Kabarett in Altenahr

Eva Eiselt zu Gast im Altenahrer Ratssaal

Kabarettistin Eve Eiselt im Kulturverein Mittelahr.

Kabarettistin Eve Eiselt im Kulturverein Mittelahr.

ALTENAHR. Kabarettistin Eva Eiselt begeistert ihr Publikum in Altenahr mit Parodien aus Bayern und der Eifel.

„Die Mama muss jetzt lustig sein“, sagt sie ins Publikum und zwitschert dann ins Handy: „ Was, du hast wieder Läuse?“ Am anderen Ende ist Sohnemann. Eva Eiselt steht auf der Bühne im Altenahrer Ratssaal. Zu „Kabarett und Wein“ hat der Kulturverein Mittelahr eingeladen, und wieder mal drängt sich das Publikum. „Vielleicht wird alles vielleichter – Eine Frau redet sich um Kopf und Kragen“ ist Titel des Solo-Programms.

Eiselt zeigt sich als äußerst variabel. Sie startet als zweifache Mutter mit Ehemann, anspruchsvoller Mutter, Bühnenjob und Dauerstress. Schwarze Hose, schwarzes Shirt und dunkle Haare bringen Hände und Gesicht ausdrucksvoll zur Geltung. Mit jugendlichem Schwung betritt die Künstlerin die Bühne. Sie ist mit der Bahn gekommen.

„Das ging wie immer, wenn man mit der Bahn reist: Schienenersatzverkehr“, ist ihr Bericht. Dann geht’s ums Navi, um den Autoatlas, bei dem der gesuchte Ort „immer im Knick“ liegt. Redegewandt kommt Eiselt auf das Übergewicht der Deutschen zu sprechen, das krank mache und mutmaßt: „Von Slow-Food wird man langsam krank.“ Später, beim Aufguss in der Sauna geht‘s in schwäbischem und bayerischem Dialekt weiter, auch Eiflerisch kann sie.

In Windeseile verwandelt sich die Protagonistin in ein hungriges Partygirl. Die Assoziationen springen vom Essen als „Sex des Alters“ über den „auf alt getrimmten Ratssaal“ bis hin zur globalisierten Textilindustrie in Billigländern, zum modernen „Kaputt-Design“ von Jeans und Botox. Dann ist sie ein Kleinkunst-Manager und mäkelt über das Publikum: Die „Silver-age-Quote“ im Saal müsse runter, „Standing Ovations“ müssten her. Das Publikum lernt Lach- und Applaus-Aktionen – bis hin zum „Eifeler Tantenschrei“, den tatsächlich jeder kennt, der die Eifel kennt.

Nach der Pause kommt Eiselt als „Deutsche Eiche“ auf Hochtouren, bewitzelt den Bestseller „Das geheime Leben der Bäume“ und sinniert, welche Verwendung sich die Bäume nach ihrem Dasein im Wald wünschen könnten. Vermutlich wollten sie keine Sauna-Einrichtung und auch kein Regal werden. „Wie fühlt sich ein Baum, aus dem Bestseller-Papier gemacht wird?“, fragte sie. Sie selbst würde sich lieber als „Kölsch-Theke“ wiederfinden.

Es geht um Globalisierung und die Frauenquote, für Eiselt nichts als „Verschleierung“. „Wir sollten uns nackt machen, weil in unserer Kultur nur die inneren Werte gelten“, schlägt sie vor. Am Ende saugt sie imaginär alles mit dem Staubsauger weg, was sie stört, beim Lego angefangen bis hin zu Facebook und allen politischen Parteien. Das Publikum ist aus dem Häuschen, bedankt sich und applaudiert weitaus heftiger, als zuvor geübt.