Einige Mängel

Ergebnisse der TÜV-Inspektion in Sinzig

SINZIG. Die Sinziger Tüv-Prüfstelle inspiziert jährlich rund 4600 Fahrzeuge. Ein Viertel aller vorgeführten Autos weist Mängel auf.

Ein anstehender Tüv-Termin kann für Autofahrer schon mal mit einer schlaflosen Nacht verbunden sein. Wie bei einem Zahnarztbesuch weiß man oft nicht so genau, ob es nicht doch ein bisschen wehtut. Das Auto ist halt der Deutschen liebstes Kind. Wehmütig heißt es manchmal auf Aufklebern „Bis dass der Tüv uns scheidet“.

In aller Regel ist das nicht der Fall. Der Technische Überwachungsverein versteht sich schließlich als Dienstleister und nicht als Kontrolleur, nicht als Ordnungsbehörde, sondern als netter Helfer. Eine Hauptuntersuchung am Auto dient der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Und die will auch die Tüv-Stelle in Sinzig im Rahmen ihrer Möglichkeiten gewährleisten.

Im Jahr sind es rund 4600 Fahrzeuge, die auf die Sinziger Hebebühne oder über die eingelassene Grube der Prüfstelle an der Kölner Straße rollen. Alles, was Räder hat, wird dort eingehend untersucht.

17 solcher Prüfanlagen unterhält der Tüv im Raum Koblenz, so Nils Deeke, Leiter des regionalen Mobilen Dienstes der technischen Prüforganisation, deren Hauptaufgabe es ist, Sicherheitskontrollen durchzuführen.

Der TÜV erledigt die staatlich vorgegebenen Prüfungen

In aller Regel handelt es sich hierbei um Prüfungen, die durch staatliche Gesetze oder Anordnungen vorgeschrieben sind. Die bekannteste ist die Hauptuntersuchung für Kraftfahrzeuge, die umgangssprachlich „Tüv“ genannt wird. Mitglieder des Technischen Überwachungsvereins sind seit Gründung des ersten „Dampfkessel-Revisions-Vereins“ – so der ursprüngliche Name – im Jahre 1866 Wirtschaftsunternehmen, die überwachungsbedürftige Anlagen betreiben. Längst sind die Tüv-Gesellschaften in großen Holdings organisiert, beispielsweise der Tüv Süd, der Tüv Rheinland und auch der Tüv Nord. Bis in die 90er Jahre hatte der Überwachungsverein quasi eine Art Monopol auf seine Arbeit, die mit dem hoheitlichen Akt, der Verleihung der Tüv-Plakette, seinen Ausdruck findet. Inzwischen gibt es Konkurrenz.

Laptop statt Schraubenzieher und Kreuzschlüssel

Wer Prüfer im Kfz-Bereich werden will, muss zumindest einen Meisterbrief vorweisen können. Sinzigs Tüv-Stellenleiter Ralf Milz hat ein abgeschlossenes Maschinenbaustudium, ist Prüfingenieur und Sachverständiger. Seit 1996 ist er in der Prüfbranche tätig. 3300 Pkw fahren im Jahr bei ihm in Sinzig vor, hinzu kommen 1300 Lkw, Motorräder, Anhänger, Campingwagen.

Waren es früher insbesondere Rostschäden, die in der Mängelliste weit oben standen, sind es heute defekte Bremsschläuche, Bremsscheiben, Fehler am Fahrwerk, Beleuchtungsmängel oder Unzulänglichkeiten an der Auspuffanlage. „Heutzutage sind die Karosserien einfach besser als in den 60er oder 70er Jahren“, berichtet Diplom-Ingenieur Deeke. Früher mag der Schraubenzieher Hauptwerkzeug der Prüfer gewesen sein, heute ist es elektronisches Gerät. An den neueren Fahrzeugen bereite die aufwendige Elektronik in den Fahrzeugen viel eher Kopfzerbrechen als die Mechanik, als ein Auspuff oder ein defektes Fernlicht. Klar, dass da eine Hauptuntersuchung per Laptop längst Standard bei Prüfstellenleiter Ralf Milz ist.

Der 53-Jährige stöpselt einen Adapter an die OBD-Dose, um – wie ein Arzt – eine On-Board-Diagnose vorzunehmen, nachdem er sein Tablet oder Laptop verbunden hat. Weil die Autos halt immer schlauer und technisch anspruchsvoller werden, muss die Prüftechnik mitwachsen. Und das Know-how der Prüfer. Kein Wunder, dass aus einstigen Kfz-Mechanikern längst Mechatroniker geworden sind.

Milz erkennt am Computer, wie viel Kilometer das geprüfte Auto runter hat, verknüpft die Hauptuntersuchung mit der Fahrgestellnummer, kann den Prüfbogen später samt Mängelbericht gleich ausdrucken.Über die OBD-Dose wählt sich der Computer in die Technik des Autos ein, kann Blinker betätigen, Bremslicht ansteuern oder Scheinwerfer einschalten.

Bis zu 3000 Mängel kann so ein Auto haben. Man muss schon Routine besitzen, um ihnen auf die Schliche zu kommen. Auch die beste Software hilft aber nichts, wenn es um andere Macken geht. Unterboden, Achsen, Schweller, Radhäuser, Spurstangen – ohne Taschenlampe und Schraubenzieher, mit dessen Griff hin und wieder bei seiner Rostsuche oder anderen Auffälligkeiten auf Teile geklopft wird, kommt Milz bei seinen Sichtungen nicht aus. „Manchmal braucht man ein wirklich gutes Auge“, weiß er.

Rund 25 Prozent aller vorgeführten Autos weisen Mängel auf. Heißt: Es gibt keine Tüv-Plakette. „Das mag dann bitter für den Autofahrer sein, dient aber seiner Sicherheit“, sagt Nils Deeke. Stilllegungen kommen auch in Sinzig hin und wieder vor. Das Auto aus dem Verkehr ziehen dürfen Milz und seine Mannen jedoch nicht. Man sei ja schließlich nicht die Polizei, erklärt er. Wer allerdings ohne Tüv-Plakette erwischt wird, dem droht Ärger. Aber auch derjenige, der sein Fahrzeug reibungslos durch die Tüv-Prüfung gebracht hat, ist natürlich angehalten, einen technisch einwandfreien Zustand aufrecht zu erhalten. Inspektionstermine sollten eingehalten werden, rät Milz. Und: „Die Plakette ist kein Freibrief dafür, sich die nächsten zwei Jahre nicht mehr um das Auto zu kümmern.“