Konsequenzen aus Vorwürfen der Bürgerinitiative

Es wird ein neues Gutachten geben

Glaubt an die vorgelegten Zahlen: Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger.

Glaubt an die vorgelegten Zahlen: Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger.

SINZIG. Das Thema Nahversorgungszentrum in der Sinziger Innenstadt beschäftigt weiter die Gemüter. Im Rahmen einer Einwohnerfragestunde in der jüngsten Ortsbeiratssitzung für die Kernstadt sagte der Sprecher der Bürgerinitiative "Wir lieben Sinzig", Andreas Geron: "Der Bürgermeister hat seine politische Glaubwürdigkeit verloren."

Grund für diese Äußerung war Gerons Behauptung, im derzeit laufenden Planfeststellungsverfahren gebe es sehr wohl Bedenken von Trägern öffentlicher Belange. Stadtoberhaupt Wolfgang Kroeger (CDU) habe jedoch das Gegenteil behauptet.

Bürgermeister Kroeger teilte gestern derweil dem General-Anzeiger mit, dass er ein neues Verkehrsgutachten in Auftrag geben wird. Die Bürgerinitiative hatte in der Ortsbeiratssitzung nämlich Zweifel an der Objektivität des gerade vorgelegten Gutachtens vorgetragen.

Bekanntlich sollen auf dem Gelände der derzeitigen Industriebrache der ehemaligen Betonfirma Rick ein neuer Edeka-Markt, eine Aldi-Filiale, ein Drogerie- sowie ein Getränkemarkt errichtet werden. Dies stößt nicht nur auf Gegenliebe. Anlieger befürchten ein hohes Verkehrsaufkommen, das gutachterlich untersucht wurde (der GA berichtete). Mehr als 3500 Bürger hatten sich in den vergangenen Monaten auf Unterschriftenlisten gegen die Ansiedlung der Märkte auf dem Rick-Areal ausgesprochen.

Die Verkehrsexperten kamen nach Zählungen, Hochrechnungen und Prognosen zu dem Ergebnis, dass mit der Umsiedlung der in Sinzig seit vielen Jahren bereits vorhandenen Märkte von ihren bisherigen Standorten auf das Rick-Gelände keine Beeinträchtigungen für den Straßenverkehr verbunden seien.

Die Bürgerinitiative befürchtet ein "Gefälligkeitsgutachten"

Dies wurde in der Einwohnerfragestunde im Ortsbeirat vom Sprecher der Bürgerinitiative erheblich bezweifelt. Geron sprach gar von einem "Gefälligkeitsgutachten".

Das Ingenieurbüro Vertec (Koblenz) hat das Gutachten gefertigt. In seiner Referenzenliste führt das Verkehrsplanungsbüro ausgerechnet die "Alsdorf Vermögensverwaltung GmbH" als private Auftraggeber auf, just das Unternehmen, das Investor des Nahversorgungszentrums ist.

Bürgermeister Wolfgang Kroeger sagte gestern: "Es ist schon erstaunlich, dass ein Gutachten bewertet und zerfleddert wird, das in der Öffentlichkeit noch gar nicht vorliegt und im Detail noch gar keiner kennt." Erst in wenigen Tagen würde es den Fraktionen im Rat der Stadt zugeleitet - und - falls gewollt - auch der Bürgerinitiative, die offenbar schon jetzt darüber den Stab gebrochen habe.

Kroeger versicherte gestern, er habe keine Kenntnis davon gehabt, dass die Alsdorf Vermögensverwaltung GmbH ein Auftraggeber des Gutachterbüros gewesen sei: "Das wusste ich nicht." Sollten nun jedoch Zweifel an der Objektivität des Gutachtens aufkommen, so spreche nichts dagegen, eine neue Expertenmeinung einzuholen.

So soll nun auch verfahren werden. Kroeger: "Ich bin mir allerdings sicher, dass sich deshalb die von Vertec ermittelten Zahlen nicht ändern werden." Als Bürgermeister trete er jedoch für ein "sauberes Verfahren" ein. Daher werde er nun den Auftrag erteilen, von einem anderen Ingenieurbüro ein neues Gutachten fertigen zu lassen. Die Kosten schätzt der Sinziger Stadtchef auf bis zu 10 000 Euro. "Das sollten uns die objektiven Ergebnisse wert sein", sagte Kroeger.

Angesprochen auf etwaige Bedenken gegen das Vorhaben von Trägern öffentlicher Belange - 80 Behörden und Institutionen waren angeschrieben worden -, erklärte er: "Ich bleibe dabei: Bislang gab es keine k.o.-Argumente gegen das Nahversorgungszentrum auf dem Rick-Gelände."