Römer-Therme in Bad Breisig

„Wir haben aus den Erfahrungen gelernt“

BAD BREISIG. In den Bad Breisiger Römer-Thermen soll vieles besser werden. Die SPD bleibt skeptisch und mahnt die Zahlen für 2018 an. Die allerdings liegen längst vor.

Tanja Faßbender ist zuversichtlich. Die Römer-Therme sei wieder in ruhigerem Fahrwasser, unterstreicht die 46-jährige Bad Breisiger Bäderbetriebsmanagerin. Die einst den Bäderbetrieb lähmenden Personalquerelen seien dank eines Mediationsverfahrens beigelegt, längst auf den Weg gebrachte Sanierungskonzepte könnten nun mit vereinten Kräften umgesetzt werden.

Nach wie vor wartet die Stadt am Rhein auf einen Bewilligungsbescheid des Landes. Denn aus Mainz erhofft man sich in der Quellenstadt einen Zuschuss zu dem rund drei Millionen Euro teuren Vorhaben, das insbesondere zu Energieeinsparungen führen soll. Langfristig soll das Bad zudem aufgehübscht und noch attraktiver werden. Derweil arbeite man im Bad an Verbesserungen der Erlös- und Ausgabestrukturen.

SPD will Privatisierung des Bades

Allen guten Nachrichten zum Trotz bleibt Faßbender, seit 2016 Geschäftsführerin des hoch defizitären Bades, weiter im Fadenkreuz der SPD. Seit die Bäderfachfrau die Geschicke der Thermen leite, gehe es immer weiter bergab, so der Vorwurf. „Während der finanzielle Verlust 2015 noch bei 600 000 Euro lag, schnellte er 2017 auf über eine Million hoch“, beanstanden die Sozialdemokraten. Sie fordern inzwischen eine Privatisierung des Bades. Zumindest soll eine Verpachtung an einen privaten Betreiber geprüft werden.

Das Ergebnis für das Jahr 2018, das eigentlich nach der Betriebssatzung bis Ende März hätte vorliegen müssen, werde gar zurückgehalten. Vermutlich wegen der Kommunalwahlen, glaubt die SPD. Allerdings liegen die Zahlen sehr wohl vor und wurden in Fachausschüssen bereits diskutiert. Das vorläufige Ergebnis zum Jahresende 2018 lag bei einem Minus von rund 940 000 Euro, stellte Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch (CDU) dann auch klar.

Darin enthalten: die Abschreibung und Altschuldentilgung des früheren Kurhaus. Am 14. Februar seien die Zahlen an die Mitglieder des zuständigen Werksausschusses Kurbetriebe weitergereicht. Dem Ausschuss gehört übrigens der Vorsitzende der Bad Breisiger SPD, Sebastian Goerke, an.

Rathaus: Politik ist umfassend informiert

Dessen ungeachtet fordert die SPD „die sofortige Offenlage der Jahresabschlüsse für die Stadt und die Römer-Thermen sowie die Einberufung des Rechnungsprüfungsausschusses“. Hermann-Lersch verweist indes darauf, dass zunächst die mit dem Zahlenwerk beauftragten Wirtschaftsprüfer ihre Arbeit machen müssten.

Kopfschütteln auch in der Bad Breisiger Verwaltung: „Die Vorstellung des Jahresergebnisses erfolgt im Werksausschuss Kurbetriebe der Stadt Bad Breisig und nicht im städtischen Rechnungsprüfungsausschuss.“

In der Vergangenheit sei der Werksausschuss umfassend über alle Angelegenheiten der Römer-Thermen informiert worden. „Die Informationen gingen sogar über das Notwendige hinaus, da Themen aus der laufenden Geschäftsführung angesprochen und diskutiert wurden, die nach der Betriebssatzung gar nicht im Zuständigkeitsbereich des Ausschusses lagen“, so die Bad Breisiger Büroleiterin Margit Schüller. Von mangelnder Transparenz könne also keine Rede sein.

SPD: Alles ist schlimmer geworden

So oder so bleibt es für die Bad Breisiger SPD dabei: Die mit der Einstellung einer hauptamtlichen Geschäftsführerin erhofften Erfolge zeigten sich nicht. Im Gegenteil. Alles sei viel schlimmer geworden. Hermann-Lersch weist das zurück: „Man darf nicht vergessen, dass in den vergangenen 20 Jahren nicht nennenswert in das Bad investiert wurde. Man kann die Geschäftsführerin nun nicht dafür verantwortlich machen, dass einige Dinge nicht so funktionieren, wie es wünschenswert wäre.“

Allerdings räumt die Stadtbürgermeisterin ein, dass man sich bei der Übernahme des früher verpachteten Gastrobereichs verkalkuliert habe. Statt Gewinne gab es Verluste. Aber auch hier sei Besserung in Sicht. Mit einem neuen – von externen Fachleuten begleiteten – Konzept wolle man die Bädergastronomie künftig betriebswirtschaftlich erfolgreicher führen. Faßbender: „Wir haben aus den Erfahrungen gelernt.“

Ausgebuchte Kurse

Angepasst wurden nun zum 1. Mai auch die Öffnungszeiten. In den Abendstunden wird das Bad früher geschlossen, zum einen, um Betriebskosten einzusparen, zum anderen, um dem tatsächlichen Bedarf Rechnung zu tragen. Nach 20 Uhr, so Faßbender, sei das Bad so schlecht ausgelastet gewesen, dass sich der Betrieb nicht mehr gelohnt habe. Entflechtet wurde inzwischen auch der Tarifdschungel.

Komplett ausgebucht sind die seit einigen Monaten durchgeführten Schwimmkurse. Bis Ende 2019 seien alle Kurse belegt, so Faßbender. Wie berichtet, soll es ab Sommer dann auch Schulschwimmen in den Römer-Thermen geben.