Rekonstruktion nach Diebstahl

Bronzeskulptur des "alten und jungen Sinzig" ist wieder da

Die Skulptur des alten und jungen Sinzig stellen Ortsvorsteher Gunter Windheuser (l.) und Bildhauer Rudolf P. Schneider auf.

Die Skulptur des alten und jungen Sinzig stellen Ortsvorsteher Gunter Windheuser (l.) und Bildhauer Rudolf P. Schneider auf.

SINZIG. „Das alte und das junge Sinzig“ sind wieder da: Bildhauer Rudolf P. Schneider hat die von Metalldieben vor knapp zwei Jahren gestohlene Bronzeskulptur im Auftrag der Stadt Sinzig rekonstruiert.

Sie halten sich wieder fest an der Hand und schauen sich einander zugewandt aufmerksam an – „Das alte und das junge Sinzig“. So heißt die bronzene, 1,32 Meter hohe Skulptur, die im Frühjahr 2017 von dreisten Metalldieben entwendet wurde und nun nach der Rekonstruierung durch den Kreuzberger Bildhauer Rudolf P. Schneider wieder am angestammten Platz in dem kleinen Park an der Barbarossastraße/Jahnwiese steht.

Der Diebstahl der im Volksmund auch „alter Marx“ genannten Statue hatte die Gemüter ziemlich erhitzt und für große Bestürzung in der Bevölkerung gesorgt. Zumal sich der Klau von Bronzetafeln – unter anderem an der Apollinariskirche Remagen, am Calvarienberg und am Ahrweiler Obertor – damals häufte. Rund 1000 Reaktionen in den sozialen Medien allein auf den Sinziger Verlust veranlasste Ortsvorsteher Gunter Windheuser, eine Spendenaktion ins Leben zu rufen.

Den professionellen Tätern ist man bis heute nicht auf die Spur gekommen. Doch zu der großen Bereitschaft, einen Obolus zur Wiederherstellung der von der Bildhauerin Erna Deisel-Jennes geschaffenen und seit 1962 auf einem Sockel stehenden Figuren zu leisten oder Fotos als Rekonstruktionshilfen einzusenden, gesellte sich „Kollege Zufall“. So erinnerte sich beim Lesen des Spendenaufrufs ein Nachbar der Künstlerin, die ihr Atelier in der Bad Neuenahrer Jesuitenstraße hatte, dass die Original-Modelle aus dem Jahr 1962 nach dem Tod der Künstlerin definitiv an die Stadt Sinzig gegangen sind. Und tatsächlich: Agnes Menacher, Leiterin des Heimatmuseums im Schloss, fand das kleine Mädchen und den alten Herrn Marx, nach der Überlieferung ein Sinziger Original, als Gipsvorlagen auf dem Speicher des Schlosses.

Fotos vom Originals halfen bei Rekonstruktion

Apropos junges Mädchen: Das Kind, das einst Deisel-Jennes Modell gestanden hat, ist Sabine Seite, geborene Gundershausen. Sie hatte sich kurz vor dem dreisten Diebstahl noch mit ihrem bronzenen Abbild im Arm fotografieren lassen und stellte diese Aufnahme zur Verfügung. Der Ortsbeirat ließ in Sachen Wiederherstellung nicht locker, wusste aber, so Windheuser, „dass die Finanzierung eine stramme Nummer wird“. Doch der Stadtrat ging den Weg der Neuanfertigung mit und stellte die Mittel im Haushalt ein.

Ein weiterer Zufall wollte, dass sich Windheuser und der Kreuzberger Künstler Schneider an der Sinziger Kirche begegneten und ins Gespräch kamen. Als es grünes Licht für die 19.000 Euro gab – zehn Prozent waren bis zum Sommer 2017 an Spenden eingegangen – konnte der Bildhauer im September loslegen: „Ich habe mich natürlich über den Auftrag sehr gefreut. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Sinzig hat sehr gut funktioniert.“

Auch wenn die Modelle in die Jahre gekommen und ein wenig ramponiert waren – dem Senior fehlten Arme, Beine und sein Gehstock – so halfen sie dem detailverliebten Schneider doch sehr. „Ich habe die fehlenden Teile in Ton modelliert. Fotos waren mir ebenso dienlich wie eine umfangreiche Recherche über die Arbeitsweise der Künstlerin und den Stil der 1960er Jahre“, so der Bildhauer. Mitte Oktober fuhr er „Das alte und das junge Sinzig“ dann in eine Kunstgießerei nach Oberbayern, wo in mehreren Arbeitsschritten aus der Rekonstruktion die endgültige Gussform erstellt wurde. Der Bronzeguss erfolgte dann bei rund 1200 Grad.

Mehr Sicherheit gegen Diebstahl eingebaut

Als er die 125 Kilo schwere Skulptur kurz vor Weihnachten wieder in seinem Atelier stehen hatte, war noch einiges an Handarbeit erforderlich. Aus den ursprünglich dünnen Messinggewindestäben, die die Diebe schnell und problemlos abflexen konnten, wurden beispielsweise massive Edelstahlbolzen zur Verankerung im Steinsockel.

Mit Hilfe eines Staplers des Bauhofs und Transportbändern sicherten Windheuser und Schneider nun am Freitagmorgen die Skulptur ab, ließen sie in die Höhe hieven und platzierten sie punktgenau auf dem Sockel. Nun blicken „Das alte und das junge Sinzig“ zur Freude der Bürger wieder am angestammten Platz zur Barbarossastraße hin.