Sinziger Stadtrat setzt Bauleitplanverfahren in Gang

1500 Unterschriften gegen Nahversorgung

Das ehemalige Beton-Werk Rick soll Standort für das Nahversorgungszentrum werden. DROHNENFOTO: GAUSMANN

Das ehemalige Beton-Werk Rick soll Standort für das Nahversorgungszentrum werden.

SINZIG. Eine mangelnde Bürgerbeteiligung kann man der Stadt Sinzig wahrlich nicht vorwerfen, wenn es um den Bau eines Nahversorgungszentrums auf dem Areal des früheren Rick-Betonwerkes geht.

Der Stadtrat setzt auf Transparenz und bietet über das übliche Maß hinaus Mitsprachemöglichkeiten. Bekanntlich wollen sich dort Edeka, Aldi und Rossmann zentrumsnahe niederlassen. Das Vorhaben stößt aber nicht nur auf Gegenliebe. Insbesondere Anlieger des benachbarten Dreifaltigkeitsweges befürchten eine zu starke Verkehrszunahme.

Längst hat sich eine Bürgerinitiative ("Wir lieben Sinzig") gebildet. Sinzig sei gut versorgt, die Kaufkraft sei zu hundert Prozent gebunden, so deren Credo. "Wir lehnen die Planung eines Nahversorgungszentrums ab", sagte ein Sprecher der Initiative in der jüngsten Sitzung des Stadtrates. 1500 Unterschriften habe man bereits gegen das Vorhaben gesammelt.

Die tatsächliche Kaufkraft der Sinziger liegt allerdings bei lediglich 96,2 Prozent, der Einzelhandelszentralitätswert bei 106,8. Bedeutet: Für ein Mittelzentrum fließt verhältnismäßig wenig Geld in die Stadt.

Um die Nahversorgungssituation nachhaltig zu verbessern und zu stabilisieren, wurden Verhandlungen geführt, ob nicht die im Stadtrandbereich befindlichen Nahversorger näher an das Stadtzentrum geführt werden könnten, insbesondere die dort vorhandenen Filialen Rossmann und Aldi. Da der vorhandene Edekamarkt eine Expansionsmöglichkeit sucht, wären auf dem 20 000 Quadratmeter großen Rick-Gelände die Voraussetzungen geschaffen, - den Vorgaben des Landesentwicklungsplanes Rechnung tragend - ein neues Versorgungszentrum zu schaffen, das fußläufig vom Stadtkern aus erreichbar wäre. Erste Vorberatungen in den Fachausschüssen mündeten in zwei Einwohnerversammlungen, in denen es jedoch reichlich Gegenwind gab.

Nun beschloss der Stadtrat, ein Bauleitplanverfahren in die Wege leiten, das ein umfangreiches Beteiligungsverfahren von insgesamt 85 Trägern öffentlicher und privater Belange zur Folge hat. Auch die Bürger haben somit das Recht, Bedenken und Anregungen vorzutragen. Alle abgegebenen Stellungnahmen werden dann dem Stadtrat vorgelegt, der entsprechende Abwägungen vorzunehmen hat.

Erst danach kann eine etwaige Beschlussfassung über die weitere Fortführung des Planverfahrens erfolgen. Erneut werden dann Bürger wieder die Chance haben, Einwände geltend zu machen. "Wir stimmen heute also nicht über das Projekt ab", unterstrich Bürgermeister Wolfgang Kroeger in der Sitzung. Es werde lediglich ein Verfahren in Gang gesetzt, das der Bürger mit seinen Einwirkungsmöglichkeiten intensiv verfolgen könne.

Kommunalberater und Planungsexperte Thomas Schwarze wiederholte vor dem Stadtrat das vordringlichste Ziel: nämlich den Erhalt des Nahversorgungsstandards in Sinzig. Dies hatte er bereits in einer Bürgerversammlung getan - ohne allerdings auf freundliche Resonanz zu stoßen. "Der Standort steht durch Glück und Zufall so nahe zur Verfügung", sagte Schwarze. Auch er wies auf die Vorgaben des Landesentwicklungsplanes hin, wonach großflächiger Einzelhandel auf der grünen Wiese nicht mehr gewünscht ist.

Zur Erschließung der Industriebrache liegen mehrere Varianten vor. Fest steht indes, dass der Dreifaltigkeitsweg unbelastet bleiben soll. Mit neuen Trassen will man eine Zuwegung zum neuen Nahversorgungszentrum schaffen. Die Mitglieder der Bürgerinitiative - wie auch die Grünen - lehnen das ab. Eine Straße, beispielsweise parallel zur Ahr, wolle man nicht, da sie das Naherholungsgebiet tangiere, andere Straßen würden Wohngebiete beeinträchtigen und Immobilienpreise in den Keller stürzen lassen.

"Im Zuge des Bauleitplanverfahrens werden wir schlauer sein", meinte der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Hartmut Tann. Und Friedhelm Münch (FWG) stellte an die Bürgerinitiative "Wir lieben Sinzig" adressiert deutlich klar: "Wir lieben Sinzig auch und wollen die Stadt zukunftsfähig halten."