommt die Mensa eines Erstaufnahmelagers hinzu, die derzeit schon im Bau ist. "Wir haben uns einfach auf die dortigen Ausschreibungen beworben, was sofort auf großes Interesse stieß, und haben letztlich den Zuschlag bekommen."

14 Tage Bauzeit für 64 Plätze

Die Gebäude werden derzeit in der Adams-Werkstatt in Einzelteilen - Wände, Fußböden und Zimmerdecken - hergestellt und mit Hilfe von einem halben Dutzend Handwerksbetrieben aus dem Kreis Ahrweiler schlüsselfertig am Bestimmungsort aufgebaut. Das geht ziemlich fix, denn für eine Flüchtlingsunterkunft für 64 Personen werden gerade mal 14 Tage Bauzeit benötigt.

Optimal geplant, rationell vorgefertigt, schnell gebaut - nun soll das "System Adams" auch in Rheinland-Pfalz eingesetzt werden, das wünschen sich zumindest die drei christdemokratischen Landtagsabgeordneten. Schließlich sei man damit nicht nur flexibler als mit den herkömmlichen Metallcontainern, sondern auch nachhaltiger, denn die Holzgebäude konnten im Anschluss als Flüchtlingsunterkunft weiter genutzt werden, beispielsweise als Vereinsheim, Kindergartenanbau oder ähnliches.

Auch Hannsjörg Pohlmeyer, Projektleiter des Holzbau-Cluster Rheinland-Pfalz, freute sich über die Initiative. Zum einen sei es wichtig, zu zeigen, dass der Holzbau neue Ideen besitze und konkurrenzfähig sei. Zum anderen könne man damit die heimischen Holzbaubetriebe nachhaltig unterstützen, und die Wertschöpfung bleibe in der Region.