Landgericht Koblenz

42-Jähriger muss sich wegen Totschlags an seiner Ehefrau verantworten

KOBLENZ. Während die 30-jährige Ex-Freundin, von Weinkrämpfen geschüttelt, die von unfassbarer Brutalität geprägten Übergriffe schildert, vergräbt der Angeklagte immer wieder sein Gesicht in den Händen.

Der 42-jährige Sinziger muss sich seit Donnerstag unter anderem wegen Totschlags und Vergewaltigung vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Koblenz verantworten. Die körperlichen Misshandlungen haben bis heute tiefe seelische Wunden bei der 30-Jährigen hinterlassen.

Im Gegensatz zur Ehefrau des Angeklagten ist sie allerdings mit dem Leben davongekommen. Sie soll der 42-Jährige laut Anklage am 21. Juli vergangenen Jahres in der gemeinsamen Wohnung in Sinzig-Franken erschlagen haben. Demnach sei es zunächst zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gekommen, bevor der Angeklagte aus bislang unbekannten Gründen unvermittelt auf die 43-Jährige eingeprügelt und -gestochen haben soll.

Dabei soll die Ehefrau, die mit dem Angeklagten fast fünf Jahre verheiratet war, massive Kopfverletzungen davongetragen haben, an denen sie schließlich verblutet ist. Ihre in Müllsäcken verpackte Leiche hat die Polizei am nächsten Tag im Kofferraum ihres am Remagener Güterbahnhof abgestellten Autos gefunden.

Wenig später hatte die Polizei den Angeklagten nach kurzer Verfolgungsjagd gestellt und festgenommen. Im Pkw fanden die Beamten 120 Gramm Amphetamine, 45.000 Euro in bar sowie eine schussbereite Waffe. Zu dem Tötungsvorwurf schweigt der 42-Jährige bislang. Dagegen hat er die Vergewaltigung seiner Freundin eingeräumt.

Die 30-Jährige ist seit 2004 mit dem Mann, der Mitglied des Motorcycle Clubs "Outlaws" ist, zusammen und hat mit ihm einen vierjährigen Sohn. In der gemeinsamen Zeit habe ein ständiges "Klima der Angst" geherrscht. Sie berichtete von brutalen Misshandlungen im Clubheim und in ihren Wohnungen in Bad Breisig und Sinzig. So auch am 27. August 2010, als der 42-Jährige sie nach einem Streit nachmittags bereits im Hausflur erwartet habe.

Mit vorgehaltener Waffe und einem Elektroschocker zwang er sie, die Haustür aufzuschließen. Dann habe er sie geschlagen, an Armen und Beinen ans Bett gefesselt und mehrfach vergewaltigt. Sie schilderte zudem, dass sich ihr Sohn zum Zeitpunkt des tödlich geendeten Streits in der Wohnung des Ehepaares aufgehalten habe. "Ich muss diese Zeit hinter mir lassen, sonst gehe ich irgendwann kaputt", erklärte sie schluchzend. Der Prozess wird fortgesetzt.