Schluss nach 16 Jahren

Bürgermeister aus Sinzig geht in Ruhestand

Sinzig. Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger geht in wenigen Wochen nach 16-jähriger Amtszeit in den Ruhestand. Der 64-Jährige blickt mit Zufriedenheit auf seine Arbeit zurück.

Sechzehn Jahre stand er an der Spitze der Stadt Sinzig. Zum Jahresende wird er in den Ruhestand gehen: Wolfgang Kroeger hat als Bürgermeister viel bewegt und viel erlebt. Zum Ende seiner Amtszeit zieht der Christdemokrat Bilanz. Klar ist: Es ist ein von Höhen und Tiefen geprägtes Leben in der Kommunalpolitik. „Geht bei aller Unterschiedlichkeit anständig und respektvoll miteinander um“, antwortete Kroeger auf die Frage, was er sich für den Stadtrat und seinen Nachfolger wünsche. Ihm selbst blieb dies gerade in den vergangenen zwei Jahren zum Teil versagt. Mit Kroeger sprach .

Sie blicken auf eine lange Amtszeit zurück. Welche persönliche Bilanz ziehen Sie? Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Arbeit und mit sich selbst?

Wolfgang Kroeger: Zu Beginn meiner Amtszeit galt es zunächst, einige „Altlasten“ zu beseitigen und einige Problemfelder zu bearbeiten. Es gab nicht unerhebliche Investitionsstaus. Vorhandene Kindergärten wurden saniert, neue entstanden. Viel Geld ist in die Grund- und Regionalschule geflossen, die Seniorenarbeit wurde forciert. Wir waren die erste Kommune im Kreis, die ein Senioreninformationsbüro eingerichtet hat. Der Verkehr in der Stadt wurde entzerrt, drei Kreisel wurden gebaut, kostenloses Parken wurde eingeführt. Wir haben uns auf den Weg in Richtung „Umweltstadt“ gemacht. Und das mit großem Erfolg: Wir nutzen heute fast alle regenerativen Energien, sogar Wasserkraft in Form von Wasserturbinen zur Erzeugung von Strom.

Bevor Sie mit Ihrer Aufzählung fortfahren: Sie sind also zufrieden mit Ihrer Arbeit?

Kroeger: Die Stadt und ihre Einwohner können zufrieden sein mit der Arbeit der Gremien. Ich selbst bin jedenfalls nicht unzufrieden.

Alle Städte und Gemeinden jammern über ihre andauernde Finanznot, ausgelöst durch ständig wachsende Pflichtaufgaben. Dank sprudelnder Steuereinnahmen und höherer Einkommensteueranteile hat die Jammerlautstärke nun etwas abgenommen. Von Ihnen war in diesem Zusammenhang wenig zu hören. Weil Sinzig finanziell so gut dasteht?

Wir stehen tatsächlich auf stabilen Füßen

Kroeger: Wir stehen tatsächlich finanziell auf stabilen Füßen. Bei meiner Amtsübernahme hatte die Stadt Sinzig sieben Millionen Euro Schulden, zum Ende meiner Amtszeit werden es 8,9 Millionen sein. Allerdings haben wir in den vergangenen Jahren auch mehr als 30 Millionen Euro in die Stadt investiert und die Infrastruktur erheblich verbessert, was ja auch einen Zuwachs des Eigenkapitals zur Folge hat.

Gerade in jüngster Zeit war vielfach zu hören, in Sinzig gebe es wenig Entwicklung. Nach unseren Recherchen gibt es aktuell in Ihrer Stadt aber 400 Arbeitsplätze mehr als vor dem vielfach beklagten Wegzug des größeren Unternehmens Sprengnetter nach Bad Neuenahr. Wie erklären Sie sich diese Basis-Einschätzungen? Haben Sie Erfolge in der kommunalen Wirtschaftspolitik nicht ausreichend kommuniziert?

Kroeger: Auf den Wahlkampf und die im Zuge dessen angefallenen verbalen Auffälligkeiten will ich nicht eingehen. Die mag jeder für sich selbst beurteilen. Richtig aber ist, dass wir heute mehr Arbeitsplätze in der Stadt haben als noch vor einigen Jahren. Mit Ansiedlungen von Obi, DM, dem Netto-Markt, einem Penny-Markt, mit Kaufland und der Firma Finzelberg haben wir nicht nur die Einkaufsmöglichkeiten verbessert, sondern unseren Teil dazu beigetragen, dass auch neue Arbeitsplätze entstehen konnten.

Auffallend war der Stimmungswechsel in den vergangenen zwei Jahren. Hatte man zuvor den Eindruck von örtlicher Harmonie, so kam spätestens mit der Diskussion über die Nutzung der Jahnwiese und über den Bau eines Nahversorgungszentrums scharfer Wind auf. Es gab verbale Attacken gerade in den sozialen Netzwerken. Es gab Häme, Spott und Unterstellungen. Warum die plötzliche Polemik?

Kroeger: Sachliche Gründe gab es hierfür wohl nicht. Mir sind die beschriebenen Phänomene nicht entgangen. Vielleicht lag es am Bürgermeisterwahlkampf, in dem sich einige Personen in besonderer Weise in Position bringen wollten.

Wie wichtig ist das Nahversorgungszentrum für Sinzig? Und: Wann wird der Bahnhof endlich gemacht?

Beim Bahnhof haben wir unsere Hausaufgaben gemacht

Kroeger: Das Nahversorgungszentrum wird uns als Mittelzentrum weiter stärken. Neben Aldi, Rossmann und Edeka haben neue Firmen ihre Ansiedlung bei Verwirklichung des für die Innenstadtbewohner fußläufig zu erreichenden Einkaufszentrums zugesagt. Entscheidend ist: Die Nahversorgung ist gewährleistet. Beim Bahnhof haben wir unsere Hausaufgaben gemacht. Die Planungskosten sind bereitgestellt, Mittel für den Baubeginn stehen zur Verfügung. Wir warten alleine auf die Zuschussbewilligung. An uns liegt es nicht, dass sich der Bahnhof so präsentiert, wie das derzeit der Fall ist.

Arbeitsgerichtsverfahren, in denen Rathausmitarbeiter involviert waren, haben ebenfalls in den vergangenen Monaten Angriffsflächen geboten. Ihre Mitarbeiterführung wurde an den Pranger gestellt. Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?

Kroeger: Der Bürgermeister übt kraft Gesetz automatisch die Funktion eines Arbeitgebers aus. Bei über 160 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bleiben unterschiedliche Auffassungen über Arbeitsmoral und Arbeitsausführung nicht aus. Richtig ist, dass die Gerichte von drei Arbeitnehmern angerufen wurden. Die Klagen richteten sich zum Teil gegen die eigenen Kollegen. Von einer „Klageflut“ kann man da sicherlich nicht sprechen.

Die CDU hat Sie vor 16 Jahren erstmals zum Bürgermeisterkandidaten nominiert. Vor acht Jahren gab es dann eine Wiederholung. Mit überzeugenden Ergebnissen sind Sie als Sieger aus den damaligen Bürgermeisterwahlkämpfen hervorgegangen. Warum haben Sie sich 2017 – für uns überraschend – für einen Rückzug entschieden?

Kroeger: An meiner Freude, die Zukunft der Stadt mit zu gestalten und Ansprechpartner für die Bürger zu sein, hat sich in 16 Jahren nichts geändert. Aber ich muss mich mit 64 Jahren fragen, ob ich noch alle Generationen in der Stadt anspreche. Ich denke, es ist richtig, jüngeren Menschen das Ruder in die Hand zu geben.

Als Bürgermeister vertrete ich alle Einwohner

Es ist bekannt, dass Sie und die Sinziger CDU nicht immer nur ein Herz und eine Seele gewesen sind. Spielte das auch eine Rolle?

Kroeger: Meine Zugehörigkeit zur CDU ist bekannt. Als Bürgermeister vertrete ich jedoch alle Einwohner. Ich habe nicht darüber zu entscheiden, was für eine Partei richtig und wichtig, sondern was für den Sinziger Bürger gut und vorteilhaft ist.

Eine wirkliche Antwort war das ja jetzt nicht.

Kroeger: Was nichts daran ändert, dass ich nie 'Parteimeister', sondern Bürgermeister sein wollte. Und in dieser Funktion agiert man über Parteigrenzen hinweg.

Werden Sie denn noch den Haushalt der Stadt für das Jahr 2018 aufstellen? Oder überlassen Sie das Ihrem Amtsnachfolger?

Kroeger: Ich habe mit meinem Nachfolger besprochen, dass er den Haushalt für 2018 selbst aufstellt und er somit die Möglichkeit besitzt, seine Ideen einzubringen. Es wäre nicht in Ordnung gewesen, dem neuen Bürgermeister einen fertigen Haushalt vorzulegen, den er nur ausführen und nicht mitgestalten kann.

Was macht Wolfgang Kroeger in einem Jahr um diese Zeit?

Kroeger: Schwer zu sagen. Derzeit weiß ich noch nicht, was die Zukunft für mich bereit hält. Ich bin aber sehr gespannt, was kommt.

Mit welchen Gefühlen und mit welchen Wünschen werden Sie zum Jahresende das Rathaus verlassen?

Kroeger: Über das Geleistete mögen andere urteilen. Mir selbst war es eine große Befriedigung, anstehende Aufgaben zu lösen und die Stadt für ihre Zukunft fit zu machen. Ich gehe mit einem gewissen Maß an Wehmut, weil mir der Kontakt zu den Bürgern fehlen wird. Mein Wunsch für den Stadtrat und meinen Nachfolger ist: Geht bei aller Unterschiedlichkeit anständig und respektvoll miteinander um. Alles andere hätte die Stadt nicht verdient.