Bewerberin mit Marathonerfahrung

Cornelia Weigand will Altenahrer Verbandsbürgermeisterin werden

Hoch über Altenahr: Bürgermeister-Kandidatin Cornelia Weigand.

Hoch über Altenahr: Bürgermeister-Kandidatin Cornelia Weigand.

ALTENAHR. Die parteilose 47-jährige Diplom-Biologin Cornelia Weigand möchte am 10. März von den Bürgern zur neuen Altenahrer Verbandsbürgermeisterin gewählt werden. Der General-Anzeiger stellt die Kandidatin vor.

Am Sonntag, 10. März, entscheiden rund 9000 Bürger der Verbandsgemeinde Altenahr, wer künftig auf dem Chefsessel des Altenahrer Rathauses Platz nimmt. Nach drei Amtsperioden hört Verbandsbürgermeister Achim Haag auf. Um seine Nachfolge beworben haben sich Thomas Karutz (CDU) und Cornelia Weigand, die als parteilose Kandidatin ins Rennen geht, aber von der SPD und den Grünen auf den Schild gehoben wurde. Karutz wird auch von der FDP gestützt, für Weigand sprechen sich indes die Freien Wähler aus. Der General-Anzeiger hat die Kandidaten besucht. Heute: Cornelia Weigand.

Was hängt denn da an der Gaderobe? Die 47-jährige Diplom-Biologin schmunzelt: „Das ist Steampunk. Eine Art Piratenkostüm mit modernen Accessoires. Eine Kombi aus Geschichte und Technik eben.“ Aha. So geht die Kandidatin an Karneval auf die Gass. Vorsorglich schon mal einen kleinen „Rathausschlüssel“ um den Hals. „Ich bin ein Fan von Weiberfastnacht“, sagt die gebürtige Sylterin. „Das ist der Tag der starken Frauen.“ Den hat sie während Schulzeit und Studium in Bonn kennengelernt.

Wegen der Liebe seit neun Jahren im Ahrtal

Nach Stationen in Liechtenstein und Stuttgart lebt sie „der Liebe wegen“ seit neun Jahren im Ahrtal, ist seit sieben Jahren mit dem Mediziner Reinhard Näkel verheiratet. „Ich brauch' kein Kostüm“, sagte der Arzt, der seit einem Unfall vor neun Jahren nicht mehr praktiziert, als Ur-Dernauer Land und Leute kennt. „Ich geh' als Langhaariger.“

So kennen ihn auch die Menschen, wenn er seine Frau beim Klinkenputzen zwischen Kalenborn, Lind und Beilstein unterstützt. Dolmetschen muss er nicht, denn das Nordlicht setzt auf Zuhören. Und damit ist man schnell in den Dialekten, aber auch den Sorgen und Wünschen der Menschen des Ahrtals und der Eifel drin.

Überhaupt hat Conny, wie ihr Mann sie nennt, es mit Lernen. Am besten lebenslang. Erst an der Uni und für die Bonner Theatergruppe „Die Raben“, später für Jobs als Produktmanagerin, Abteilungsleiterin oder, wie im vergangenen Jahr, als in ihr der Gedanke für eine Kandidatur wuchs, bei kommunalpolitischen Seminaren. „Schließlich wollte ich wissen, wie ein Rathaus tickt“, sagt die Liebhaberin von Zartbitter-Schokolade, die in Bonn als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Zentralstelle der Länder für Gesundheitsschutz bei Arzneimitteln und Medizinprodukten tätig ist. Trockene Materie. Verständlich, dass der abendliche Heimweg ins Ahrtal ihr ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Woraus ein leichtes Grinsen wird, wenn sie sagt: Kommunalpolitik und Theater hätten viel gemeinsam: „Hinter den Kulissen muss viel und hart gearbeitet werden, damit es hinterher zu einer guten Aufführung kommt.“ Da setzt sie auf ihre Berufserfahrung: „Es geht darum, komplexe Themen runterzubrechen, sachlich aufzuarbeiten, Kompromisse zu finden und dann Entscheidungen zu fällen.“ Dies mit Transparenz und ohne Denkverbote. Weigand weiß wohl, dass ein Verbandsbürgermeister es deutlich schwieriger hat als ein Stadtbürgermeister. Denn viele Zuständigkeiten liegen in den Ortsgemeinden und eben nicht im Rathaus.

"Größte Kapital liegt in der Landschaft"

„Daher sehe ich mich eher als Ideengeber und Moderator“, sagt die Kandidatin, die in den zwölf Ortsgemeinden mit 38 Dörfern und Unterdörfern der Verbandsgemeinde „das Ganze“ sehen will. „Ich will unterstützen, anschieben, Impulse setzen. Das ist Pflicht und Kür, und oft geschieht Gestaltung zwischen den Zeilen.“

Beispiel Tourismus: „An der Ahr haben wir die Weinfeste. Aber was ist mit den Seitentälern und den Höhenorten?“ Auch dort könne es sanften Tourismus geben: „Die vielfältige Landschaft ist unser großes Kapital.“ Den Strohhut-Tourismus früherer Jahrzehnte sehne sich niemand zurück. Es gehe um Angebote für alle Generationen, hier sportlich, dort genügsam. Wobei Barrierefreiheit ganz oben stehe. Als Herausforderung sieht Weigand das Thema Wirtschaft: Es müsse über Förderungen und Programme nachgedacht werden, um die Region attraktiv für neue Firmen zu machen. Patentlösungen gebe es nicht, aber Wegzüge wie seinerzeit der des Weltmarktführers für Fensterbau-EDV Klaes von Ahrbrück in die Kreisstadt, „so etwas darf sich nicht wiederholen“. Es gehe um die Sicherung und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Da setze sie auch auf einen runden Tisch mit den Bürgermeistern, als Werkzeug auf bestmögliche Information und darauf, dass auch in den Dörfern und ihren Gremien ihre Intention, „das Ganze zu sehen“ ankomme.

Ankommen ist sowieso immer das Ziel der drahtigen Sportlerin, deren Bestzeit für einen Marathon immerhin bei drei Stunden und 35 Minuten liegt. „Das erfordert wie Politik viel Ausdauer“, sagt Weigand, die selbige auch auf dem Rennrad zeigt und Kalorien verbrennt. Denn Essen ist so etwas wie ihre Lieblingsspeise, vor allem wenn Ehemann Reinhard kocht. Kann sie aber auch: „Und das ganz ohne Thermomix und sonstigen Schnickschnack.“

Informationen über das Programm der Kandidatin gibt es unter www.cornelia-weigand.de.