Vier Mal reiste Friedrich Barbarossa nach Sinzig

Der Kaiser liebte die Sinziger Pfalz

SINZIG. Das ganze Jahr 2017 über wird Sinzig 750 Jahre Stadtrechte feiern. Denn 1267 sicherte der Kölner Erzbischof Engelbert II. den Bürgern Rechte zu, die sie freilich „seit Alters her im Reich innehatten“. Davor hatte er Sinzig erobert, als Reaktion auf die Verbrennung von 61 Juden in der Synagoge 1265, die ihm schutzgeldpflichtig waren.

Das Bezugsjahr des Jubiläums, das noch vor der Verleihung eigentlicher Stadtrechte (1297 Mauer- und Mautrecht, 1310 Marktrecht) liegt, führt mitten in der Geschichte der bereits keltisch und römisch besiedelten Ortschaft an Rhein und Ahr. 762 wird sie erstmals als fränkischer Königshof „sentiacum“ erwähnt. Ihre Blüte erlebt sie im 12. bis 14. Jahrhundert als eine der Königspfalzen, wo die Herrscher des Heiligen Römischen Reichs regieren, so viermal Friedrich I., daher der heutige Beiname „Barbarossastadt“.

Im Mittelalter entwickelte sich Sinzig zu einem Wirtschafts- und Verwaltungszentrum. Der Königshof jedoch verlor an Bedeutung, als die 1206 erbaute Burg Landskron Pfalz-Funktion übernahm. Abgesehen vom Marienstift, Zehnt-, Kirchen- und Grundherr seit 855, unterstand Sinzig bis ins 12./13. Jahrhundert direkt dem König. 1255 indes, während zwei rivalisierende Könige nach den Staufern die Macht beanspruchten, trat es dem militärischen Bündnis „Rheinischer Städtebund“ bei.

Da Reichsbeamte in Sinzig Grundbesitz erlangt hatten, wurden Rechte und Einkünfte seit 1276 oft verpfändet und dem direkten Einfluss des Königs aufs Reichsgut entzogen. Um 1270 hatten sich Adlige und führende Bürger politisch soweit emanzipiert, dass sie ein Stadtsiegel einführten. 1297 überzeugten Bürgermeister, Rat und Adel Kaiser Adolf von Nassau, die Befestigung der Stadt mit Mauer, Wall, Toren und Wehrhäusern zu genehmigen und dazu ein „Ungeld“ (Steuer) zu erheben.

Nur zehn Jahre nach Fertigstellung der Mauer erlaubte Kaiser Ludwig 1337 dem Territorialherrn Graf Wilhelm von Jülich, zu Sinzigs Verteidigung eine Burg zu errichten. Die Wasserburg außerhalb der Stadtmauer wurde später zum Wohnschloss, das die Franzosen 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstörten und auf dem Kaufmann Bunge 1854/58 das heutige „Schloss“ erbaute. Dass es im späten 13. Jahrhundert in Sinzig Lombarden und Kawerschen (ausländische Kaufleute, Geldwechsler) gab, belegt, zusammen mit Jahrmärkten, die wichtige Rolle des überörtlichen Handels. Danach deckten Handwerk und Gewerbe nur noch den lokalen Bedarf – Sinzig fiel gegenüber aufstrebenden Städten wie Ahrweiler, Andernach, Linz wirtschaftlich ab.

Immer wieder wechselte die Stadt zwischen den Herren zwischen Köln und Jülich. Seit 1290/1329 wurde sie zum Jülischen Amt. Nach vielen Verpfändungen gehörte sie ab 1554/60 wieder zum Herzogtum Jülich und war Verwaltungszentrum für die Ämter Sinzig und Remagen.

1620 besetzten spanische Truppen Sinzig. 1632 eroberte und plünderte schwedisches Kriegsvolk die Stadt, die 1645 dem kaiserlichen Feldherrn Melander kampflos ihre Tore öffnete. 1648 beendete der Westfälische Friede den Krieg, doch trug Sinzig wie andere geplünderte Orte lange an der Schuldenlast. Zwei Großbrände suchten 1583 und 1758 die Stadt heim. Schlimm erging es ihr auch, als 1794 die französische Besetzung mit verrohten Revolutionstruppen begann. Ihnen stand der Sinn nach Raub, Plünderung, Brandstiftung und Mord. Wie Bürgermeister Wilhelm Vogel berichtete, verspotteten sie Religion und Einwohner, trieben Missbrauch, forderten unaufhörlich Geld, Kleidung, Karren, Vieh, Heu.

Für die Bürger änderten sich wiederholt Verwaltung, Rechtssystem, Kalender. 1802 hob Napoleon alle geistlichen Orden und Stiftungen am linken Rheinufer auf, zog ihre Besitzungen im Rahmen der „Säkularisation“ ein und ließ die Güter als französisches National-Eigentum verkaufen: in Sinzig den Zehnthof des Aachener Krönungsstifts und das Minoritenkloster auf dem Helenenberg. 1815 übernahm Preußen unter König Wilhelm III. die „Wacht am Rhein“. Aus der „Mairie“ Sinzig wurde die preußische Bürgermeisterei Sinzig. Bodendorf gehörte zur „Mairie“, danach zur Bürgermeisterei Remagen und kam erst durch die Gebietsreform 1969 zu Sinzig.

Bis zur Mobilmachung für den ersten Weltkrieg 1914 prägten zahlreiche Ereignisse das Leben der Stadt: Bau der Eisenbahn, des Stadthauses am Kirchplatz, Erschließung des Mineralbrunnens, Einweihung der Synagoge oder die Gründung der Mosaikplatten- und Tonwarenfabrik. Von den revolutionären Unruhen 1848 wurde Sinzig übrigens nicht erfasst. Ende des 19. Jahrhunderts belebte sich die wirtschaftliche Entwicklung spürbar. Während der beiden Weltkriege knickte sie wie allerorten ein, um nach 1945 wieder einen Aufschwung zu nehmen.