Weltenbummlerin

Gerti Gabelt liest in Bad Breisig über Glück und Hoffnung

Gerti Gabelt mit ihrer Neuerscheinung „Frei sollst du sein“.

Gerti Gabelt mit ihrer Neuerscheinung „Frei sollst du sein“.

BAD BREISIG. Autorin Gerti Gabelt verknüpft ihre Kenntnis ferner Länder mit Erzählungen über Glück und Hoffnung. Dass die Psychologische Beraterin aber überhaupt zur Buchautorin geworden ist, ist einem traumatischen Erlebnis geschuldet.

„Schon immer“ liebte sie es zu reisen. Gerti Gabelt war zwölf Mal in Australien, verbrachte zwei Mal vier Monate in Südafrika und längere Zeit in Bangkok. Ihr Antrieb: „Ich wollte aus der Enge heraus“. Seit sieben Jahren wohnt sie mit ihrem Mann in Bad Breisig. Von Oberbreisig zogen sie direkt an den Rhein. „Hier geht immer eine leichte Brise“, sagt sie. Die hilft ein wenig gegen das Fernweh. Denn ginge es nach der jung gebliebenen Neubreisigerin, und machte ihre ganze Familie mit, würde sie „sofort nach Südafrika übersiedeln“. Womöglich nach Kapstadt, wo sie sich so wohl fühlt und wohin ihre jüngste Erzählung „Frei sollst du sein“ mündet.

Doch der Reihe nach. Zwar fließen bei Gabelt Reiselust und Erzählfreude zusammen. Dass aber die Psychologische Beraterin und frühere Verwaltungsangestellte zur Buchautorin wurde, ist einem traumatischen Erlebnis geschuldet.

Im Dezember 2004 gehörten sie und ihr Lebensgefährte zu jenen, die während des Weihnachtsurlaubs am Strand der Insel Phuket, Thailand, den Tsunami erlebten. Abertausende Menschen starben. Die beiden wurden im letzten Moment gerettet. Gerti Gabelt macht die Erinnerung an die Todeswelle bis heute zu schaffen. „Ich schlafe schlecht, aber dann schreibe ich“, erzählt sie. „Aufbauend auf Tagebucheinträgen und Mitteilungen an Angehörige“ begann sie nach dem Tsunami und der langen Zeit im Hospital die Erlebnisse aufzuschreiben. „Ich habe es für meine Kinder, die Familie und mich getan; es hat mir bei der Verarbeitung geholfen“.

Nach dem Erstling „Tsunami erlebt – überlebt“, kam 2016 ihr Buch „Wanda und Wendelin“ heraus, über ein junges Mädchen, das seine große Liebe und sein Kind verliert, aber ins Leben zurückfindet und ihm wiederbegegnet. Auch ihre dritte Veröffentlichung mit dem Titel „Frei sollst du sein – Take Your Time“ nimmt ihren Ausgang bei einer jungen Frau. Ana Sue muss als Älteste ihre Familie unterstützen. Sie gerät laut Klappentext „in den Sog eines Etablissements in Bangkok, aus dem es kein Entkommen gibt.“ Gerti Gabelt hat sich dieser Figur angenommen. An der Sexmeile hat sie es „so schlimm gefunden hat, dass die ganz jungen Mädchen da an den Stangen tanzen.“ Sie kennt den Anblick, weiß um den das Ausgeliefertsein der Sexarbeiterinnen. Ana Sue jedoch lässt sie im Buch entkommen. Auf deren wechselhafte Lebensspur nimmt sie den Leser mit. Zwischen Vertrauen und Enttäuschung, neuen Aufgaben, einer verebbenden und einer aufkeimenden Liebe bewährt sich die Thailänderin und reift zur selbstbewussten Frau heran.

In ihren späten Schreibstunden genießt Gerti Gabelt „die Ruhe, eine besondere Atmosphäre“. Sie ist sich sicher: „Wer einmal mit dem Schreiben angefangen hat, kommt nicht mehr davon los“. Wie sehr dies für sie zutrifft, belegen Überlegungen bereits für ihren nächsten Roman, in dem eine Frau vorkommen wird, die ihren Mann fürchten muss. Dann wird sie wieder erleben, wie nächtens „die Gedanken aufsteigen aus dem Innern und sich formen zur Erzählung“.