Auf dem Kirchplatz

Genuss und Wohlsein beim Stadtfest in Sinzig

SINZIG. Der zehnte Weinsommer bringt die Menschen mit Musik und guten Tropfen zusammen. Beim Stadtfest auf dem Kirchplatz in Sinzig ging es um Genuss und Wohlsein.

„Musik und Wein, das ist fein“ – kichernd reimten die Freundinnen aus Bad Neuenahr am Stehtisch. Doch ernsthaft: Sie trafen voll ins Schwarze. Auch der zehnte Sinziger Weinsommer der Aktivgemeinschaft bescherte den Gästen, zumeist Sinziger, ein Wohlfühlszenario und stellte die Veranstalter zufrieden. Auf dem Kirchplatz zu Füßen der Pfarrkirche Sankt Peter feierten sie den Sommer harmonisch mit Rebensaft und Klang, und das an zwei Abenden hintereinander, wie es seit 2014 der großen Nachfrage wegen praktiziert wird.

Wer hat’s erfunden? Das war 2010 der zwischenzeitlich verstorbene Benno Schneider. An ihn erinnerte der „Lesezeit“-Stand, wo es ebenso wie bei Marie-Louise Genettes „Les Olives“ internationale Weine zum Verkosten gab. In diesem Jahr fiel das Fest am Freitag zusammen mit dem achten Rhein-Meile Open Air der Städtekooperation von Remagen, Sinzig und Bad Breisig, die das Open Air abwechselnd in den Rhein-Meile-Städten ausrichten. Das Duo-Event eröffnete Sinzigs Bürgermeister Andreas Geron, derzeitiger Vorsitzender der Rhein-Meile aktiv, „die sich über 21 Rheinkilometer erstreckt“. Sein Dank galt Harald Monschau für die Organisation und neben dem Vize auch dem Vorsitzenden der Aktivgemeinschaft, Reiner Friedsam. Gleichfalls wurden Hans-Werner Adams und Roland Janik zu ihrem ersten Termin als Beigeordnete begrüßt.

Zwischen lokal und global

Wo Sinzig sich ansiedelt, nämlich zwischen lokal und global, ging den Hunderten von Gästen bald auf. Friedsam erläuterte das große Bühnen-Banner, das für den September die „Wave-Trophy ankündigte, die größte E-Ralley der Welt zu Gast in Sinzig“ und ebenso die Aktion „Heimatshoppen“. Durch sie will der Werbeverein für das Potenzial vor Ort sensibilisieren. Die sich terminlich teils überlagernde „Faire Woche“ dürfte Synergieeffekte einfahren. Ingo Binnewerg trat mit Brigitte Karpstein, beide im Bürgerforum aktiv für die Fairtrade-Stadt Sinzig, mit dem glühenden Appell vors Publikum: „Bitte kaufen sie weiterhin Fairtrade zertifizierte Produkte und helfen Sie so der ganzen Welt.“ Indes widersprach es sich nicht, als Bürgermeister Andreas Geron ermunterte: „Kaufen Sie lokal, die gesamte Infrastruktur Sinzigs steht und fällt mit den Einnahmen der Gewerbesteuer.“

Im Karree von Kirche und Rathaus, ansässiger Gastronomie und Hüttenzauber ging es entspannt und heiter zu. „Ist so heimelig hier“, lobte ein Ehepaar Schmidt aus Bad Breisig. Die Gäste, Oldies, wie junge Leute, ließen sich unter freiem Himmel an mit Sackleinen und Sonnenblumen geschmückten Tischen nieder. Oder sie machten es sich auf den ausgelegten Strohballen gemütlich. Viele hatten sich zum Besuch verabredet. Andere trafen spontan auf Bekannte, wie Peter Schmelter mit Ehefrau Birgit und Freunden aus Rodder, die den Bus als Transportmittel wählten, einmal umsteigen in Niederzissen inklusive. „Das geht und wir können hier entspannt unseren Wein trinken“, so das Fazit.

Wasser gab es einzig bei der Werbegemeinschaft. Das Maranatha Seniorenzentrum hielt Flammkuchen, elsässisch und mediterran, bereit. Doch acht Stände befriedigten die rege Nachfrage nach den edlen Tropfen. „Blanc de Noir trocken, der ist schon weg“, verlautete früh das Ahrweiler Weingut Kriechel. Auch bei den Garagenwinzern von Rech bis Ahrweiler, neu dabei Natalie Richter, gingen überwiegend „die hellen Sachen“, darunter „ein schöner Grauburgunder“.

Die jüngste Winzerin der Ahr

Ähnlich die Lage beim Weingut Emmerich, Leutesdorf, mit der gerade freigesprochenen, jüngsten Winzerin von der Ahr, Hanna Cordier, 20 Jahre alt, aus Westum. Dass Rot etwa gegenüber Weißherbst weniger begehrt war, stellte ebenso Winzer Michael Kallfelz fest: „Bei so warmem Wetter wählen die Leute bewusst eher Weißweine“. Ihn freute zudem das Interesse der Weinsommer-Kunden an der Weinkultur insgesamt. So staunten sie, dass sein Weingut Kallfelz in Bad Bodendorf situiert ist, jedoch mit Eigenerzeugnissen aus zwei Anbaugebieten, Weinlagen in Walporzheim an der Ahr und Zell/Reil an der Mosel, aufwartet.

Musikalisch setzte am Freitag das DreamTeam mit Jürgen Schuld am Keyboard und der souligen Stimme des gebürtigen Engländers Ian Jory alles daran, dem Abend ein romantisches Timbre zu verleihen. Zur Verstärkung stieß die Sängerin Julia Josten aus Bad Breisig hinzu. Dem Publikum boten sie einem Querschnitt gefühlvoller Balladen, wie Songs von Niel Diamond, Elton John und Phil Collins. Vielen gefiel‘s, manchen aber war die durchgängige Melancholie zu viel.

Fetziger Sound

Am Weinsommer-Samstag, eingeleitet durch Ortsvorsteher Gunter Windheuser und Ahrweinkönigin Eva Lanzerath, kam von der Bühne mit Kaluza & Blondell, ein Sound, der deutlich fetziger war. Die dreiköpfige Folk und Roll-Formation spielten rhythmische Traditionels und interpretierten unter die Haut gehende Songs wie „Sound of Silence“ und Mrs. Robinson“ von Simon & Garfunkel. Wie dieses tolle Trio mit Toto Kaluza (Gesang, Gitarre, Harmonica), Geoff Blondell (Gitarre, Gesang, Irish Bouzouki) und seinem Sohn Simon Bernhard, der die Violine zum Klingen brachte, unermüdlich aufspielte, so motiviert informierten die Weinausschenker an den Buden. „Vinophorie“ der Quereinsteiger Michael Lambert und Markus Ullmann beriet zu Tropfen ausgewählter Bioweingüter. Mit Freunden gründeten sie den Verein Steile Traube Mittelrhein.

Am beliebtesten war ihr Riesling One, trocken, Spätauslese, von der vereinsbewirtschaftete eigenen Rieslinglage. Beim Pieroth- Familienweingut Weinheimer Hof wurde in Seelenruhe über Grau- und Weißburgunder von der Nahe philosophiert. Die Anbieter zeigten sich allesamt angetan von der Veranstaltung, die so gut besucht, wie nie zuvor, am Freitag 800 und am Samstag 600 Gäste anzog. Auch ohne dies zu wissen fand nicht nur Thomas Schneider vom Weingut Zöller-Lagas die Veranstaltung „ganz toll und einzig“.