Geschichte der Altenahrer Seilbahn Die Seilbahn in Altenahr kurbelte einst den Tourismus an

ALTENAHR. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt es die Wirtschaft anzukurbeln. In Altenahr trafen sich ein paar Visionäre. Sie waren Unternehmer, Hotelier und Banker. Ihr ehrgeiziges Ziel: eine Seilbahn in Altenahr.

Pfingsten 1953 war Einweihung, mit Pastor, Musik, Feuerwehr und allem, was Altenahr zu bieten hatte. Die Firma Hasenclever hatte die Anlage im Blitztempo errichtet. Und Gustav König betrieb einen bemerkenswerten Aufwand, um für die Bahn zu werben, die Touristen in zweisitzigen Gondeln auf 650 Metern Seillänge hinauf zum 354 Meter hohen Berg Ditschhardt brachte. Dort lockte die Terrasse des Hotels Bellevue mit dem Blick auf das Ahrtal.

Zeitweise verließen keine Ansichtskarte und kein Brief Altenahr ohne einen Stempel mit dem Werbeslogan „Entdecke das Ahrtal mit der Seilbahn Altenahr“ oder „Komm und staune“ und einer Zeichnung der Seilbahn. In den Sommermonaten fuhr die Bahn manchmal bis Mitternacht. Die mit Lichterketten erleuchteten Gondeln waren weithin zu sehen. Die Busse auf den Parkplätzen standen dicht an dicht.

Der Kölner Boxer Peter Müller („Müllers Aap“) schwebte über die Ahr. Ebenso eine Braut mit wehendem Schleier nebst frischgebackenem Ehemann. Auch Max Schmeling, Berti Vogts und Romy Schneider wurden gesehen. „Hinauf in sonnige Höhen“ warb ein Plakat. Spaß-Postkarten gingen weg wie warme Semmeln. Gästen im „Höhenrausch“ (eigener Seilbahnwein) reichten die Winzer im Vorbeifahren aus dem Wingert reife Spätburgundertrauben, und Männer in schmucken Uniformen halfen an der Altenahrer Seilbahn beim Ein- und Aussteigen. Das ist Geschichte. Was geblieben ist, ist die Seilbahnstraße, die mit der Eröffnung ihren Namen erhielt. In Spitzenzeiten war die Straße eine regelrechte Partymeile.

Käufer vergeblich gesucht

Als die Seilbahn Ende 2011 ihren Betrieb einstellte, befanden sich dort ein Westernsaloon, Ferienwohnungen, Gastronomie, eine Eisdiele, eine Pizzeria, zwei Andenkenlädchen und ein Weingut.

Gustav König führte die Seilbahn GmbH bis zum Übergang an Horst & Jüssen. Betriebsleiter war zunächst Franz Bleffert, dann Manfred Sebastian. Firmeninhaber Jüssen wohnte im Sahrtal bei Kreuzberg. Franz Rudolf Kloster aus Altenahr führte bis zum Einstellen der Bahn Ende 2011 im Auftrag der Übernahmefirma Horst & Jüssen die Geschäfte der Seilbahn.

Das Berghotel Bellevue wurde ebenfalls in den 1950er Jahren gebaut. Erster Betreiber war Richard Henseler, ihm folgten 1961 Franz und Margarete Nachtsheim. Schon in den 1980er Jahren wurde das Hotel zum Wohnhaus, der Terrassenbetrieb des Cafés Bellevue lief bis 2009. Spätestens seit der Schließung des Cafés rentierte sich die Seilbahn nicht mehr.

So kündigte die Horst AG (ehemals Horst und Jüssen AG) den Pachtvertrag mit der Gemeinde Altenahr für das gesamte Betriebsgelände einschließlich Tal- und Bergstation sowie angrenzendem Parkplatz fristgerecht zum Jahr 2011. Der Vertrag hätte sich andernfalls im August 2012 automatisch um 30 Jahre verlängert. Seitdem wurde für die Seilbahn ein Käufer gesucht. Aber auch das ist Geschichte. Ebenso das einst interessante Zahlenwerk zur Seilbahn.

47 549 Berg- oder Talfahrten wurden in der letzten Saison 2011 gezählt. 1975, in den Glanzjahren der Seilbahn, waren es 400 000. Doch dann ging es bergab: 1986 hatte sich die Zahl der bezahlten Fahrten bereits auf 280 000 reduziert. Die Zeiten der Sonderzüge und -busse waren da bereits vorbei. Standen in den 80er-Jahren samstagabends noch 130 Busse auf dem Parkplatz an der Talstation, waren es im Jahr 2011 fünf.

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