Bad Neuenahr-Ahrweiler präsentiert Konzept

Die Chancen könnten gestiegen sein

MAINZ. Landesgartenschau: Eine nahezu perfekte Vorstellung der Kreisstadt in Mainz.

Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler hat am Freitag in Mainz ihr Bestes gegeben: Vier Bewerber um die Landesgartenschau 2022 befinden sich bekanntlich auf der Zielgeraden für den Zuschlag. Ihre zum Teil aufwendig produzierten Konzepte haben neben Bad Neuenahr-Ahrweiler die Städte Bitburg, Bad Kreuznach und Neuwied in der Landeshauptstadt vorgestellt. Dies auf Einladung des Wirtschaftsministeriums. Gastgeber Staatssekretär Andy Becht zog sich nach einer kurzen Begrüßungsansprache allerdings überraschend zurück.

Die von Bürgermeister Guido Orthen vorgenommene Präsentation der Kreisstadt und ihrer Vorzüge verlief ohne Fehl und Tadel. Sie warb unaufdringlich und überzeugend für die Stadt als Standort einer durchdachten Landesgartenschau. Mitte September wird vermutlich feststehen, wer den Zuschlag erhält. Die Entscheidung wird im Ministerrat und im Kabinett erfolgen.

Besondere Auffälligkeit: Mit Ausnahme des Bewerbers aus dem Ahrtal warben alle anderen Städte für eine Landesgartenschau als gezielte Strukturfördermaßnahme, quasi als Reparaturwerkstatt für vergangene Fehlentwicklungen.

Bad Kreuznach und die Schwesterstadt Bad Münster am Stein wiesen auf die durch Kostendämpfungsgesetze zusammengebrochenen Kur- und Badestrukturen hin, machten auf marode Freiflächen („gravierende Mängel im Freiraum“) aufmerksam, die im Zuge des dortigen Salinenabbaus entstanden sind, baten um die Chance eines „Neustarts“, den eine „LaGa“ ermögliche.

Bitburg („Wir sind Eifel“) erklärte selbstbewusst, die Stadt sei ein „Garant dafür, dass die Landesgartenschau ein Erfolg wird“. Auch dort wolle man die Chance zu Strukturverbesserungen nutzen, nachdem 1994 in der 14 000 Einwohnerstadt 11 000 US-Soldaten abgezogen wurden, was dramatische Lücken riss und brachliegende Flächen hinterließ. Eine Landesgartenschau, so dass Credo von Bitburgs Landrat und Bürgermeister, könne auch in ländlicher Region attraktiv sein. Die Bevölkerung trage das Projekt mit, habe große Erwartungshaltungen, was nicht zuletzt mit einer breit angelegten Postkartenaktion „Pro Bitburg“ unterlegt wurde.

Neuwied zeigte ebenfalls mit dem Finger auf dringend erforderliche städtebauliche Verbesserungen. Auf einem 86 Hektar großen Gelände ist eine riesige Industriebrache entstanden, die nun in eine vernünftige Zukunft geführt werden müsse. Eine Landesgartenschau könne aus diesem Dilemma befreien. „Die Menschen in der Region drücken uns hierbei alle Daumen“, so der Neuwieder Oberbürgermeister Nikolaus Roth.

Das werden die Menschen an Rhein und Ahr allerdings auch machen, wenn es um einen Zuschlag für Bad Neuenahr-Ahrweiler geht. Guido Orthen und Erster Beigeordneter Detlev Koch hatten Dezernenten Rainer Boes und Bauamtsleiter Alfred Bach oder auch Jens Heckenbach, den Bauhofsbetriebsleiter, mit nach Mainz genommen. Im Foyer hatte man einen ansprechenden „Messe-Stand“ aufgebaut, der schnell erkennen ließ, dass eine Landesgartenschau an der Ahr sicherlich keine schlechte Wahl wäre.

Bad Neuenahr-Ahrweiler zeigte sich als „Stadt des Wassers“, als Stadt des „blühenden Lebens“. Orthen pries die Vorzüge des Heilbades, nannte die Gesundheitskompetenz, erwähnte die in der Stadt gelebte Kombination aus Tradition und Moderne, erwähnte die landschaftlichen Vorzüge, die mittelalterlichen Wehrtürme oder auch die beiden tragenden Säulen Wasser und Wein.

Die Landesgartenschau könne auf einer gut funktionierenden Infrastruktur aufgebaut werden, auf der Basis von 20 Hektar innerstädtischer Grünanlagen, die mit einer „LaGa“ ausgebaut und weiter aufgewertet werden könnten. Alle maßgeblichen Anforderungen der Bewerbungsleitlinien würden erfüllt. Nicht nur das: Auch könne die Blumen- und Pflanzenschau ohne Neuverschuldungen dargestellt werden.

Aus Bad Neuenahrer Sicht war es eine nahezu perfekte Präsentation. Geht der Zuschlag der Landesregierung woanders hin, dann hat es an dem Auftritt der Kreisstädter in Mainz jedenfalls nicht gelegen.