Energiespeicher oder Abfalldeponie

Zukunft der Tongrube in der Grafschaft ungewiss

Die Tongrube Leimersdorf könnte als Erdspeicher für die Nahwärmeversorgung genutzt werden.

Die Tongrube Leimersdorf könnte als Erdspeicher für die Nahwärmeversorgung genutzt werden.

GRAFSCHAFT. Die Grafschaft will aus Haribo-Abwasser Strom und Wärme gewinnen, die Tongrube soll als Energiespeicher dienen. Der Tongrubenbetreiber möchte eine Abfalldeponie aus der Grube machen.

Aus der Tongrube Leimersdorf soll eine Abfalldeponie der Deponieklasse 1 werden – das wünscht sich zumindest der Tongrubenbetreiber, der bereits im Oktober 2014 ein entsprechendes Planfeststellungsverfahren eingeleitet hat. Dessen Ausgang ist derzeit noch offen. Doch wenn die Deponie genehmigt würde, könnte sich das Unternehmen einen Abtransport des Stabilisats sparen und zugleich kapitalträchtig Bauschutt einlagern. Das wollen Gemeindeverwaltung und Gemeinderat Grafschaft aber unter allem Umständen abwenden und setzen alles daran, die Deponie zu verhindern. Jetzt scheint man eine Handhabe gefunden zu haben, um das ungeliebte Projekt endgültig zum Scheitern zu bringen: Aus der Tongrube könnte ein Energiespeicher werden, in dem die Abwärme der Haribo-Produktionsanlagen zwischengespeichert wird. Darüber berät der Bau-, Planung- und Dorfentwicklungsausschuss in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 13. März, um 18 Uhr im Ringener Rathaus.

Konkret geht es in der Sitzung darum, zunächst den Flächennutzungsplan sowie den Bebauungsplan für die Tongrube dahingehend zu verändern, dass das Abbaufeld „Heckweg“, das nach Angaben des Tongrubenbetreibers ausgebeutet ist, als „Sondergebiet für Kraft-Wärme-Kopplung und saisonale Wärmespeicherung“ dargestellt und im Bebauungsplan ebenfalls als solches ausgewiesen werden soll. Das sei erforderlich, so Fachbereichsleiter Klaus Becker in den Sitzungsunterlagen, „weil man die Abwärme eines Blockheizkraftwerkes aus den Sommermonaten bis zur Heizperiode im Winter in einem Becken speichern“ wolle. Im Winter könne dann die gespeicherte Wärme in ein Nahwärmenetz eingespeist werden. Darüber hinaus soll mit einer Veränderungssperre verhindert werden, dass noch vor Inkrafttreten des Flächennutzungsplanes vollendete Tatsachen geschaffen werden.

Schon seit mehreren Jahren beschäftige sich die Gemeinde mit Nutzungsmöglichkeiten der Kraft-Wärme-Kopplung, heißt es in den Sitzungsunterlagen, ebenso mit der Nutzung von erneuerbaren Energien und industrieller sowie sonstiger Abwärme. Insbesondere im Bereich der Wärmeversorgung bestehe Handlungsbedarf. Empfohlen werde der Aufbau von Nahwärmenetzen, die auf Kraft-Wärme-Kopplung gestützt sind. Mit der Ansiedlung von Haribo ergebe sich nun die Möglichkeit einer Kraft-Wärme-Kopplung dank der energetische Nutzung von Biogas, das bei der Behandlung der Produktionsabwässer entstehe.

Grundstoffe der Haribo-Industrieproduktion seien Zucker, Traubenzucker, Glukosesirup und Gelatine. Hinzu kämen Geschmacks- und Farbstoffe für einzelne Produkte sowie modifizierte Maisstärke für die Gussformen und Trennmittel wie Palmöl. Das Abwasser aus der Haribo-Produktion werde getrennt erfasst, zum einen als übliches Abwasser und zum anderen als Produktionswasser. Letzteres entstehe durch die regelmäßige Reinigung der Rohrleitungen mit heißem Wasser, wodurch man hohe Anteile an Zuckerverbindungen erhalte. Durch eine Vorbehandlung soll der Kohlenstoff im Zucker in Biogas umgewandelt und energetisch genutzt werden. Derzeit werde in unmittelbarer Nähe des Haribo-Firmengeländes eine entsprechende Abwasservorbehandlungsanlage geplant und solle auch kurzfristig realisiert werden.

Bei einer Abwassermenge von nur rund 220 Kubikmeter pro Tag entstehe so Biogas mit einem Energiegehalt von etwa 11,3 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Mit dem weiteren Ausbau des Produktionsstandortes werde die Leistung noch weiter ansteigen. Diese Energie könne genutzt werden, um mit einem Blockheizkraftwerkes Strom zu erzeugen.

Ein Blockheizkraftwerk sei jedoch nur in der Lage, etwa 40 Prozent des eingesetzten Gases in elektrische Energie umzuwandeln, etwa 60 Prozent werde zu Wärme. Diese falle gleichmäßig an, könne aber an mögliche Abnehmer meist nur mit großen saisonalen Schwankungen abgegeben werden. Daher müsse die überschüssige Wärme im Sommer gespeichert werden, um sie im Winter wieder abgeben zu können. Eine effiziente Form der Wärmespeicherung sei die Nutzung eines Reservoirs, das aus einem großen, abgeschlossenen und gedämmten Erdbecken bestehe, welches mit verschiedenen Speichermedien gefüllt werden könne. Über Rohrleitungen soll die Wärme in den Speicher eingespeist und bei Bedarf auch wieder entnommen werden.

Abbaufeld Heckeweg bietet sich an

Für die Nutzung als saisonaler Wärmespeicher biete sich die Tongrube Leimersdorf an, vor allem das Abbaufeld „Heckweg“. Dies sei bereits seit November 2018 ausgetont, eine Erweiterung aus eigentumsrechtlichen Gründen nicht mehr möglich, so die Gemeindeverwaltung. Stand jetzt sei die Tongrube gemäß dem genehmigten Rahmenbetriebsplan aus dem Jahre 1996 nach Abschluss des Tonabbaus zu verfüllen. Danach solle die Grube aus der Bergaufsicht entlassen werden.

Die Nutzung der Grube als saisonaler Wärmespeicher sei eine sinnvolle Anschlussnutzung, die zudem im öffentlichen Interesse stehe. Eine vergleichbare Alternative stehe derzeit nicht zur Verfügung.

Deshalb wolle der Gemeinderat für den Bereich der Tongrube eine entsprechende Bauleitplanung aufstellen und zur Sicherung der Planung einer Veränderungssperre einrichten. Wenn der Eigentümer nämlich, wie beabsichtigt, die Grube verfülle, würde dies die Pläne der Gemeinde durchkreuzen. Dieser konkreten Gefährdung gelte es durch die Veränderungssperre entgegenzuwirken.

Die endgültige Entscheidung trifft der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 28. März, um 18 Uhr im Ringener Rathaus.