Demografische Wandel in der Region

Altenahr steht ein Aderlass bevor

Der Remagener Volkswirt und Sozialwissenschaftler, Stefan Sell.

ALTENAHR. Der demografische Wandel ist in nahezu allen Gemeinden ein aktuelles Schwerpunktthema. Auch in der Verbandsgemeinde Altenahr, die gar einen eigenen Demografieausschuss gebildet hat. Zur Auftaktsitzung hatte Bürgermeister Achim Haag nicht nur Kommunalpolitiker, sondern alle am Thema Interessierten gebeten.

Geladen hatte er den Direktor des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz, Stefan Sell. Der Remagener Volkswirt und Sozialwissenschaftler gilt als ausgewiesener und viel gefragter Experte in der demografischen Forschung. Die niedrige Geburtenrate, die länger gewordene Lebenserwartung und der Wanderungssaldo sind die entscheidenden Parameter des demografischen Wandels, der auf lokaler Ebene so gut wie gar nicht beeinflusst werden kann. Vielmehr ist die Sozialpolitik auf nationaler Ebene gefragt, wenn es um Lösungsvorschläge geht.

Dies unterstrich auch Sell. Mit der eindeutigen und unumkehrbaren Faktenlage gelte es zu leben. Politik und Wirtschaft müssten sich darauf einstellen. Sell wies auf den zahlenmäßig dramatischen Anstieg der Senioren hin, auf den nicht minder dramatischen Schwund an jungen Menschen, auf die veränderten Altersstrukturen und ihre Folgen für das Wirtschaftsleben. "Für Ausbildungsbetriebe wird das noch sehr bitter", ist sich Sell sicher. Jugend werde zum "knappen Gut".

Es sei jedoch nicht angebracht, den Fokus ausschließlich auf die jüngere Generation und den fehlenden gesellschaftlichen Unterbau zu legen. Vielmehr müssten als besondere Herausforderung Versorgungskonzepte für ältere Menschen entwickelt werden.

Im Kreis Ahrweiler müsse eine massive Abwanderung der 19- bis 30-Jährigen verkraftet werden. Jedoch werde im Gegenzug eine Zuwanderung von über 30-Jährigen zu verzeichnen sein. Junge Familien also, die sich im Landkreis dank der preiswerteren Grundstückspreise niederlassen. Eine weitere Kompensierung werde es durch Zuwanderungen aus dem Ausland geben. Nicht jedoch die insgesamt geringer werdende Einwohnerzahl im Landkreis werden das Hauptproblem sein, sondern die Altersstrukturen.

Der Verbandsgemeinde Altenahr mit ihrer ländlichen Struktur sagte Sell einen "Aderlass" voraus, während die Kommunen an der Rheinschiene im Speckgürtel von Bonn und Koblenz zu den Gewinnerregionen zählen dürften. Dies dank guter Verkehrsanbindungen, guter medizinischer Versorgung und guter Infrastruktur.