Prozess wegen Totschlags mit Jagdmesser

Angeklagter will Erklärung zu Bluttat in Sinzig abgeben

Dem Hauptangeklagten werden im Gerichtssaal des Landgerichts Koblenz die Handschellen abgenommen. Der 18-Jährige muss sich wegen Totschlags mit einem Messer auf einem Parkplatz verantworten.

Dem Hauptangeklagten werden im Gerichtssaal des Landgerichts Koblenz die Handschellen abgenommen. Der 18-Jährige muss sich wegen Totschlags mit einem Messer auf einem Parkplatz verantworten.

14.08.2019 Koblenz. Ein Streit, ein Messerstich, ein Toter: Eine Bluttat neben einem Supermarkt hat im Februar die Kleinstadt Sinzig erschüttert. Ein halbes Jahr später kommt es in Koblenz zum Prozess. Hier spielen Videos einer Überwachungskamera eine wichtige Rolle.

Mit einem Jagdmesser soll ein 18-Jähriger auf einem Parkplatz im Kreis Ahrweiler einen Mann erstochen haben - am Mittwoch hat in Koblenz ein Prozess wegen Totschlags gegen ihn begonnen. Der Deutsche soll am 18. Februar in Sinzig vor einem Supermarkt einen 33-Jährigen im Streit mit einem einzigen Stich ins Herz getötet haben. Drei weitere Deutsche im Alter von 19, 20 und 24 Jahren sind wegen schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Der Anwalt des mutmaßlichen Haupttäters sagte vor einer Jugendkammer des Landgerichts Koblenz, die räuberische Erpressung von Geld werde der 18-Jährige im Wesentlichen gestehen. Für den Vorwurf des Totschlags kündigte er vorerst ohne inhaltliche Angaben eine Erklärung am kommenden Mittwoch an. Auch die Verteidiger der drei Mitangeklagten stellten Einlassungen für den zweiten Verhandlungstag in Aussicht.

Vor dem tödlichen Streit soll das Quartett laut Anklage in der Nähe zwei Jugendliche mit dem Messer bedroht, sie mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihnen fünf Euro geraubt haben. Die Männer sollen einen der Jugendlichen gezwungen haben, von einem Bankautomaten weitere 500 Euro abzuheben, und diese Beute unter sich aufgeteilt haben.

Der mutmaßliche Messerstecher soll anschließend mit geraubtem Geld sein 33-jähriges Opfer vergeblich nach Drogen gefragt haben. Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen keine Hinweise ergeben, dass der Getötete mit Rauschgift gehandelt hätte.

Der Vorsitzende Richter Martin Schlepphorst ließ im Gerichtssaal mit vielen Zuschauern Videos einer Überwachungskamera des Supermarkts mit verschiedenen Geschwindigkeiten zeigen. In einiger Entfernung waren in abendlicher Dunkelheit Personen zu erkennen, die sich wohl im Streit gegenseitig schubsten. Ein Mann ging zu Boden, nachdem offensichtlich eine Person auf ihn eingestochen hatte. Ein Mann kickte anscheinend das Messer mit dem Fuß weg. Während des tödlichen Streits fuhren immer wieder neue Kunden zu dem Supermarkt.

Die vier Angeklagten schilderten zu Prozessbeginn ihren Lebenslauf. Demnach stammen sie überwiegend aus schwierigen familiären Verhältnissen. Von Trennungen der Eltern, Schulproblemen und Schul- und Ausbildungsabbruch war die Rede. Zwei der vier jungen Angeklagten, die seit Ende Februar in Untersuchungshaft sitzen, haben bereits jeweils ein kleines Kind. Für den Prozess waren vorerst acht Verhandlungstage bis zum 20. September terminiert. (dpa)